Warnstreiks weiten sich aus
02.02.2010 | 19:09 Uhr 2010-02-02T19:09:00+0100
Vest. Die Gewerkschaften zeigen gleich zu Beginn der Tarifauseinandersetzung Muskeln. Bereits ab dem frühen Donnerstagmorgen soll der öffentliche Dienst still stehen: Vestische, Arge, Krankenhäuser und Stadtverwaltungen werden bestreikt.
Von Donnerstagmorgen 3.30 Uhr bis zum Dienstbeginn am Freitag werden die Busse im öffentlichen Nahverkehr nicht fahren. Die Vestische mit Standort Herten wird betreikt. Leidtragende sind Berufspendler und auch Schüler. Schulleiter sehen keine Notwendigkeit, den Unterricht ausfallen zu lassen. „Eltern müssen den Schulbesuch organisieren”, hieß es von Seiten der Stadt Herten. Ludger Müller, Leiter der Gesamtschule, hat gestern die 1143 Schülern bereits informiert und daruf hingewiesen, dass der Unterricht auf jeden Fall stattfindet. Dies sagt auch Joachim Posanski, Leiter des Gymnasiums im Loekamp in Marl: „Die Schüler können mit dem Fahrrad fahren oder Eltern bringen sie zur Schule.”
Die Berufsschulen, so sagt Klaus Müller, stellvertretender Leiter des Max-Born-Kollegs, sind von dem Streik bei der Vestischen nicht in dem Maße betroffen: „Viele unserer Schüler sind mobil.” Allerdings, dies ließen Schulleiter durchblicken, wenn es gar nicht geht, werde niemandem der Kopf abgerissen.
In Haltern am See ist die Entscheidungen noch offen. Man warte den heutigen Tag noch ab, sagte Georg Bockey, seit dem 1. Februar neuer Pressesprecher der Stadt.
Bei der Vestischen gibt es auch keinen Plan B für besondere Fälle. Auch die Privaten, die im Auftrag der Vestischen vorwiegend im Schülerverkehr fahren, können nicht auf die Straße, weil die Leitstelle bestreikt wird. Die Bürger müssen ihre Beweglichkeit selbst organisieren. Das nimmt die Gewerkschaft Verdi in Kauf, um ihre Forderungen zu untermauern.
Eine Beteiligung von rund 1000 Kollegen erwartet Bernd Dreisbusch von Verdi Emscher-Lippe-Nord am Donnerstag beim Warnstreik: „Allerdings ist die Bereitschaft bei den Mitarbeitern in den Kommunen recht unterschiedlich.”
Wenn die Witterung es erfordert, werden die Mitarbeiter der Bauhöfe morgens um 4 Uhr zum Streudienst ausrücken und nicht streiken. Die zentrale Kundgebung von Verdi im Kreisgebiet findet in Recklinghausen am Bahnhof ab 9.30 Uhr statt. Nach kurzen Ansprachen von Geschäftsführerin Andrea Becker und Jugendvertertern zieht der Demonstrationszug am Rathaus vorbei zum Kreishaus. Die Demo endet gegen Mittag wieder am Bahnhof.
Dass die Gewerkschaften sofort mit einem 24-stündigen Warnstreik einsteigen, liegt, so Bernd Dreisbusch, an der Tatsache, dass die Arbeitgeber überhaupt kein Angebot vorgelegt haben. „Unsere Forderung von fünf Prozent beinhaltet ja auch zwei sozialpolitische Aspekte: den Einstieg in die Alterszeit zu verlängern und die Übernahme von Ausgebildeten für ein Jahr.”
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe geht davon aus, dass auch in der Hertener Klinik und der Jugendpsychiatrie Marl Mitarbeiter am Warnstreik teilnehmen werden. Pressesprecher Karl-Georg Donath: „Dann greifen Notdienstpläne, die mit dem Gewerkschaften und den Personalvertretungen vor Ort abgestimmt wurden. Die Patientenversorgung ist auf jeden Fall gesichert.”
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