Von Teufelskreisen auf Schienen und Straßen
05.09.2008 | 17:44 Uhr 2008-09-05T17:44:00+0200Vest. Die Bahn sonnt sich in Rekordgewinnen. Muss sie auch, schließlich will sie an die Börse. Bloß für wirksamen Lärmschutz sei kein Geld da, klagen seit Monaten Bürger entlang der Hamm-Osterfelder Strecke durch den Süden des Vestes.
Doch, man höre und staune, an diesem Wochenende beginnen tatsächlich Sanierungsarbeiten an der umstrittenen Trasse. Neue Schwellen und Gleise liegen schon seit Tagen bereit.
Während der Bauarbeiten ruht der Güterzugverkehr, was die Anwohner zweifellos freuen wird. Allerdings rücken die Bautrupps der Bahn nicht an, weil Bürger und Parteien von Westerholt über Disteln bis Hochlar und Suderwich so laut Alarm geschlagen haben. Nein, es sind wohl vor allem technische Gründe: Die für 2014 geplante Sanierung muss vorgezogen werden, weil die alten Holzschwellen ziemlich marode sind. So oder so: Wenn's leiser wird, freut es die Bürger.
Deren Proteste, die in Herten ihren Anfang nahmen, ziehen längst Kreise. Seit sich der Hochlarer CDU-Chef Heinz Stöcker mit einer Unterschriftensammlung engagierte, stapeln sich bei ihm Reaktionen aus anderen Recklinghäuser Stadtteilen: Auch durch Hillerheide und Ost rattern die Güterzüge auf der Hamm-Osterfelder.
Eine Geißel ist für Tausende von Bürgern nicht nur Bahnlärm. Entlang der Autobahnen, an zahlreichen Stadtstraßen herrschen Verhältnisse, die mit den aktuellen Lärmschutzrichtlinien der EU schon längst nicht mehr zu vereinbaren sind. Wer solche Situationen anpackt, sticht allerdings in das sprichwörtliche Wespennest: Sperrungen für Lkw schieben die Probleme bloß ein paar Straßen weiter, verlagert man den Gütertransport – wie so oft gefordert – auf die Schiene, wachsen dort Zugfrequenz und Lärmbelastung. Teufelskreise, so scheint es, aus denen es kein Entrinnen gibt. Oder doch? Leisere Schienen, besser gedämpfte Waggons, umweltfreundlichere Lkw sind technisch möglich. Aber sie sorgen für steigende Preise und neue Konflikte. Denn es ist ja nicht zuletzt der Preis, der Wohl und Wehe in Wirtschaft und Gesellschaft bestimmt.
Was noch war in dieser Woche? Das Desaster der SPD in der einstigen roten Hochburg Oer-Erkenschwick. Stunden nach der Delegiertenkonferenz, die den Aufbruch zur Kommunalwahl 2009 markieren sollte, warf der Vorsitzende Volker Seeman entnervt die Brocken hin – eine einst strahlende Partei zerlegt sich selbst.
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