Das aktuelle Wetter Unser Vest 6°C
Ruhrfestspiele: Eine Ära endet

Strehlau, der Möglichmacher, geht

30.09.2012 | 09:45 Uhr
Funktionen
Strehlau, der Möglichmacher, geht
Kollegenabschied: der küsnstlerische Leiter Frank Hoffmann (l.) und der scheidende Verwaltungsdirektor Reinhard Strehlau.Foto: Rainer Raffalski

Recklinghausen. Er hat das Gesicht der Ruhrfestspiele mitgeprägt, ohne auf der Bühne zu stehen oder ohne denen, die dort stehen, Anweisungen zu geben. Reinhard Strehlau ist kein Schauspieler, er ist kein Regisseur. Und einen der populären, der medienträchtigen Jobs hat er bei einem der renommiertesten Kulturfeste der Republik nicht gehabt. Im Gegenteil. Der gebürtige Norddeutsche mit viel Ruhrgebietserfahrung, hat es mit einer trockenen Materie zu tun. „Für ihn gibt es nichts Schöneres als Zahlen“, sagt Recklinghausens Bürgermeister Wolfgang Pantförder in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender der Ruhrfestspiele. Ohne Strehlau als „Möglichmacher“ (Pantförder) mit ökonomischen Sachverstand und mit der Liebe zur Kunst wäre das Fest auf dem Hügel tatsächlich heute nicht das, was es ist: ein Erfolgsmodell.

Als der heute 63-jährige Hobbysegler und -angler, den viele Gäste aus Kunst, Politik und Wirtschaft am Freitag verabschiedeten, 1989 in Recklinghausen mit dem Ruf des fähigen Sanierers anfing, sah das ganz anders aus. Es gab „erhebliche finanzielle Probleme“, erinnert sich Aufsichtsrats-Vize Claus Matecki mit Festspiel-Mitträger DGB. Und es gab danach Zäsuren, Hürden und Hindernisse: die Auflösung des eigenen Ensembles 1994 – „ein Befreiungsschlag für die Festspiele“, so Matecki –, den Umbau des Festspielhauses 1997/98 mit dem Umzug in verschiedene Spielstätten, die drohende Vereinnahmung unter dem Dach der Ruhrtriennale oder die unheilvolle Intendanz von Frank Castorf (2004) mit einem Defizit von einer dreiviertel Millionen Euro.

Heute kommen jährlich 80 000 Zuschauer zum Hügel, die Ruhrfestspiele sind in einer gesunden finanzielle Lage, wie Festspielleiter Frank Hoffmann betonte; auf dem Hügel wird erfolgreich Kunst betrieben – und vor allem möglich gemacht. Der vielgelobte Reinhard Strehlau gab sich hocherfreut („noch schöner hätte es kaum sein können“), klärte auf, was es mit dem von Frank Hoffmann zitierten Tucholsky-Gedicht vom frommen Angler auf sich hat und versicherte: „Was die neue Truppe betrifft, bin ich völlig unbesorgt.“ Wie auch nicht, er hat sie mitgeprägt.

Andreas Rorowski

Kommentare
Lesen Sie auch
Aus dem Ressort
In Dorsten soll ein Schulbusfahrer Kinder geschlagen haben
Übergriff
Jungen stürmen in den Schulbus, einer kommt zu Fall. Hat ein Dorstener Busfahrer in dem Moment überreagiert und zugeschlagen? Die Polizei ermittelt.
Das ZDF schenkt Hape Kerkeling einen Film
Kerkeling
Vor seinem Fünfzigsten meldete sich Hape Kerkeling über einem Buch über seine Kindheit im Revier zurück. Ebenfalls vor seinem runden Geburtstag am 9....
Frau vor Polizisten erschossen - Verfahren eingestellt
Prozess.
Eine 47 Jahre alte Frau aus Recklinghausen starb im März 2013 im Beisein von zwei Polizisten, die sie beschützen sollten. Nun mussten sich die beiden...
Erdbeben der Stärke 3,4 erschüttert nördliches Ruhrgebiet
Erdbeben
Ein Erdbeben der Stärke 3,4 hat nach Angaben des Deutschen Geoforschungszentrums am Mittag das nördliche Ruhrgebiet erschüttert. Auf Twitter berichten...
Vermisster Mann aus Waltrop wieder da
Vermisstenmeldung
Der 21-jährige Mann aus Waltrop, der seit Montag vermisst wurde, ist wieder da. Polizeibeamte konnten ihn am Bahnhof in Göttingen in Obhut nehmen und...
Fotos und Videos
Das neue "Palais Vest"
Bildgalerie
Einzelhandel
Haltern aus der Luft
Bildgalerie
von oben
Sprengung des Förderturms Herten
Bildgalerie
Sprengung
Die Wildpferde sind los
Video
Naturspektakel