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Landwirtschaft

Sorge um das Ackerland

28.12.2011 | 17:47 Uhr
Sorge um das Ackerland
Georg Schulte-Althoff. Foto: Gerhard Schypulla WAZ FotoPool

Vest/Haltern am See.Die Umsetzung der (nicht immer nachvollziehbaren) EU-Beschlüsse, die (unberechtigte) Kritik an der Qualität der landwirtschaftlich erzeugten Produkte, eine gute Ausbildung des landwirtschaftlichen Nachwuchses – es sind viele Themen, die auf der Agenda von Georg Schulte-Althoff (53) stehen, doch wenn der Kreislandwirt eine Botschaft hat, dann diese: „Wir müssen die Interessen der Landwirtschaft schützen und auch die Kulturlandschaft erhalten. Wir verlieren täglich Landschaft, weil sie nicht geschützt wird.“

Die Kulturlandschaft ist heute das am stärksten nachgefragte Produkt des Landvolks. Straßenbau und Leitungstrassen, Wohn- und Gewerbegebiete kosten Nordrhein-Westfalen täglich elf, bundesweit 100 Hektar Land. Doch ohne die Landschaft kann die Landwirtschaft nicht überleben. „Wir erlauben uns, beste Flächen zu versiegeln“, sagt der Kreislandwirt und verweist auf das Beispiel des geplanten Gewerbeparks „Newpark“ in Waltrop.

Zudem sollen die Landwirte Flächen für Ausgleichsmaßnahmen und den Naturschutz hergeben. „Wir können nicht eine weltweit wachsende Bevölkerung ernähren, wenn die Fläche immer kleiner wird.“ Darum sieht Schulte-Althoff den Erhalt und die Pflege der Kulturlandschaft als eine Herausforderung als Kreislandwirt an.

Im Oktober wählten die 1203 Mitglieder des landwirtschaftlichen Kreisverbandes sowie der kreisfreien Städten Bottrop und Gelsenkirchen den neuen Kreislandwirt – in geheimer Wahl und per Brief. Fünf Kandidaten standen zur Wahl. Im Vorfeld hat sich der Halterner gefragt, ob er der Aufgabe gewachsen ist? „Man hat ja nicht nur das Amt (was ein Ehrenamt ist und über sechs Jahre geht), sondern will auch was bewirken. Und der Betrieb ist ja auch noch da.“

Der Betrieb – das sind 100 Milchkühe, die im Stall in Haltern-Flaesheim stehen. Wenn man sie jeden Morgen und jeden Abend melken muss, macht das in dem Familienbetrieb eine Menge Arbeit. Dazu kommt noch die eigene Nachzucht mit kleinen Kälbern. Fast alles, was Schulte-Althoff an seine Milchkühe verfüttert, baut er selbst an. Biobauer ist Georg Schulte-Althoff deswegen nicht, aber er hat „gelernt, mit Tieren und Boden gewissenhaft und in Würde umzugehen“. (Seine Kühe danken es ihm bei der Milchproduktion.)

Neben der Produktion von Lebensmitteln mit den „höchsten Qualitätsstandards weltweit“ leisten die Landwirte im Kreis Recklinghausen auch einen Beitrag zur Energiewende. „Die Windkraft ist eine akzeptierte alternative Energie“, sagt Schulte-Althoff, der eine Photovoltaik-Anlage auf dem Stalldach betreibt. Er wehrt sich allerdings dagegen, bei den Ausgleichsmaßnahmen „wertvolles Ackerland zu verbrauchen“. So würde eine einzige Windkraftanlage mit einer Nabenhöhe von 150 Metern nach dem Naturschutzgesetz Renaturierungsmaßnahmen auf einer Fläche von bis zu vier Hektar erfordern.

Die Erzeugung von Energie aus Biomasse ist für ihn, den Milchviehhalter, „ein Problem“. Schulte-Althoff differenziert aber zwischen gewerblichen Anlagen (wie in Dorsten) und bäuerlichen (wie z. B. in Waltrop, Castrop-Rauxel, Kirchhellen, Recklinghausen). „In viehstarken Regionen wie Dorsten, Lembeck, Kirchhellen und zum Teil auch Haltern bedeuteten gewerbliche Anlagen Konkurrenz für die bäuerlichen Betriebe, weil der Mais, der in die Biogasanlage wandert, auch Futter ist.“

Irene Stock

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