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Neu-Imkerschulung

Spaß bis Oktober

12.03.2009 | 16:47 Uhr
Spaß bis Oktober

Vest. Christopher Ciller ist der jüngste Teilnehmer bei der Neu-Imkerschulung des Imkerkreises Recklinghausen. Der 13-Jährige erwartet „lustige” Monate. Die praktische Arbeit mit den Bienen steht für die Kursteilnehmer im Vordergrund.

Die Beweggründe, sich an der Imkerei zu versuchen, können unterschiedlicher nicht sein: Der eine Teilnehmer stand schon vor vielen Jahren als Jugendlicher viel länger als seine Freunde vor dem Lehrbienenstand im Essener Grugapark und wollte sich dann mal Hummeln anschaffen. Andere wollen erstmal ein wenig reinschnuppern oder haben ein Bienenvolk im Garten entdeckt oder essen ziemlich gerne Honig. Schon in der Schule interessierte sich Christopher Ciller für die Bienenzucht. Grund genug, sich für den Schnupperkurs für Neu-Imker des Imkerkreises Recklinghausen anzumelden. Genau solche Typen wie den 13-Jährigen wollen die Bienenzüchter im Vest mit ihrer Aktion „Neue Imker braucht die Stadt” erreichen, nämlich Nachwuchs. Denn das Durchschnittsalter der deutschen Imker liegt bei 61 Jahren.

Christoph Ciller ist der jüngste Teilnehmer

Kathrin Wehling kontrolliert ihre Bienenbeute.

Dazu zählen natürlich die anderen gut ein Dutzend Teilnehmer auch, doch Christopher Ciller ist mit Abstand der jüngste in der Runde, ausgestattet mit Block und Stift. „Das kann ganz lustig werden”, erwartet der Schüler viel Spaß und Abwechslung – und zwar bis Oktober. So lange dauert der erste Einstiegskurs in die Imkerei. Dabei werden die Kursleiter Kathrin Wehling, Gustav Robering und Arnold Berghaus viele Fragen beantworten müssen und nicht nur die von Christopher, der sich bei der ersten Informationsveranstaltung fleißig Notizen macht: „Wo fliegt die Königin denn hin, wenn sie den Schwarm verlässt?”, oder „Was sind Bienenbeuten?”

Beuten, also quasi die Wohnungen der Insekten, werden die künftigen Honigmacher allerdings nicht zusammenzimmern. Dann nageln und drahten sie schon eher die Wabenrähmchen für die Beuten und löten die Mittelwände ein. Denn die Praxis, die handwerkliche sowie die Arbeit mit den Bienen, steht im Vordergrund des Kurses. „Wir legen großen Wert auf das praktische Tun. Wir wollen, dass die Praxis sitzt. Bei uns muss jeder Hand anlegen”, erklärt Gustav Robering, Vorsitzender des Recklinghäuser Imkervereins und der Kreisimker-Vereinigung. „Auch wir erfahrene Hobby-Imker machen noch Fehler.” Kathrin Wehling, Vorsitzende des Imkervereins Marl Sickingmühle, fügt an: „Nur wer selbst anpackt und direkt an und mit den Bienen arbeitet, hat auch Fragen.”

Vom Auswintern bis zum Kerzen gießen

Mit solch einer handbetriebenen Honigschleuder demonstriert Kathrin Wehling den Neu-Imkern und auch Kindern im Sommer, wie Honig früher per Hand geschleudert wurde. Fotos: WAZ, Jürgen Hein, Nikos Kimerlis.

Für die Neu-Imkerschulung braucht Christopher Ciller mehr als nur die neun Tage Zeit, an denen die Kursleitung bis Oktober die Übungen terminiert hat. Von der Auswinterung der Bienenvölker im Frühjahr, über die Honigernte und -verarbeitung, die Bienengesundheit, der Beuten- und Rähmchendesinfizierung bis schlussendlich zum Wachs ausschmelzen und Kerzen gießen sollen die Teilnehmer einen ersten Einblick in ihr neues Hobby erhalten. „Der Kurs orientiert sich an dem Jahresablauf der Bienen”, erklärt Kathrin Wehling. „Die Tiere leben nach dem Klima. Feste Zeitschienen gibt es im Imkerleben nicht”, ergänzt Gustav Robering.

Christopher Ciller hat sich nach dem ersten Abend entschieden. Er will weiter machen. Dafür muss er sich Kittel und Handschuhe besorgen. „Das muss ich noch mit meinen Eltern besprechen. Aber sie kaufen mir sicher dieses Material”, sagt Christopher.

98 Prozent sind Freizeitimker

Bis Christopher Ciller und die anderen Kursteilnehmer ihren ersten eigenen Honig aufs Brot schmieren können, wird es noch mehr als ein Jahr dauern. Frühestens im nächsten Jahr könnten sie ihr eigenes Bienenvolk pflegen. „Nach diesem Kurs ist man noch kein Imker. Deshalb empfehlen wir, sich weiterzubilden”, rät Kathrin Wehling.

„Die Imkerei erfordert großes und breites Fachwissen”, sagt Petra Friedrich, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Imkerbund (DIB). Eine Ausbildung samt einer Abschlussprüfung gibt es für Freizeitimker nicht. „Normalerweise kann jeder Imker werden”, so Friedrich.

Allerdings müssen die Bienenzüchter einen Honigkurs abgeschlossen haben, wenn sie ihren Honig mit dem DIB-eigenen Warenzeichen verkaufen wollen. Zudem bietet der DIB Zertifikate zum geprüften Freizeitimker an. „Das soll ein freiwilliger Anreiz sein, sich weiterzubilden. Es ist keine Pflicht”, erläutert Friedrich.

In 19 Landesverbänden des DIB sind zirka 80 000 Bienenzüchter organisiert. 98 Prozent davon sind Freizeitimker. Zwei Prozent sind Tierwirt mit der Fachrichtung Bienenhaltung – der offiziellen Bezeichnung des Berufsimkers.

Rulof Albert

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