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Ruhrfestspiele

Hamlet rockt

22.05.2009 | 18:33 Uhr

Recklinghausen. Dichter Nebel wabert übers düstere Schloss Helsingör. Möwen kreischen, Wellen rauschen. Zwei Wachen auf den Zinnen halten Ausschau. Hamlet taucht auf. So weit, so Shakespeare.

Doch dann fängt das Dänen-Prinzchen an zu rocken, dass sich die Bühnenbalken im Festspielhaus biegen. Da ist doch was faul im Staate Dänemark!

Und wie. „Elvis lebt. Und Schmidt kann es beweisen” hieß es vor zwei Jahren, als das Stuttgarter Staatstheater bei den Ruhrfestspielen gastierte. Diesmal beweist der prominente Fernseh-Entertainer Harald Schmidt: Auch Hamlet lebt, und zwar als Musical-Knallcharge.

Mit „Der Prinz von Dänemark” schrieb der Late-Night-König eine rasend schnelle Shakespeare-Persiflage voller Rock-, Pop- und Opernhits. Ein herrlich überdrehter Klassiker zum wunderbaren Ablachen, gerne auch auf unterirdischem Klamauk-Niveau. Das Publikum tobte am Ende. Minutenlange stehende Ovationen. Völlig zu Recht.

Seinen Hamlet sollte man allerdings schon kennen, um die fulminanten Finessen dieser Show in allen Feinheiten auskosten zu können. Das alte Shakespeare-Drama bleibt auch bei Schmidt in seinen Grundfesten erhalten. Jeder literarische Ballast allerdings geht über Bord und was Hamlet, König und Ophelia sagen wollen, das singen sie lieber.

Begleitet werden sie live vom zündenden Sound der Band „Fort'n'Brass”. Dieser Musical-Hamlet ist ein jämmerlich zerzauster Waschlappen, ein magerer Hempfling in Gothic-Schwarz und Fledermausärmeln. Herrlich, wie Benjamin Grüter als tumber Prinz den Beatles-Hit „Girl” ins Mikro haucht. Seine angebetete Ophelia (Lilly Marie Tschörtner als piepsig-laszives Girlie) gibt sich mit Madonna „Like a virgin” und der dicke König Claudius robbt mit Elvis' „I'm the great pretender” durchs Parkett.

Harald Schmidt reiht sich mal als Geist des toten Königs, dann als Polonius oder Bote ohne Star-Status ins aufgedrehte Ensemble ein. Im gespenstisch-weißen Totenhemd und mit Zottelbart flattert er als Geist durch die Szene und schmettert Michael Holms „Tränen lügen nicht”. Dänen eh nicht, also flüstert er seinem Sohn Hamlet was ins Ohr über die schäbige Verwandschaft.

Und zwischendurch geht's immer schön raus aus der Rolle. Schmidt zum Hamlet-Darsteller: „Das ist Shakespeare und nicht Ibsen, drum spiel' ihn einfach wie Mel Gibson.” Hier ein Seitenhieb auf Opel, dort einer auf Reich-Ranicki. Am Schluss: Konfetti, Feuerwerk. Unterhaltung vom Feinsten, klug, witzig, spritzig.

Elisabeth Höving

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