Uli Paetzel hofft auf einen Start-Ziel-Sieg
19.08.2009 | 19:06 Uhr 2009-08-19T19:06:00+0200Die Chancen seiner Konkurrentin Anke Flemmings Chancen sind minimal.
Herten. Das rote Rathaus in Herten hat schon viele Stürme überstanden. Als Baukörper erst Anfang dieses Jahres, als nach kurzer aber heftiger Diskussion seine Sanierung beschlossen wurde; aber auch als Symbol für die Machtverhältnisse gilt seit Jahrzehnten das mit roten Klinkern verkleidete Haus aus den 60er Jahren.
Es hat den in anderen SPD-Hochburgen erfolgreichen CDU-Angriffen im Ruhrgebiet 1999 und 2004 lässig widerstanden – und dürfte dies auch am übernächsten Sonntag tun: Bei der Kommunalwahl starten die Hertener Sozialdemokraten aus der Poleposition und alles „riecht” nach einem klaren Start-Ziel-Sieg.
Ihr größtes Handicap sieht die Partei um den amtierenden Bürgermeister Dr. Uli Paetzel (37) in dem Zustand der SPD auf Bundesebene. „Steinmeier sieht aus wie mein ehemaliger Philosophie-Lehrer und Schulz wirkt wie ein Geschichtsprofessor”, frotzelte ein Spitzengenosse vor der Europawahl über das Spitzenpersonal und fürchtete das Schlimmste. Es kam anders. Die SPD in Herten legte gegen den Trend zu – und schöpft daraus natürlich zusätzliche Motivation für den 30. August.
Geschickt schreiben sich Hertens Sozialdemokraten die Fortschritte der Stadt aus den vergangenen fünf Jahren auf die eigenen Fahnen. Obwohl die Stadt mindestens so pleite ist wie viele andere, hat sie mit Hilfe von EU, Bund und Land in der Tat vieles auf den Weg gebracht.
Auf der Hitliste ganz oben stehen der Landschaftspark Hoheward und die Entwicklung des Ewald-Geländes mit Logistik-Betrieben und dem Wasserstoffkompetenzzentrum. Das erfolgreiche Stadtteil-Projekt Süd dient als Vorbild für die anstehenden Vorhaben in Langenbochum und Westerholt/Bertlich. Die Sanierung großer Straßenzüge (Herner, Ewald-, Feld-) schönt das Bild, und nicht zuletzt hat Herten seine Schulen auf Vordermann gebracht, selbst neue Sporthallen gibt es.
Dass weit mehr als 90 Prozent all dieser Beschlüsse mit den Stimmen von CDU, Grünen, UBP oder UWG auf den Weg gebracht wurden, wird da schnell vergessen. Deutlich wird aber auch, dass den politischen Gegnern die echten Angriffsflächen fehlen.
Hinzu kommt, dass es die CDU in den vergangenen fünf Jahren nicht geschafft hat, ein eigenes Profil zu entwickeln. Selbst bei den wenigen strittigen Themen (Entwicklung des Herten-Forums, Rathaus-Sanierung , Sanierung der Willy-Brandt-Schule) folgte die Partei um ihren Vorsitzenden und Fraktionschef Stefan Grave am Ende der SPD (oder enthielt sich der Stimme oder stimmte erst gar nicht ab). Am Ende reichte es nicht einmal zu einem eigenen Bürgermeisterkandidaten.
Die parteilose Anke Flemming ist somit die einzig echte Herausforderin Paetzels, da sie von CDU und FDP unterstützt wird. Sie tut sich in ihrem Wahlkampf aber entsprechend schwer. Die 41-jährige Prokuristin einer AGR-Tochter will den Haushalt der Stadt in Ordnung bringen, neue Betriebe ansiedeln und die Stadt Herten attraktiver gestalten. Wie sie dies konkret erreichen will, ist bis heute nicht wirklich kommuniziert.
Die Kandidaturen von Karl Kneip (Grüne), Thomas Prinz (Die Linke) und Kerstin Bongers (Unabhängige-Bürger-Partei) drücken hingegen in erster Linie aus, dass ihre Parteien weder Paetzel noch Flemming stützen wollen. Die Unabhängige Wählergemeinschaft, AUF Herten und WIR in Herten verzichten auf eigene Bürgermeisterkandidaten.
23:28
eins muss man frau flemming lassen, sie mut und zivilcourage gegen dr.paetzel anzutreten. es ist schon ein armutszeugnis,was sich die cdu in
herten, wegen der kandidatur zum bürgermeisteramtes geleistet hat. paul dessau