Vernetzt auf Rezept
05.02.2010 | 17:46 Uhr 2010-02-05T17:46:00+0100Marl. „Zwischen Schadensminderung und Sucht auf Rezept – 20 Jahre Substitution”, also Drogenersatztherapie, unter diesem Motto steht die 9. Fachtagung „Drogen und Justiz” am 11. Februar in der Justizakademie Recklinghausen.
„Ein Ziel der Veranstaltung ist”, so Norbert Pfänder, Leiter der Drogenberatung Westvest in Marl, „die Vernetzung von beiden auszubauen.” Denn das Thema Drogen kommt irgendwann zwangsläufig auch mit dem Strafrecht in Verbindung. Deshalb solle die Kooperation zwischen den verschiedenen Institutionen im Kreis Recklinghausen, die auf diesem Gebiet tätig sind, verbessert werden.
Aus diesem Grund sind unter anderem Richter, Polizei, Bewährungshelfer, Drogenberater, Mitarbeiter von Justizvollzugsanstalten sowie Therapeuten und Ärzte angesprochen.
797 Substituierte
allein im Kreis
Allein im Kreis Recklinghausen gebe es 797 Methadon-Substituierte, davon allein 118 in Marl, erklärt Pfänder. Insgesamt sind im Kreis 1500 bis 2000 Personen heroinabhängig. Dabei überwiegt der männliche Teil mit etwa 80 Prozent. „Methadon hat maßgeblich dazu beigetragen, dass es weniger Drogentote gegeben hat, außerdem ist die Beschaffungskriminalität zurückgegangen”, so Peter Appelhoff, Leiter der Drogenhilfe in Recklinghausen. „Es gibt allerdings das Problem, genügend Ärzte zu bekommen, die diese Substitution durchführen. Denn einige Mediziner scheuen sich davor, weil es dem Praxisimage schaden könnte. Außerdem müssen sie eine suchtmedizinische Zusatzausbildung absolvieren.”
Im gesamten Kreis seien lediglich 20 bis 30 Ärzte für die Subvention zugelassen, in Recklinghausen gebe es lediglich zwei, die behandeln. „Dabei muss der Patient jeden Morgen zum Arzt, um sich seine Dosis abzuholen. Erst wenn er als stabil gilt, gibt es auch Wochenrationen, die er zu Hause selbst einnehmen kann”, erklärt Barbara Kensch-Pukrop von der Drogenberatung Westvest.
All diese Themen werden unter der Leitung von Norbert Pfänder und Arno Stamm (Ambulanter-Sozialer-Dienst der Justiz Marl) auf der Fachtagung zur Betäubungskriminalität durch Referenten aus den verschiedensten Bereichen erläutert: Von der Substitution im Strafvollzug über Originalstoffvergabe bis hin zu Vergleichen mit Ländern wie den Niederlanden und der Schweiz.
Für die Veranstaltung haben sich bereits 110 Teilnehmer angesagt. „Wir haben noch zehn freie Plätze”, so Norbert Pfänder. Interessenten können sich für diese Fachtagung noch anmelden. Kontakt: 02365 17 464.
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