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Seine Betten bleiben leer

18.07.2012 | 20:00 Uhr
Seine Betten bleiben leer
Hotelier Wolfgang Simon ist verärgert. Foto: Joachim Kleine-Büning/WAZ FotoPool

Recklinghausen. Der Raupenfahrer gibt Gas, der Motor röhrt auf. Steine und Beton werden geräuschvoll beiseite geschoben. Ein Bagger wuchtet nicht weniger laut seine mächtige Schaufel in das Geröll. Es staubt auf, als er den Schutt auf den Lkw lädt. So geht es voran auf der Arcaden-Baustelle inmitten der Innenstadt. Hemdsärmlig verfolgt Wolfgang Simon, Geschäftsführer des Barbarossa-City-Hotels, die Szenerie von einem Balkon seines 108-Bettenhauses. Er ist ist sauer und wirkt entschlossen, etwas zu unternehmen.

Baulärm und Staub haben viele seiner Stammgäste vertrieben. Seit dem Beginn des Löhrhof-Center-Abrisses im März sind mit jedem Meter, den die Gebäude abgetragen wurden, auch seine Belegungszahlen in den Keller gegangen. „Bei dem Lärm kann ich den Leuten das noch nicht einmal verübeln“, sagt Simon, der Vorwürfe gegen das Unternehmen Mfi erhebt, das den neuen, rund 200 Millionen Euro teuren Einkaufskomplex Arcaden an die Stelle des alten Löhrhof-Centers baut und diesen ab März 2014 auch betreiben will.

„Ich solle mir keine Sorgen machen. Das Hotel werde bis unters Dach mit Bauarbeitern belegt sein, hieß es seinerzeit“, so Simon. Und macht seinem Ärger Luft: „Ganze vier Bauarbeiter übernachteten hier und die reisen morgen wieder ab.“ Mittlerweile berät sich Simon mit einem Rechtsanwalt. Geld für zusätzliche Fensterputzer soll Mfi etwa in Rechnung gestellt werden.

„Vor dem Baubeginn war das Hotel zu 55 Prozent ausgelastet“, sagt er. Heute sei es dies gerade einmal zu 30 Prozent. Tendenz fallend. Das große Geschäft mit den Ruhrfestspielen sei ihm völlig durch die Lappen gegangen. Schauspieler, die sonst bei ihm übernachteten, hätten erst gar nicht gebucht oder storniert. Simon: „Die stehen abends lange auf der Bühne und schlafen länger. Aber bei dem Baulärm in der Früh funktioniert das nicht.“ Auch die Parkplatzsituation sei nicht geschäftsfördernd. „Wir haben durch die Baustelle keine Parkplätze mehr hier.“ Die Leute müssten weit weg parken. „Wenn sie das einem Kunden beizubringen versuchen, dann dreht der sich um und haut gleich wieder ab.“

Simon war klar, dass er durch die Riesenbaustelle Beeinträchtigungen hinnehmen muss. Dass sie aber derartig gravierend sind, damit ist er nicht einverstanden. Vor dreieinhalb Jahren hat er das Haus übernommen und investiert. Seitdem sei es bergauf gegangen. Nicht nur das Hotel mit seinen acht Mitarbeitern, sondern auch das Restaurant habe floriert. Die Früchte dieser Arbeit sieht er nun in Gefahr. „Wenn das wenigstens mit den Bauarbeitern hinhaut, dann wäre uns schon sehr geholfen“, sagt er.

Auf Seiten der Mfi sieht man die Absprachen eingehalten. Projektmanager Francisco Morillo: „Wir haben gesagt, dass wir die Kontakte zwischen Baufirmen und Hotel herstellen. Das haben wir getan. Was am Ende als Ergebnis herausgekommen ist, dies entzieht sich unserer Kenntnis und ist letztendlich auch nicht unsere Sache.“ In Kürze würden die Rohbauarbeiten beginnen. Die ausführende Firma hat bereits ihr Bauleitplanungsbüro eingerichtet. Auch diesem Unternehmen, so Morillo, sei das Hotel empfohlen worden.

Grundsätzlich sei die Mfi gegenüber Nachbarn wie Wolfgang Simon nach wie vor gesprächsbereit.

Dieter Decker



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