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Staub und Lärm hat kein Bürger gern

23.04.2009 | 17:49 Uhr

Dicke Luft in Recklinghausen-Süd. Nun auch Proteste in Nord

Recklinghausen. In Hannover haben zwei Innenstadt-Bewohner per Klage Zweifel daran angemeldet, dass Umweltzonen die Luftqualität wirksam verbessern können. Auch in Recklinghausen mehren sich Zweifel daran, dass solche Sperrgebiete für ältere Fahrzeuge wirksam sind. Die Messstation an der Bochumer Straße in Süd steht jedenfalls bereits wieder bei 17 Tagen mit Überschreitung des Feinstaub-Grenzwertes von 50 Mikrogramm. Vor zwei Wochen war diese Zahl von über 20 auf 14 nach unten korrigiert worden, weil sich das vom Landesamt für Umwelt (Lanuv) eingesetzte Messgerät als fehlerhaft erwiesen hatte – die WAZ berichtete.

KOMMENTAR
Wir sind das Problem

Die Recklinghäuser Südstadt und das gehobene Wohnviertel am Ruhrfestspielhaus im Nordwesten haben wenig gemeinsam.

Aber eines eben doch: Die Bürger haben unter Lärm- und Schadstoffbelastungen durch den Straßenverkehr zu leiden. An der Bochumer Straße sind sie offenkundig, am Newtonweg vielleicht erst auf den zweiten Blick erkennbar – vorhanden aber eben doch.

Die in Süd im Oktober ausgerufene Umweltzone war bislang kaum in der Lage, das Problem zu lindern, der von den Anwohnern im Norden geforderte Schutzwall wäre wohl auch nicht viel mehr als Kosmetik.

Nein, der Dreck und der Krach auf den Straßen, das sind letztlich wir alle mit unserem Verhalten als Autofahrer. So lange sich das nicht ändert, so lange wir nicht sauberere Autos langsamer fahren, bleibt das Problem ungelöst.

Die nun registrierten Werte sind nach Angaben des Lanuv als zuverlässig anzusehen. Und sie sprechen dafür, dass die Ausrufung der Umweltzone allein das Problem nicht lösen kann: Nach nicht einmal einem Drittel des Jahres ist bereits die Hälfte der zulässigen Überschreitungstage erreicht, denn als erträglich gelten maximal 35. Für den Recklinghäuser Ratsherrn Jürgen Paul (NRW) ein erneuter Beleg dafür, dass die Stadt weitere Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung ergreifen muss: „Die Bürger haben einen Rechtsanspruch darauf, dass etwas getan wird. Die Recklinghäuser müssen darauf schon viel zu lange warten”, sagte er zur WAZ.

Dicke Luft herrscht indes nicht nur im Recklinghäuser Süden, auch am grünen Stadtrand im Nordwesten protestieren seit längerem Bürger gegen Schadstoff- und Lärmbelastungen durch den Straßenverkehr. Anwohner des Newtonwegs haben sich per Unterschriftenliste für ein Bündel von Maßnahmen stark gemacht: Tempo 50 auf der Zeppelinstraße, Tempo 100 auf der L 511n (Autobahnzubringer), Lärmschutzwall zwischen L 511 n, Dorstener Straße und Zeppelinstraße.

In einem Brief an Bürgermeister Wolfgang Pantförder (CDU) kritisiert Michael Holtmann im Namen der Anwohner, dass die Stadtverwaltung zwar bereits im November 2007 Zusagen gegeben habe, bis heute aber nichts geschehen sei, um die Bürger wirksam zu schützen. Die Dringlichkeit untermauert Holtmann mit einer Zahl: „Bei Messungen haben wir am Newtonweg Lärm-Spitzenwerte von 90 dB gemessen” – erlaubt sind maximal 55 dB (nachts) bzw. 65 dB (tagsüber), ab 70 dB schreibt die EU Lärmaktionspläne vor.

Zumindest eine Teillösung schien zwischenzeitlich möglich: Als Ersatz für die marode Brücke zum Hochlartal sollte auf dem Westring eine Querungshilfe installiert und die Geschwindigkeit reduziert werden – möglichst auch auf der Zeppelinstraße. Doch damit ist wohl der zuständige Landesbetrieb Straßen NRW nicht einverstanden.

Ernst zur Nieden

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