Strom aus Mais und Gülle
22.01.2010 | 17:56 Uhr 2010-01-22T17:56:00+0100
Marl/Dorsten. Baustart für eine der größten Biogas-Anlagen in Deutschland im Interkommunalen Industriepark Dorsten-Marl
Das Projekt gibt es fast so lange wie den Interkommunalen Industriepark Dorsten-Marl: Am Freitag gab's dort den Baustart für eine der größten Biogasanlagen des Landes. Investor ist die EnD-I AG aus Halle (Saale), sie wird die Anlage über ihre 100-Prozent-Tochter, die Bioenergie Dorsten GmbH betreiben. Rund 23 Millionen Euro investiert das Unternehmen nach eigenen Angaben. Finanziert wird das Projekt von der NRW-Bank und der Sparkasse Köln-Bonn.
Ab dem Frühjahr 2011 sollen aus einer Mischung von Mais-Silage, Gülle, Hühnermist und Getreide in acht Fermentern mit einem Fassungsvermögen von jeweils 3000 Kubikmetern pro Tag rund 61 500 Norm-Kubikmeter Roh-Biogas produziert werden. Nach der Aufbereitung in einer nachgeschalteten Gaswäsche bleiben 32 000 Norm-Kubikmeter Biomethan übrig. Das Gas wird über einen Zugang in der Nachbarschaft des 33 Hektar großen Geländes im Indu-Park ins RWE-Gasnetz eingespeist. Verstromt wird das Gas in Heizkraftwerken, die EnD-I etwa in Bochum und Castrop-Rauxel betreibt.
Beteiligt ist EnD-I auch an der Agroservice GmbH des Lembeckers Hubert Loick, der für die Logistik der Einsatzstoffe verantwortlich ist. Über die Lieferung von 75 000 Tonnen Maissilage seien Verträge mit landwirtschaftlichen Lieferanten geschlossen, so EnD-I-Prokurist Frank Müller. Pro Tag müssen etwa 315 Tonnen Frischmasse mit einem Dutzend Lkw herangeschafft werden, die Biomasse bleibt 50 bis 60 Tage in den Fermentern, die Reststoffe werden anschließend wieder in der Landwirtschaft ausgebracht oder zu Dünger weiter verarbeitet.
„Das ist der Weg der Zukunft in der Biogas-Erzeugung”, glaubt Dr.-Ing. Dieter Jürgen Korz von Ros Roca. Der spanische Anlagenbauer übernimmt nun die Regie auf der Baustelle. Zum Baustart kam am Freitag auch Ramon Roca, Präsident der katalanischen Unternehmensgruppe, nach Dorsten.
Für den Bau der Fermenter und die Lieferung der Steuerungstechnik setze er auf Unternehmen in der Region, kündigt Korz an. Der Zeitplan – Anfang 2011 soll der Testbetrieb starten, sei zu schaffen. Die Prozesstechnik habe Roca im Griff, versichert der Ingenieur: „Wir haben etwa in Belgien schon Anlagen mit wesentlich größeren Fermentern gebaut.”
Der Erleichterung über den Projektstart schloss sich Dorstens Bürgermeister Lambert Lütkenhorst an: „Biomasse ist eventuell eine Antwort für den Strukturwandel unserer Energie-Region.” Eine Aufgabe sei es, „den Menschen diese Energieform näher zu bringen”, sagte Lütkenhorst.
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