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Rasenmäher-Rennen

Rennsport für den kleinen Mann

04.09.2011 | 18:45 Uhr
Rennsport für den kleinen Mann

Waltrop.Rasenmähen am Sonntag wird von den Nachbarn eher verpönt, wenn es nicht sogar verboten ist. Doch einmal im Jahr, zum großen Rasenmäherrennen der katholischen Landjugendbewegung, hören sich viele das Knattern und Surren von kleinen Motoren gerne an.

Da es schon die sechste Auflage des Rennspektakels ist, spricht KLJB-Sprecher Erik Sißmann von „einer Fast-Traditionsveranstaltung“, die in diesem Jahr zum ersten Mal auf einem neuen Acker an der Bücherstraße veranstaltet wurde. „Bei Stimmberg passte es mit dem Fest nicht“, sagt der Organisator und ist froh, dass es immer noch nette Landwirte gibt, die Flächen zu Verfügung stellen.

Denn Platz braucht der Rennzirkus viel und die Zuschauer noch mehr. Knapp 700 Meter lang ist eine Runde, die sich in vielen Schleifen und Kurven gesichert von dutzenden Strohballen ihren Weg über ein abgeerntetes Getreidefeld so bahnt, dass es für die Fahrer mehr als anspruchsvoll ist und für die 1500 Zuschauer viele spannende Szenen gibt. „Hier geht es um fahrerisches Können und Technik und nicht um das große Geld wie bei der DTM“, findet Ottmar Brockmann aus Hamm, der selbst lange bei der Landjugend aktiv war.

Auch wenn die Technik sehr ursprünglich ist, ans Mähen eines Rasens ist mit den Rennboliden nicht mehr zu denken. Bevor die 39 kleinen Trecker auch nur an den Start dürfen, müssen sie sich strengen Augen stellen. Der „Landjugend TÜV“ wartet auf Fahrer und Mäher. Dabei geht es aber nicht um Achsmanschetten und Stoßdämpfer, sondern darum, dass das Mähwerk entfernt wurde und die Bremsanlage den Regeln entspricht – sie muss bei einem Abwurf des Fahrers den Mäher stoppen. Das ist auch wichtig, denn kleine Blechschäden und Unfälle lassen sich kaum vermeiden.

Rennkommentator Patrick Schad kann die Zuschauer, die einen kleinen Zwischenfall im freien Training gesehen haben, beruhigen „Es sah spektakulärer aus, als es war“, sagt er und macht sich eher Sorgen um das Wetter, das er von seinem Moderatoren-Stand in luftiger Höhe aufziehen sieht.

Das hält einen Rasenmäherrennfahrer nicht vom Rennen ab. „Es ist einfach nur ein tolles Gefühl“, schwärmt Erik Sißmann. „Wenn man auf dem Mäher sitzt, kommt es einem auch viel schneller vor.“ Und er sagt, das sei „Rennsport für den kleinen Mann“.

Dass es um mehr geht, als nur das Rennen zu gewinnen, sieht man in den Quartieren der Teams in der Boxengasse, wo es neben Technik, Schweißarbeiten und Fehlerdiagnose Grillfleisch und Tipps gibt.

„Es sind Hobbyteams und das ist auch so gewollt“, sagt Sißmann, der davon berichtet, dass es im Münsterland oder an der Nordseeküste auch Profiteams gibt, die nur auf die Siegerprämien aus sind. Bei den 30 Mannschaften – alle aus der Region – ist an Geldverdienen nicht zu denken, wie beim Team Judgement Day; Hobbyschrauber aus Waltrop. Das ganze Jahr wird an ihren beiden Mähern Projekt One und Ghost gebaut, um das Beste rauszuholen.

Doch das Ende des Waltroper Rasenmäherrennens 2011 kam dann schneller, als alle wahrhaben wollten, denn schon gegen 14.30 Uhr – nach einem sintflutartigen Regen – hat die Rennleitung den rasanten Wettbewerb abbrechen müssen.

Björn Jadzinski

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