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Ruhrfestspiele : Zwischen Blödsinn und Tiefgang

Ruhrfestspiele, 18.05.2008, Elisabeth Höving

Recklinghausen. Darf man den Massenmörder Hitler und den Terror der RAF in einen Topf werfen und dann tüchtig Witze 'drüber machen?

Wenn man's kann, schon. Und wer könnte diese Gratwanderung zwischen bloßem Blödsinn und subtil-politischem Tiefgang besser meistern als Harald Schmidt, der prominente TV-Entertainer, der einst auf der Kabarettbühne groß geworden ist. Mit seiner schrägen Revue „Elvis lebt. Und Schmidt kann es beweisen” begeisterte er jetzt bei den Ruhrfestspielen.

Die fünf Vorstellungen des Staatstheaters Stuttgart gehörten zu den am schnellsten ausverkauften Veranstaltungen des Festivals. Das Publikum bekam genau das, was es erwartetem, und ganz sicher noch ein wenig mehr.

Harald Schmidt, von dem auch das Konzept zur Show stammt, mischte in einem rasenden Parforce-Ritt durch die Musik-, Bühnen- und Politikgeschichte des Jahres 1977 seichte Unterhaltung mit ironischer Gesellschaftskritik. Deutschland im Herbst, Elvis ist tot und Regisseur Claus Peymann sammelt Geld für eine Zahnbehandlung von Gudrun Ensslin. Das ist der Boden, auf dem Schmidt blitzschnell und böse, zynisch, ironisch und blödelnd assoziiert.

Goldener Glitzervorhang, die Band hat bereits Position bezogen, der Hintergrundchor steht, „Also sprach Zarathustra” verheißt Großes. Und dann kommt er, der eigentlich Star des Abends, Conferencier Schmidt im schwarzen Nadelstreifen-Anzug und ist von der ersten Sekunde an megapräsent.

Plaudert aus seiner Zeit an der Stuttgarter Schauspielschule, als er sich im Theater immer wieder die Elvis-Show angesehen hat („Daran erkannte man meinem schlechten Geschmack”), bekam ein Angebot für Wilhelmshaven („Was sollte ich in Wilhelmshaven, auf mich wartete Augsburg”) und wunderte sich bei Lachern über einen Gag („Den können Sie gar nicht kapieren, das war ein Insiderwitz”). Ein bisschen Lokalkolorit kommt eh an: „Also Sie sind jetzt hier nicht bei Big Diehl und müssen zum Glück auch nicht zu Anna Karenina nach Marl.”

Und auch aktuelle Zeitbezüge fehlen nicht: „Ohne die Agenda 2010 hätten wir gar nicht genug Leute, die diesen Lametta-Vorhang jeden Abend vor der Vorstellung bügeln.” Den auf Türke getrimmten Pianisten faucht er an: „Noch ein Wort und du kannst deine Integration selbst bezahlen.”

Zur Musik von Elvis, glänzend gesungen von den Mitgliedern des Stuttgarter Ensembles, tänzelt und trippelt Schmidt durch die Show, zieht sich die Russenmütze über und gibt den Wolf Biermann. Zu einem der bizarren Höhepunkte geriet die Nummer mit Addy und Andy. Addy (Hitler) liegt als Pflegefall mit zittriger Grußhand im Krankenbett („Ich habe den Untergang überlebt”). Andy (Andreas Baader) schlüpft mit geballter Linken unter die Decke und liest ihm „Moby Dick” vor. Bis sich Elvis als Engel dazugesellt und Schmidt befiehlt: „Schluss damit, jetzt wird's wieder politisch.”

Die Nummern wechseln so schnell, dass der Zuschauer kaum ins Grübeln kommen kann, was Hitler und RAF, Elvis und Peymann tatsächlich miteinander gemein haben. Großer Jubel am Ende für Unterhaltung vom Feinsten.

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