Schalker in der Grube . . .
16.01.2012 | 19:25 Uhr 2012-01-16T19:25:00+0100
Marl.Für Paul Heuwer (12) und Phillip Kühne (13) ist dieser Montag ein toller Tag. Aus der Zeitung nämlich haben die zwei erfahren, dass die Fußball-Bundesliga-Profis des FC Schalke 04 an diesem Mittag eine Trainingseinheit der besonderen Art absolvieren: eine Grubenfahrt im Bergwerk Auguste Victoria (AV). Gleich nach Schulschluss haben sich Paul und Phillip deshalb zum Schacht 3/7 aufgemacht, um den „Knappen“ Autogramme abzujagen, doch die lassen auf sich warten . . .
Für 15.30 Uhr ist die Rückkehr der Mannschaft von Schalke-Coach Huub Stevens aus der Tiefe des Raumes – genauer gesagt von Flöz Zollverein 6, genau 1078 Meter unter Tage – terminiert. Doch das Ende der Grubenfahrt verzögert sich. Die Medienvertreter, die hier und heute auf Fotos von rußgeschwärzten Fußballstars und auf erste Eindrücke vom „Kumpel“-Dasein warten, werden allmählich nervös. Paul und Phillip, zu denen sich inzwischen auch noch Raúl-Fan Bjarne Tönnes (9) gesellt hat, halten ihren mitgebrachten Ball und das Schalke-Käppi fest in den Händen. Und zwei Männer der Grubenwehr vertreiben sich die Wartezeit mit einem Kalauer: „Was ist der Unterschied zwischen dem FC Schalke 04 und einem Gesellen? -- Der Geselle kann noch Meister werden . . .“
Zehn vor vier: RAG-Sprecher Christof Beike kündigt das Ende der Grubenfahrt an, Bjarne, Paul, Phillip und all die anderen auf die Schalker „Knappen“ Wartenden eilen schnellen Schrittes Richtung Förderkorb und vorbei an der seit Jahr und Tag im Raum für die Lampenausgabe hängenden Schalke-Bekenntnis-Fahne mit der Aufschrift: „Blau und weiß – ein Leben lang“. Hinter einer Absperrung bringen sich die Fotografen sodann in Position für das beste Bild. „Da kommen sie!“, ruft jemand. Und ein anderer fragt direkt hinterher: „Ist das etwa die Traditionsmannschaft?“
In der Tat könnte man dies denken – jetzt, da die ersten Männer in Bergmannskluft den Förderkorb verlassen. Denn zumindest auf den ersten Blick sind unter all den Grubenfahrt-Begleitern von AV weder Schalke-Mannschaftskapitän Benedikt Höwedes, noch Huub Stevens, noch die internationalen Stürmer-Stars Klaas-Jan Huntelaar und Raúl auf den ersten Blick zu sehen; ja, der Spanier scheint an diesem Montag sogar sofort vom Förderkorb Richtung Kaue und unter die Dusche gesprintet zu sein . . .
Einige seiner Teamkollegen geben dagegen artig Auskunft über ihre Erlebnisse unter Tage. Der Niederländer Klaas-Jan Huntelaar zum Beispiel, der im Gesicht stärker mit Kohlenstaub verschmiert ist als die meisten anderen Bundesliga-Kicker. Warum? Darum:„Das war nur Spaß. Ciprian Marica hat mich unter Tage dreckig gemacht.“ Derweil erklärt der Halterner Benedikt Höwedes, dass es „sehr warm“ war dort unten (zwischen 25 und 30 Grad, sagt einer von der Grubenwehr). „Und sehr spannend zu sehen, wie dort unten gearbeitet wird. Ein Teil von uns ist ja mit dem Zug gefahren, so ein Glück haben nicht alle Bergleute. Dieser Job ist schon sehr anstrengend.“
So sieht dies auch Christoph Metzelder, der findet, die Schalker hätten bei dieser Grubenfahrt viel darüber gelernt, „warum die Menschen im Revier so sind, wie sie sind“. Und er fügt hinzu: „Wir als Fußballprofis haben sicherlich einen privilegierten Beruf. Da kann ein bisschen Demut sicher nicht schaden.“
Sagt’s – und gibt Paul und Phillip und Bjarne das heiß begehrte Autogramm . . .
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