Übermut tut selten gut
29.05.2011 | 18:16 Uhr 2011-05-29T18:16:00+0200Waltrop. „Ich hätte nicht gedacht, dass Menschen in einem Rollstuhl so wendig sein können“, sagt Holger Schmidt, der mit dem Fahrrad aus Brambauer gekommen ist, um sich Tennis anzustehen. Eigentlich wollte der passionierte Fan den French-Open-Finalisten und Olympischen Medaillengewinner Marc-Kevin Goellner sehen. Doch was er dann auf dem Spielfeld im Stadtteil Elmenhorst zu sehen bekam, hat ihn fast mehr fasziniert. Keine „Fußgänger“, sondern zwei Rollstuhlfahrer haben sich auf dem Platz eingefunden, um ein ordentliches Tennisspiel mit schnellen Ballwechseln zu zeigen.
Es sind natürlich keine Straßenrollstühle, sondern Sonderanfertigungen für den Sport, die von den Spielern genutzt werden. Viele Gelegenheiten, den Sport auszuprobieren, gibt es nicht, denn es ist fast eine einmalige Einrichtung in Deutschland.
Für den Betreiber der Elmenhorster Tennis Ranch ist es schon eine Herzenssache, denn seitdem er vor Jahren auf das Schicksal einer jungen Lünerin aufmerksam wurde, die als Kind ihren Eltern nur aus dem Rollstuhl beim Tennis zusehen konnte, ist Christoph Kellermann einer der größten Fans des Rolli-Tennis.
„Ich wünsche mir, dass viele Rollstuhlfahrer einfach mal zu uns kommen und es ausprobieren“, sagt der Organisator und freut sich, dass es mit Sponsoren gelungen ist, das Sportangebot seit fünf Jahren kostenlos anzubieten. 2006 kam der Anlagen-Betreiber zusammen mit Regina Isecke auf die Idee, eine Charity-Veranstaltung in Waltrop zu veranstalten. Die Kölnerin sitzt selbst im Rollstuhl, hat so ziemlich alle Titel gesammelt, die es im Rollstuhl-Tennis zu erringen gibt und fungiert als Schirmherrin der Veranstaltung.
Der Erfolg lässt sich sehen, denn Stars und Sternchen kommen immer wieder gerne an die Brambauer Straße, ohne eine Gage dafür zu bekommen. Einen sportlichen Höhepunkt gab es am Samstagnachmittag mit einem Weltrekordversuch. Dabei hat sich der „Wetten dass…?“-Teilnehmer Erkan Soysal auf ein Match der besonderen Art mit dem Tennisprofi Marc-Kevin Goellner eingelassen, bei dem es nur um hohe Bälle ging.
Abgespielt wurde auf einem Hubwagen in 42 Metern Höhe über dem Platz von Goellner.. Auf dem Boden der Tatsachen in 50 Metern Entfernung stand Erkan Soysal mit konzentriertem Blick und einem Schläger in der Hand. Sein Ziel war es, die fliegenden Bälle so zu fangen, dass sie auf dem Schläger liegen bleiben. Schon den ersten von sechs Versuchen meisterte der Schläger-Virtuose ohne Probleme, wie auch die folgenden, doch beim letzten Versuch siegte der Übermut – hinter dem Rücken konnte er den Ball nicht auffangen.
Und doch ist der Weltrekord unter den Augen der TV-Kameras eingestellt worden. Zur Belohnung gab es Autogramme von Pop-Produzent Dieter Bohlen und von Altrocker Udo Lindenberg, die zwar nicht selber kommen konnten, aber durch realistische Doubles vertreten wurden. Auf der After-Match-Party am Abend überraschte Pop-Band Wonderwall mit einem Akustik-Set und sorgte für Spenden für den Sport mit Integrationshintergrund.
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