Für Fringe wird der Flugplatz Loemühle zur Bühne
02.06.2010 | 18:36 Uhr 2010-06-02T18:36:00+0200
Recklinghausen.Die Ruhrfestspiele heben ab. Und das Schöne daran: Jeder kann mitfliegen. Auch wenn es sich um keinen Billigflug handelt, gibt’s dennoch für jeden kostenlose Bordkarten. Eincheck-Terminal ist der Recklinghäuser Busbahnhof.
Von hier aus starten am 10. und 11. Juni die Busse für das Jugendtheaterprojekt „Boarding Europa“ Richtung Flugplatz Loemühle in Marl. Ein außergewöhnliches Angebot im Rahmen des Fringe-Festivals.
Und das wird internationaler denn je. Das Projekt „Boarding Europa – Rede mit mir 2.0“ bringt rund 50 Jugendliche aus drei Ländern und sechs Städten zusammen und lässt sie gemeinsam mit dem Publikum auf eine ungewöhnliche Reise gehen. Seit anderthalb Jahren bereits proben die Laiendarsteller im Alter zwischen 13 und 21 Jahren an unterschiedlichen Orten. Sie kommen aus Recklinghausen, Arnstadt, Erfurt, Frankfurt, Gelsenkirchen und Schwerin.
Und da das Projekt Teil des Kulturhauptstadt-Programms Ruhr.2010 ist, spielen auch noch Jugendliche aus den Kulturhauptstädten Pecs (Ungarn) und Istanbul mit. „Rede mit mir“ entstand in Zusammenarbeit von Ruhrfestspielen, den europäischen Kulturhaupstädten und dem Bundesbildungsministerium. Vor Ort fördern die Vestische und „Arbeit und Leben“ das Projekt.
Alle Texte von Jugendlichen
Und so fährt das Festival ab: Eingecheckt wird am Bildungszentrum des Handels gleich am Hauptbahnhof (Wickingplatz 2-4). Hier treffen sich die Reisenden in einer Art Warteraum. Das Theaterspiel beginnt. Regisseur Andreas Kebelmann: „Alle Texte stammen von den Jugendlichen selbst, es sind vor allem biografische Interviews.“ Die Theaterrevue, begleitet von einer Live-Band, thematisiert Integration, Ausgrenzung, Konflikte. Die Akteure geben sich vielstimmig und einsilbig, schweigsam und laut, hilflos und stark. Viele erzählen von ihrem eigenen Leben.
Wenn alle ihre Boarding-Cards in Händen halten, geht’s ab in den Bus der Vestischen. Auch an Bord wird weiter Theater gespielt. Rund hundert Passagiere kann der Sonderbus aufnehmen. Der Transfer endet am Flugplatz Loemühle, und zwar direkt auf dem Rollfeld. Während das junge Ensemble den Flugplatz an unterschiedlichen Stellen bespielt, wird der Flugbetrieb ganz normal weiterlaufen. Eine reale Theaterkulisse ohne bequemen Sessel im Parkett.
Fürs Publikum geht’s mal zum Tower, mal in den Hangar oder von einem Flieger zum nächsten. Take off nach Europa.
Am Ende, wenn alles gesagt ist, steht der Bus wieder für die Rückreise gen Heimat bereit.
„Arbeit und Leben“, eine Einrichtung der politischen Jugendbildung, fördert das Projekt. Bildungsreferent Lothar Jansen: „Wir kommen meist vom Kopf her, hier können die Jugendlichen kreativ sein, ausdrücken, was ihr Leben ausmacht.“ Jetzt hoffen alle auf eine gute Landung.
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