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Schwungvoller Start

09.03.2008 | 22:48 Uhr

Geglückter Auftakt für die Palmkirmes: Mehr als 300 000 Besucher schlendern über den größten Jahrmarkt im Vest. Die WAZ begleitete Familie Leder beim Rummel-Rundgang

611 Palmkirmes in Recklinghausen Lena und Hannes freuen sich über die Zuckerwatte. Foto- WAZ: Reiner Kruse

Recklinghausen. Samstag, Sonne, der Rummel ruft: Vor allem Familien nutzen den ersten Wochenendtag auf der Palmkirmes. Für Familie Leder aus Oer-Erkenschwick ist es eine Premiere: Sohn Luca, gerade ein Jahr alt geworden, ist das erste Mal dabei. Doch von Premierenfieber ist beim kleinen Mann wenig zu spüren: Gelassen lässt er sich im Kinderwagen über die Kirmes rollen: "Ihn fasziniert wohl mehr das gut duftende Essen als das Karussell", glaubt Mutter Verena Leder (29). Ganz anders: Bruder Jona, drei Jahre alt und an diesem Samstag ein wenig reizüberflutet. Zielsicher steuert er gleich das erste Karussell an, die Familien-Karawane stoppt: Jona entert den rollenden Fisch, nicht gerade seine erste Wahl, aber Feuerwehr- und Polizeiauto hatten leider schon einen Fahrer.

Der Nachwuchs grinst, ein geglückter Start, der Jona plötzlich ganz mutig werden lässt: "Kann ich gleich in die Geisterbahn, Mama?", fragt der Dreijährige plötzlich. Die Mutter schluckt: "Schauen wir mal", antwortet sie und schiebt weiter, vorbei am Breakdancer, den man nach einem ausgefüllten Mittagessen nicht betreten sollte.

Gemütlich eng wird es in der Budengasse: Kinderwagen stauen sich, dazwischen wuseln Kinder mit riesigen Büscheln von Zuckerwatte vor dem Gesicht: "Da muss man ja aufpassen, dass man nicht überfahren wird", sagt ein älterer Kirmesgänger, der soeben einem schlingernden Kinderwagen entkommen war.

Familie Leder hält Kurs auf die Geisterbahn. Vorbei geht's am Autoscooter, wo vor allem Jungs in weiten Hosen hübsch frisierte junge Damen zur Probefahrt einladen.

"So, Jona siehst du schon die Geisterbahn?", fragt Verena Leder. "Boah, guckt der böse", sagt der Kurze mit Blick auf das Monster auf dem Dach der Gruselshow. Das übergroße Etwas, eine Mischung aus Bär und Yeti mit Monsterkrallen, bringt den Dreijährigen ins Grübeln: "Ich glaube, ich will doch nicht", räumt er ein, was die Eltern längst geahnt hatten: "Lieber wieder Karussell fahren", gesteht er.

Und die Eltern? Wie wär's denn mit dem Ritt auf der wilden Maus? "Ich schaue lieber. Von den Geräten wird mir schlecht", gesteht Verena. "Ich würde ja gerne, aber alleine habe ich keine Lust", sagt Ehemann Matthias (33).

So sind die Leders das, was Losbuden-Besitzer Dirk Janssen als "Sehleute" bezeichnet, die nur über die Kirmes schlendern wollen. Sein Job ist es, das vorbeiströmende Volk von seinen Gewinnchancen zu überzeugen: "Jetzt wieder dabei sein, neue Chancen, neues Glück, neue Gewinne", lockt er und verrät, was die Recklinghäuser im Glücksfall am liebsten wählen: "Die Kissen mit dem Playboy-Hasen gehen in diesem Jahr besonders gut", sagt Schausteller Janssen. Warum? Der Mann aus Kleve zuckt mit den Schultern: "Gute Frage, es muss halt immer was Neues sein." Nun also Playboy-Hase statt Herzchen-Kissen.

Nach einem Abstecher zum Ketten-Karussell und einer Tour mit dem Riesenrad hat sich Familie Leder unter der "Reiseleitung" von Jona zum Ausgang vorgearbeitet.

Und was macht Luca, der Premierenbesucher? Nicht ein Ton war zuletzt aus seinem Wagen gedrungen, nicht ohne Grund wie sich herausstellt: Klammheimlich hatte er sich das kleine Kirmesherz geschnappt, das Mama achtlos in den Wagen gelegt hatte - und es in aller Stille angeknabbert.

Am heutigen Montag öffnen die Fahrgeschäfte wieder um 14 Uhr ihre Türen. Bis 23 Uhr geht's dann, wie jeden Tag, rund auf der Kirmes. Am Mittwoch locken die Schaussteller mit 20 Prozent Rabatt an allen Buden und Fahrgeschäften. Am kommenden Donnerstag findet das traditionelle Höhenfeuerwerk auf dem Gelände an der Herner Straße statt. Bis zum letzten Tag am kommenden Sonntag bleibt allen Kirmesfans noch reichlich Zeit für einen Rundgang über das Saatbruchgelände. Infos rund um die Kirmes gibt es auch unter www.palmkirmes.de. FKL

Von Fabian Klask redaktion.vest@waz.de 02361 9370 0


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