Sterntaler gegen Kinderarmut
15.11.2009 | 17:06 Uhr 2009-11-15T17:06:00+0100Recklinghausen. Auf dem Rathausplatz duftet es himmlisch nach Glühwein und frisch gebackenen Waffeln. Es gibt einen Stand mit einge-machter Marmelade und Kinder basteln hellgelbe Sterne aus Pappe. Nein, die Adventszeit wurde noch nicht eingeläuetet.
Das, was die etwa 400 Menschen auf dem Rathausplatz zusammengeführt hat, ist ein ernstes Thema. Sie wollen in der Dämmerung ein Zeichen setzen für diejenigen in unserer Gesellschaft, denen es aufgrund von fehlenden finanziellen Mitteln schlecht geht, die benachteiligt sind. Mit der Aktion „Eine Million Sterne” sammelt der Caritasverband Spenden für den im August diesen Jahres eingerichteten Sterntaler-Soforthilfefonds für Kinder und Jugendliche in Notlagen. Die Caritas und die katholischen Kirchengemeinden in Recklinghausen, die das Projekt unterstützen, wollen darauf aufmerksam machen, dass es auch in Recklinghausen Not und Armut gibt. Hier leben rund 5000 junge Menschen in Haushalten, die von Sozialleistungen leben. Eine erschreckend hohe Zahl.
„Es gibt tatsächlich Jugendliche, die noch nie im Kino waren”, sagt Ingrid Schulz-von der Wülbecke von der Gemeindecaritas bestürzt. Sie ist selbst Mutter und musste für den Taschenrechner, den ihre Tochter für die Schule braucht, 90 Euro bezahlen. Wie das eine Familie, die auf Hartz IV angewiesen ist, aufbringen soll: unbegreiflich.
Zahlen Sie mit dem Stichwort „Sterntaler” den gewünschten Betrag auf das Spendenkonto 90214776 ein. Bankleitzahl ist die 426 50 150, Sparkasse Vest RE. Für eine Quittung, die Adresse im Verwendungszweck angeben. Weitere Infos auf www.caritas-recklinghausen.de
Erscheint ein Kind nicht zum ersten Schultag, liegt das nicht immer an der Nachlässigkeit der Eltern. Oft ist kein Geld für die Schultüte übrig. Um genau diese Mängel kümmert sich der Sterntalerfonds.
Eltern von Kindern und Jugendlichen bis 25 Jahren können bei einem Caritasmitarbeiter bis zu 100 Euro beantragen. Schnell und unbürokratisch. „Unsere Mitarbeiter kontrollieren, ob das Geld angekommen ist. Spender können sich sicher sein: Ihre Hilfe ist gut aufgehoben”, garantiert Silvana Gemma, die für das Projekt „Eine Million Sterne” verantwortlich ist.
Kindern eine Chance geben und Perspektiven für Jugendliche schaffen – das liegt der Caritas am Herzen. „Aber auch jeder Einzelne als Teil unserer Gesellschaft trägt Verantwortung”, gibt Ludger Twachtmann, Vorsitzender des Verbandes, zu bedenken. Der Meinung ist auch Familie Hannen. „Es gibt so viele hilfsbedürftige Kinder in Deutschland. Aktionen wie diese unterstützen wir gern.” Als Lehrerin spricht die Mutter aus Erfahrung, denn in der Schule wird sie täglich mit Kinderarmut konfrontiert.
„Dauerhaft die Lücken des sozialen Netzes füllen, das können wir gar nicht”, bedauert Twachtmann. Langfristiges Ziel ist die Gründung einer Stiftung, um Unterstützung zu gewähren. Bevor die nötigen 50 000 Euro aufgebracht sind, geht es darum, Menschen für Missstände zu sensibilisieren. Gesten wie die Finanzierung einer Klassenfahrt oder eines Schulheftes, können Kindern helfen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Höhepunkt der Veranstaltung am Samstag waren neben den kleinen tänzerischen und musikalischen Darbietungen von Kindergruppen die vielen Kerzen, die den Rathausplatz in ein Lichtermeer tauchten. Über 600 Lichter, die von Kindern, Eltern und Freiwilligen angezündet wurden. Als Signal für Solidarität und eine bessere Welt.
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