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Tosender Jubel und die Becker-Faust

13.05.2012 | 22:38 Uhr
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Tosender Jubel und die Becker-Faust
Geballter Jubel. Andreas Becker, Fraktions-Chef Frank Cerny und der stellvertretende Bürgermeister Jochen Weber (v.r.) freuen sich im Kreis der Genossinnen und Genossen bei der Wahlparty im Herbert-Wehner-Haus über den sich abzeichnenden Sieg der SPD.

Recklinghausen. Recklinghausens „Mann in Düsseldorf“ bleibt weiterhin Andreas Becker. Zwei Wochen vor seinem 46. Geburtstag machten die Wählerinnen und Wähler dem SPD-Kandidaten ein vorzeitiges Geschenk und schickten ihn erneut und damit zum dritten Mal in den NRW-Landtag. Mit 47,97 Prozent aller gültigen Stimmen fiel das Resultat des Stadtverbandsvorsitzenden gegenüber 2005 (44,6), als er auf Peter Budschun folgte, und 2010 (44,3) diesmal noch besser aus.

Er legte auch bei den Zweitstimmen zu, liegt insgesamt noch über dem ohnehin starken Landesergebnis seiner Partei und verdoppelte den Vorsprung gegenüber seinem ärgsten Widersacher. Klar geschlagen geben musste sich die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Benno Portmann. Der Fraktions-Chef im Recklinghäuser Rat kam nach 34,0 Prozent der Erststimmen 2010 diesmal nur auf 27,41 Prozent und erlebte damit wie die Landes-Partei geradezu ein Debakel. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,30 Prozent und war damit etwas besser als noch vor zwei Jahren (57,91).

Tosender Jubel und Applaus brach im Herbert-Wehner-Haus in Recklinghausen, dem Sitz von Stadt- und Kreis-SPD, aus, als um Punkt 18 Uhr die erste Hochrechnung verkündet wurde. 39 Prozent für die SPD, 12 Prozent für die Grünen. „Damit haben wir unser erstes Wahlziel erreicht“, sagte Andreas Becker und tat es seinen Genossen gleich. Er reckte die Faust. „Rot-Grün ist sicher in NRW“, so Becker, der lange vor Bekanntgabe der lokalen Ergebnisse zum Feiern aufrief: „Warum sollten wir hier verlieren, wenn wir überall zugelegt haben.“ Er sollte Recht behalten; auch mit seiner Hoffnung, gegenüber 2010 persönlich zulegen zu können.

Zwei Hauptaufgaben sieht der Pädagoge und zweifache Familienvater in der nächsten Legislaturperiode: die Finanzen müssen konsolidiert werden. „Und wir müssen Politik besser vermitteln.“ Dass eine Partei „ohne Inhalt“, wie er sagt – die Piraten – gewählt würden, müsse alle nachdenklich stimmen. Bald erreichte ihn der Glückwunsch des Kreis-Vorsitzenden Frank Schwabe, dessen Blick sich bereits nach vorne richtete: „Dass der Abstand zur CDU nochmals gewachsenen ist, zeigt, was für eine geschlossen kämpfende SPD im Recklinghausen möglich ist -- auch bei den Kommunal- und Bürgermeisterwahlen.“

Keine rechte Stimmung mochte derweil unter den Anhängern der CDU bei der „Wahlparty“ im Ratskeller aufkommen. „Glückwunsch an Andreas Becker. Für uns ist das natürlich ein niederschmetterndes Ergebnis. Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass man gegen den Trend keine Wahl gewinnen kann“, resümierte Benno Portmann. Die Zweifel daran, ob der Spitzenkandidat Norbert Röttgen („Er hat die richtigen Konsequenzen gezogen“) der richtige Mann ist, sei an den Wahlkampftischen das bestimmende Thema gewesen. „Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass es sich nicht um ein lokales Problem handelt.“

Neben der SPD gab es in Recklinghausen einen zweiten großen Gewinner: die Piraten. Quasi aus dem Stand kamen sie auf knapp zehn Prozent. Zu den Verlierern zählen die Linken. „Wir freuen uns riesig“, drückte Spitzenkandidat Mark Spangenberg stellvertretend für alle Piraten im Kreis die Stimmung der Newcomer nach einem harten Wahlkampf aus. „Dass wir hier in allen Wahlkreisen das drittstärkste Ergebnis bei den Erststimmen haben würden, haben wir nicht erwartet. Das macht eine Menge Lust auf die lokalen Themen, den wir uns jetzt zuwenden wollen.“

Andreas Rorowski

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