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JUSTIZ

Tiefe Wunden in der Seele

17.04.2009 | 18:35 Uhr

Oer-Erkenschwick/Recklinghausen. Es ist, was es ist: sexueller Missbrauch der Enkelin. Eine tiefe Wunde in der Seele, die kaum zu heilen ist, die vielleicht für immer bleibt. Schmerz ohne Ende, psychische Pein.

Und trotzdem, ohne falsches Mitleid: Der Fall, den die 1. Recklinghäuser Jugendschutzkammer am Freitag zu entscheiden hatte, war mehr als Schwarz und Weiß. Er war eine Tragödie für alle Beteiligten. Auch für den Großvater.

Selten war Reue so deutlich zu spüren, selten war Einsamkeit so ersichtlich. Der kleine, unscheinbare Mann auf der Anklagebank ist ein gebrochener Mensch. Und, wie Verteidiger Thomas Schäfer sagte, „vor Schreck über das, was er getan hat, fast verstummt”. Der Rentner (65) leidet, schaut verängstigt um sich, tupft Tränen weg. Der Anwalt fürchtet gar, er könne die drei Jahre Gefängnis, die die Kammer letztlich verhängte, nicht überstehen. „Er ist völlig allein, die Familie hat sich abgewendet.”

Im Jahr 2000, als die Enkelin neun Jahre alt war, begann er sie anzufassen. Alle zwei Wochen übernachtete das Kind beim Opa, der damals in Oer-Erkenschwick wohnte. Und es blieb nicht bei Berührungen. Letztlich verlangte er Oralverkehr. Das machte dem Mädchen, inzwischen elf, Angst: „Werde ich jetzt schwanger?” fragte es eine Klassenkameradin. Die wusste das auch nicht, riet ihr zum Gespräch mit der Mutter. So erfuhr auch die Tochter des Recklinghäusers von den schlimmen Szenen im Schlafzimmer. Sie reagierte sofort, entschied: Wir brechen den Kontakt ab.

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Um zu zeigen, wie sehr er seine Taten mittlerweile bereut, hat der 65-Jährige einen durchaus ungewöhnlichen Weg eingeschlagen: Er hat der Enkelin angeboten, ihr ab sofort 200 Euro monatlich zu zahlen – sozusagen als kleine Entschädigung. Das lehnte die Auszubildende (18) aber rigoros ab: „Damit kann man es auch nicht wiedergutmachen.”

Siebeneinhalb Jahre sind seitdem vergangen. Jahre, die allein schon Strafe waren für den Rentner. Die Tochter grüße nur noch knapp, die Enkelin habe nie wieder mit ihm gesprochen. Er wisse schon, dass er allein die Schuld daran trage, habe deshalb auch gleich alles gestanden. Doch er wisse nicht, wie es dazu kommen konnte: „Vielleicht habe ich Trost gesucht, vielleicht war ich depressiv.” Der Missbrauch jedenfalls begann wenige Monate nach dem plötzlichen Tod seiner Ehefrau. Für den Psychiater Dieter Oswald war deshalb wahrscheinlich: „Wenn die Frau noch gelebt hätte, wäre es nicht passiert.”

Der Rentner habe sich einsam gefühlt und verlassen. So sei das Mädchen, „das ihm liebevoll zugetan war”, nach einem halben Jahr „zu einer Ersatz-Ehefrau” geworden, glaubt der Gutachter. Dabei, so habe der Angeklagte ihm versichert, hätten Kinder in seinen Sexfantasien nie eine Rolle gespielt. Als allgemein gefährlicher Sextäter sei er daher wohl kaum zu beurteilen.

Dass der Tod der Partnerin dem Opa zugesetzt hatte, spürte auch die Enkelin. Eine Anzeige gegen ihn wollte sie daher jahrelang nicht stellen. Er sollte nicht auch noch den Rest der Familie verlieren, sagte sie, hatte tatsächlich Mitleid. Erst vor einem Jahr, mit 17, ging sie zur Polizei. Weil ihr Freund sie darum gebeten hatte – denn sie litt noch immer. Was auch vor Gericht zu spüren war: Die Auszubildende sprach kaum, antwortete nur mit vorsichtigem Nicken, berichtete von einer Therapie.

Ihr Leiden, ihre gravierenden psychischen Folgen, waren ausschlaggebend für das Urteil. Nach all den Erwägungen, dem Mitgefühl für den Angeklagten, sei nämlich genau dies das Entscheidende, sagte der Vorsitzende Richter, Gerald Sacher: „Wir haben viel gehört über eine Tragödie, über die Auswirkungen auf die Familie – letztlich aber müssen wir darüber sprechen, welche Folgen es für die Enkelin hat.”

Deike Frey

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Kommentare
14.05.2009
17:40
Tiefe Wunden in der Seele
von Alex ABC | #3

Der bericht ist doch wirklich jämmerlich, es darf doch nicht war sein das selbst die Medien einen so selten widerlichen Perversling schützen. Also wir fassen solche widerlinge ja schon lange, in der BRD, mit Samthandschuhen an, aber sich jetzt auch noch vor so jemanden zu stellen ist wirklich das allerletzte!

21.04.2009
08:31
Tiefe Wunden in der Seele
von Schockierter | #2

neonazis halten kundgebung vor haus des verurteilten rentners ab. unglaublich! die nazis haben laut einer mitteilung auf der internetsite der nazigruppe aktionsgruppe ruhr mitte mit 30 leuten eine kundgebung vor dem wohnhaus des rentners abgehalten, um pogromstimmung gegen ihn zu machen. glücklicherweise scheinen nicht alle leute darauf angesprungen zu sein.

19.04.2009
08:14
Tiefe Wunden in der Seele
von Hänschen Klein | #1

Ich habe selten einen so widerlichen Bericht gelesen. Mein Gott, der arme alte Mann, dieser unglückliche Rabe. Vergeht (!) sich versehentlich an seiner 9jährigen (!) Enkelin (!) und ist nun traurig darüber, daß sich die herzlose Familie von ihm abgewendet hat und er einsam und allein durch sein Leben gehen muß. Eines sollte sich auch die Autorin hinter die Ohren schreiben: Kinderschänder verdienen keine Gnade!

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