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Ruhrfestspiele

Gestatten, ein altes Kind!

21.05.2008 | 13:23 Uhr

Recklinghausen. Der legendäre Theatermagier jettete direkt von Hongkong auf den Grünen Hügel. Ein bisschen müde sei er noch, sagt Jérôme Savary.

Man merkt es ihm nicht an, nicht die Spur. Der 65-jährige französisch-argentinische Regisseur weltberühmter Theater-Revuen macht Faxen und feixt. Ist ein quirliger Spaßmacher, ein gut gelaunter Dampfplauderer, dem die Freude an der Arbeit bei jedem Wort aus den Augen blitzt.

Sein Publikum will er an diesem Spaß teilhaben lassen, wenn er am Donnerstag, 22. Mai (18 Uhr), mit der Produktion „Happy End” Premiere bei den Ruhrfestspielen feiert. „Ich mag es, wenn das Publikum glücklich ist.” Er ist es auf jeden Fall mit der Komödie, deren Text Elisabeth Hauptmann unter dem Pseudonym Dorothy Lane schrieb, deren Songtexte von Bertolt Brecht stammen und deren Musik Kurt Weill komponierte.

Schwarze Jacke, schwarzer Hut („Hab' ich aus New Orleans mitgebracht”), schwarz-weiße Schuhe, greift Savary, der Weitgereiste, zur Diät-Cola und zur dicken Zigarre und lockt: „Fragen Sie ruhig auf Deutsch, ich verstehe das!” Kein Wunder, dieser Mann ist ein Multitalent, spricht fünf Sprachen fließend. Deutsch gehört nicht dazu, doch zahllose Gastspiele an Theatern und Opernhäusern haben sein Ohr geschult.

Savary führt jetzt Regie in der Koproduktion zwischen den Ruhrfestspielen und dem St. Pauli Theater Hamburg mit einem Stück, das sich ironisch mit dem Mythos Amerika auseinandersetzt. Mit dem Erfolg der „Dreigroschenoper” konnte es „Happy End” aber nie aufnehmen.

Der Regisseur weiß, warum: „Als ich das Skript gelesen habe, dachte ich: Der Text ist schlecht, viel zu langweilig.” Und er begann, die Geschichte rund um eine Heilsarmistin (gespielt von Angela Winkler) und einen Gangsterboss (Peter Lohmeyer) kräftig zu kürzen und schrill aufzupeppen.

Und drückte ihr den Savary-Stil auf. Heißt: „Ich bin ein altes, naives Kind und erzähle einfache Geschichten mit vielen Gags.” Ein bisschen Märchen, ein wenig Cartoon, ein Hauch von Marx Brothers. Und weil auch Brecht ein kindlicher Mensch gewesen sei, ist Savary sicher: „Er hätte diese Inszenierung gemocht.”

In den letzten 20 Jahren leitete der Regisseur, der auch als Schauspieler und Autor Erfolge feierte, große Theater in Paris. Mit 65 aber wurde er im letzten Jahr gnadenlos in den Ruhestand verabschiedet.

So hat Savary wieder Zeit für das, was er liebt. Reist als Künstler rund um die Welt so wie einst mit seinem berühmten „Grand Magic Circus”. Nach Hongkong zum Beispiel. Und ulkt: „Ich habe viele Kinder von vielen Frauen, da muss ich Geld verdienen.” Die jüngste Tochter ist sieben. Und der Mann, der einst mit so mancher frivolen Szene Bühnen-Tabus brach, brav: „Ich mache nur noch Theater, das auch Kinder sehen können.”

Aber keine Sorge, dröge wird dieser Savary nicht, denn ein wenig Sexappeal und Perversität stecken auch unter der Uniform der Heilsarmistin.

Elisabeth Höving

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