Schuldfrage
02.02.2009 | 20:38 Uhr 2009-02-02T20:38:00+0100Über die Situation im Marler Stern diskutierten die Marler Politiker - bis die Bürgermeisterin weg musste
Kann man den 56 Hertie-Mitarbeitern noch helfen? Was muss man tun, um das Einkaufszentrum „Marler Stern” vor dem Absturz zu retten, wenn der Ankermieter Hertie Ende März seine 1600 qm abschließt? Marls Politiker sind aufgebrochen, um ihre Rettungsleinen auszuwerfen. Zunächst einmal ging es gestern darum, ausführlich die Lage zu analysieren.
Nach 130 Minuten stand die Bürgermeisterin auf und erklärte die Ratssitzung für beendet. Denn in 20 Minuten beginne das Informationsgespräch mit Gewerkschaft, Betriebsrat und Vertretern des Marler Sterns. Der Rat könne ja noch weiter diskutieren, aber ohne sie. Die Politiker, noch immer mit den verschiedenen Problem-Ebenen befasst, waren erst aufgebracht, dann nach wenigen Augenblicken verschwunden.
Die Bürgerliste „Wir für Marl” hatte „wirtschaftsfördernde Aktivitäten” gefordert, die CDU ein „Aktionsteam” und die SPD eine „Beschäftigungsinitiative”. Was alles nicht geht, analysierten die Politiker, um sich ausführlich der Frage nach den Schuldigen zu widmen: Der Eigentümer der Hertie-Immobilien oder der Vorgänger von Hertie, ein zu wenig aktiver Center-Manager oder die Stadt als Miteigentümer des „Stern”. Oder die SPD, die damals mal die komplizierten Eigentumsverhältnisse zuließ. Oder die Politiker, die die ungeliebten Erweiterungen nicht verhinderten. Oder die Kunden. Oder die neoliberale Politik der Bundesregierung. Gerade ging die CDU auf die SPD zu und sprach von einem Lenkungsausschuss (wie beim China-Projekt) und Hubert Schulte-Kemper schmetterte energisch „Ja, wir können etwas tun” in den Ratssaal. Da packte die Bürgermeisterin ihre Akten: Sie müsse gehen, die Hertie-Gesprächspartner warten. Empörung im Rat. Sie bot den Abbruch der Sitzung an - und schon ging der Rat auseinander.
Der nichtöffentliche Teil der Sitzung (in dem es um die Aktenverfälschung im Baudezernat gehen sollte) wurde auf nächste Woche vertagt. Der Streit um die Frage, wer denn über die Leitung des Baudezernates entscheiden dürfe (nachdem die Bürgermeisterin den Baudezernenten wegen dessen angeblichen Finanzproblemen bei seiner Einstellung suspendiert hatte) wurde ebenfalls auf die nächste Woche verlegt. Die Bürgermeisterin hatte die Ratsentscheidung mit der Bemerkung vom Tisch gewischt „Ich werde tun, was ich für richtig halte”.
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