Schwimmspaß pur im Südbad
09.08.2010 | 18:56 Uhr 2010-08-09T18:56:00+0200
Recklinghausen. So viel Durchblick hatte Heinz Cordes (53) noch nie. Seit über 30 Jahren arbeitet der Schwimmmeistergehilfe nun schon im Südbad, doch erst seit der Groß-Renovierung kann er vom Hallenbad-Becken aus direkt in den Freibadbereich sehen.
Neue Fenster für den „Glaspalast“ machen es möglich. Die Erneuerung der alten milchig-farbenen und somit fast blickdichten Fenster ist dabei nur eine von mehreren über die Jahre notwendig gewordenen Maßnahmen an und in Recklinghausens einzigem Allwetterbad. Auch das Dach und die Lüftungsanlage des im Juli 1968 eingeweihten Hallenbades wurden soeben saniert, sagt Heinz Bußmann, der städtische Sachgebietsleiter Bäderbetrieb. „Und die Umbauten an den Einzelumkleiden sollen bis zum Ende der Herbstferien abgeschlossen sein.“ Kosten: insgesamt 2,3 Millionen Euro.
Noch indes ist die Modernisierung des Südbades, das im Mai 1976 um den Freibadbereich erweitert wurde, nicht vollendet. Noch sind die Einzelumkleiden mit einer Folie zum Schutz gegen den Baustaub vom „Barfuß“-Gang im Hallenbad abgetrennt. Noch auch schotten Metallzäune die Freiluft-Besucher von zu viel Nähe zur Baustelle ab. Doch die Badegäste, die an diesem Mittag im Südbad ihre Bahnen ziehen, scheint das nicht zu stören, und Heinz Cordes erst Recht nicht.
Der Recklinghäuser wirkt wie die Ruhe selbst. Ein Vorteil in einem Beruf, in dem Schwimmmeister und deren Gehilfen quasi „Mädchen für alles“ sind, wie Cordes betont. Vom Gesprächspartner für die meist älteren Frühschwimmer, die Montag für Montag über den FC Schalke 04 und andere Fußballklubs fachsimpeln. Über den Streitschlichter unter den jugendlichen Badegästen. Bis hin zum Lebensretter von Besuchern, die ihre Kräfte unterschätzen. Oder die ihrer Kinder: „Das ist zum Glück seltener geworden . . “
Apropos: Kinder. Außerhalb der Ferien ist das Hallenbad für sie in den Morgenstunden reserviert. Denn seit 1995 lernen Recklinghausens Grundschüler ausschließlich an der Pappelallee 50, sich über Wasser zu halten. Erst an den Nachmittagen sind das 25-Meter-Schwimmerbecken sowie das 12,5-Meter-Lehrschwimmbecken für alle offen. Heinz Bußmann: „Dieses Modell hat sich bewährt.“
Bewährt, so der Experte, habe es sich auch, den Charakter des Südbades über all’ die Jahre zu erhalten. Mit seinem etwas puristisch anmutenden Charme. Gut, zum 25-jährigen Bestehen des Hallenbades erhielt dieses zwei Massagedüsen-Anlagen. Und im FreibadKomplex, in dessen 50-Meter-Sportbecken schon Ralf Möller seine Bahnen zog, können Kinder nebenan eine Mini-Rutsche hinunter ins kühle Nass gleiten. Zudem gibt’s hier neben dem „Blauen Klassenzimmer“, einer Art Planschbecken mit Sprudelbrunnen, neuerdings auch einen Wasserspielplatz für die Kleinsten.
Doch dem Trend zum Rundumfreizeit- und Erholungsparadies hat das Südbad sich bis heute erfolgreich widersetzt. Das „Familienbad“, wie Heinz Cordes es nennt, hatte im Vorjahr gleichwohl 50 000 Badegäste, im Jahre 2003 kratzte man sogar an der 100 000-Besucher-Marke.
Unter ihnen zahlreiche Dauergäste, „die meisten Besucher hier kennt man“, sagt Heinz Cordes. Die meisten Besucherinnen auch. Ihnen macht das Südbad ein weithin einzigartiges Angebot: Zwei Mal in der Woche können sie im Hallenbad allein unter Frauen schwimmen, seit Ende 2009 ist selbst das Aufsichtspersonal nur weiblich. „Anfangs“, erinnert sich Rettungsschwimmerin Irmtraud Gringmuth (51), „kamen einige der durchschnittlich 70 bis 80 Frauen dennoch total verhüllt.“ – Bis sie merkten: Donnerstagsabends und Sonntagsmittags ist tatsächlich kein Mann zu erblicken im „Glaspalast“. Nirgends.
Fotostrecke: Bäder im Vest
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