Richtung Recklinghausen
08.12.2009 | 18:22 Uhr 2009-12-08T18:22:00+0100
VRR und Pro Bahn denken über eine Wiederbelebung der Bahnverbindung Essen - Westerholt - Herten nach
Herten. Es ist nicht mehr als ein Vorschlag, eine Idee, ein Szenario für die Jahre nach 2030: Um das spärliche Angebot an attraktiven Schienenverbindungen im nördlichen Ruhrgebiet zu verbessern, schlägt der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) eine Reaktivierung der Hamm-Osterfelder Eisenbahnstrecke für den Personenzugverkehr vor. Dadurch könnte der Haltepunkt Buer Nord eine zusätzliche Verbindung in Richtung Essen Hbf und über Westerholt und Herten wieder Anschluss an Recklinghausen Hbf erhalten. Das geht aus dem kürzlich verabschiedeten Nahverkehrsplan 2009 hervor.
Die Chancen, dass aus dieser Idee eines fernen Tages Wirklichkeit werden könnte, sind nicht groß. Denn schon im Vorwort zum Nahverkehrsplan macht VRR-Vorstandssprecher Martin Husmann in Bezug auf die Wiederinbetriebnahme einst stillgelegter Bahnstrecken darauf aufmerksam, „dass die Umsetzung solcher Maßnahmen aus momentaner Sicht finanziell nicht darstellbar ist”. Gleichwohl gibt es konkrete Vorstellungen darüber, wie das Zugangebot trotz engen Finanzrahmens neu geordnet oder gar ausgebaut werden könnte.
Die Reaktivierung der Hamm-Osterfelder Bahn für den Personenverkehr steht dabei im engen Zusammenhang mit der S-Bahn-Linie 9, die bislang einmal stündlich von Essen kommend über Bottrop Hbf und Buer Nord nach Haltern verkehrt. Durch die Reduzierung des 20-Minuten-Taktes auf eine halbstündliche Bedienung auf der Stammstrecke Wuppertal-Essen-Bottrop könnten frei werdende Zugkapazitäten genutzt werden, um eine Verbindung von Buer Nord über Westerholt und Herten nach Recklinghausen zu schaffen. Dieses stündliche Angebot könnten rund 3000 Fahrgäste am Tag nutzen, verweist der VRR auf ein Gutachten aus dem Jahr 1999. Doch bevor diese Züge genutzt werden könnten, müssten Investitionen für die Haltepunkte in Westerholt und Herten finanziell abgesichert sein. Hinzu käme die Beseitigung eines eingleisigen Nadelöhrs zwischen Essen-Dellwig Ost und Bottrop; geschätzte Kosten: rund 50 Mio Euro.
Nicht zu vergessen die Kosten für den Betrieb der Strecke. Lothar Ebbers vom Fahrgastverband Pro Bahn: „Die zusätzlichen Zugkilometer machen drei Millionen Euro im Jahr aus.” Geld, dass die armen Anrainerstädte und der Kreis Recklinghausen wohl kaum allein aufbringen können. Dass eine Verbesserung der Schienenverbindungen dringend notwendig ist, steht für Ebbers außer Frage. Die Hamm-Osterfelder Bahn sei Anfang der 1980er Jahre für den Personenverkehr aufgegeben worden: „Man wollte damals Vorrang schaffen für den Montan-Güterverkehr. Zudem brauchten nur wenige Menschen lange Anfahrtwege zur Arbeitsstelle auf der Schiene zurückzulegen.” Inzwischen hätten sich die Rahmenbedingungen grundlegend verändert. Der Bedarf an Gütertransporten dieser Art sei deutlich zurückgegangen, die Pendlerströme dagegen deutlich angewachsen. Wie also das Szenario 2030 finanzieren, da eine Ausweitung öffentlicher Zuschüsse nicht zu erwarten ist? Mit Sorge blickt Ebbers auf die von der Stilllegung bedrohte Regionalbahn 43 (Wanne-Eickel/Buer Süd/Gladbeck/Dorsten): „Die damit eingesparten Zugkilometer haben genau die zu kompensierende Größe.”
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