Schwein gehabt: das gute Ende einer peinlichen Posse
21.10.2011 | 18:46 Uhr 2011-10-21T18:46:00+0200
Zwar sind die aktuellen Kreisverkehrs-Entwürfe noch das Geheimnis des Technischen Rathauses. Schließlich läuft die Wettbewerbs-Frist noch bis Ende des Monats.
Aber der „Ideenstifter“ dieser über Wochen zunehmend peinlichen Posse in Gestalt des Vestischen Künstlerbundes hatte ja schon vor fünf Jahren die Künstler in seinen Reihen um Entwürfe gebeten: Ein Nachbau des oberbayrischen Geburtshauses von Joseph Ratzinger zählte damals zu den kecksten Modellen. Gewonnen hatte 2006 übrigens James Larsen, der Recklinghäuser aus Australien, mit einem blauen Pop-Caravan im Kreisverkehr.
Vielleicht sollte unser Karikaturist Michael Holtschulte noch schnell sein üppiges Sparschwein zum Wettbewerb einreichen – es hätte politische Relevanz, bringt das schockierend pinke Rüsseltier doch das (Un-) Wesen der nun (vielleicht auch nur vorläufig) beendeten „Kunst im Kreisel“-Debatte ohne Worte auf den Punkt.
Im Ernst: Eine Kulturstadt – und das ist Recklinghausen seinem Selbstverständnis nach – muss zwangsläufig von einer Peinlichkeit in die nächste taumeln, wenn für die Kultur kein Geld mehr da ist. Nein: wenn für die Kultur kein Geld mehr da sein darf – denn die Vorgaben stammen ja nicht aus der Stadt, sondern von der Bezirksregierung. Diplomatisches Ungeschick kam im Falle der fast gescheiterten Kreisverkehrs-Konkurrenz noch dazu, als Kämmerer Christoph Tesche für Blümchen statt Kunst plädierte.
Ebenfalls im Ernst: Mit den nun von der Sparkassen-Stiftung gestifteten 60 000 € lässt sich zwar keine Kunst vom verspielt-monumentalen Gehalt der Backstein-Arkaden am Lohtor finanzieren. Doch das Beispiel Per Kirkeby – erst mit Getöse umstritten, jetzt ein Kleinod als Entree zur Innenstadt – macht auch überdeutlich: Man darf nie zu klein denken. Sonst hätte Recklinghausen auch Henry Moores heute heiß geliebte „Liegende“ nicht.
Ließe sich jetzt noch ein Atelierhaus ohne langwierige Verwicklungen stemmen – die Kreisstadt könnte sich tatsächlich mit Stolz „Kulturstadt“ nennen.
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