Vom Geheimtipp zum Hit
15.08.2011 | 16:52 Uhr 2011-08-15T16:52:55+0200
Recklinghausen. Die Ü-30-Party in der Altstadtschmiede ist gefragt wie nie zuvor. Den Tanztreff im „studio 10“ gibt’s an jedem zweiten Freitag im Monat, los geht’s immer ab 21 Uhr.
Die Salsa-Nummer läuft gerade aus, und sofort hält „Fairytale Gone Bad“ von Sunrise Avenue die Tanzenden auf der Fläche. Auch an der Theke und im Lougebereich in der Altstadtschmiede geht’s ab: Das „studio10“ ist schon lange kein Geheimtipp mehr, sondern ein durchschlagender Erfolg.
Lounge in der Schmiede? Wer jetzt stutzt, hat den Tanztreff an jedem zweiten Freitag in Monat ab 21 Uhr noch nicht besucht: Über den Köpfen hängen weiße Lampions, und kleine Sitzgruppen und ein feines, weißes Sofa laden zum „Chillen“ ein. Dezentes Kerzenlicht an den Tischchen. Serviceleiterin Diana Huber verteilt noch Glasschalen mit Knabbergebäck, bevor der Ansturm losbricht. Und wenn DJR auflegt, gibt die Disco-Licht-Anlage bis zum frühen Morgen alles.
DJR heißt im bürgerlichen Leben Ralf Segert. „Für studio10 wird die Schmiede jeden Monat verwandelt. Das Besondere? Ich spiele Charts, Oldies, Balkan-Beat, Weltmusik.“ Und er erfüllt aus Prinzip keine Musikwünsche, „weil man es nie allen recht machen kann, und ich mich weigere, beispielsweise ,I will survive’ zu spielen.“
Den Leuten – alle um die 40, viele älter – scheint’s jedenfalls zu gefallen, was DJR am Turntable treibt. Diana Huber: „Wir wollten es eigentlich wegen der Sommerferien ein Mal ausfallen lassen, aber es geht nicht. Studio10 läuft einfach zu gut. Anfangs kamen so rund 50, und nach einem Jahr sind es auch schon bis zu 160.“ Wer weiß, wie klein die Schmiede ist, hat eine Vorstellung davon, was das bedeutet: voll, eng, laut und heiß.
Was Diana, DJR und Max, dem Mixer, bei ihren Einsätzen gefällt: Das Publikum sei nett, wolle friedlich und gepflegt Spaß haben. Die Serviceleiterin: „Hier wird nicht blöde angebaggert.“
Auch die beiden Kumpel Julius und Rolf kommen regelmäßig zu den Tanzabenden. Julius: „Meistens bin ich hier auch mit meiner Schwester verabredet.“ Rolf: „Ein Mal im Monat reicht völlig, und ich bleibe auch nicht bis in die Puppen“.
Voll in ihrem Element ist Mirjana, die besonders die Salsa-Musik von DJR auf die Tanzfläche lockt: „Ich lerne gerade Zumba. Diese lateinamerikanische Musik geht voll ins Blut.“ Die Schmiede kennt sie gut, aber ins „studio10“ habe es sie erstmals verschlagen. „Heute feiert nämlich meine Nichte ihren 19. Geburtstag, direkt bei mir nebenan. Da wird bestimmt keine Musik gespielt, die mir gefällt.“
Kurzer Blick in die Runde. Stephanie und eine ihrer Freundinnen stoßen mit Sekt auf den Abend an, bevor sie die Bühne entern wollen. Stephi: „Es ist schon ein gewisser Frauenüberschuss zu beobachten. Ist mir aber egal, ich bin mit meinem Freund hier. Es tanzen auch kaum welche zusammen, gerade darum macht es hier Spaß.“
Die Partys in der Schmiede sind für Menschen, deren Kinder sich lieber im Moondog oder bei Abi-Vorfeten amüsieren, und für Leute, die Riesen-Partys mit „Bagger“-Garantie abschrecken, so könnte man das „studio10“ bezeichnen.
Diana und ihre Thekenkollegen haben alle Hände voll zu tun: Bier geht prima, Wein auch, „aber es wird so gut wie kein Schnaps getrunken“, so die Serviceleiterin. Für einen weiteren angenehmen Aspekt ist Max zuständig: „Es gibt eine kleine, aber feine Cocktail-Auswahl: Ich mixe Ipanema, Caipirinha, Mojito und Sex on the Beach.“
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