Reise durch das Gymnasium Petrinum
05.08.2009 | 18:56 Uhr 2009-08-05T18:56:00+0200
Trotz Schulferien macht sich Schülerin Lena Westermann auf den Weg über das Schulgelände in der Recklinghäuser Innenstadt.
Recklinghausen. Alt und ehrwürdig, so blickt das Portal des traditionsreichen Recklinghäuser Gymnasiums auf Besucher herab, die den Herzogwall hinunterflanieren. Generationen von Schülern sind schon durch die mamorgefliesten Gänge hinter den alten Toren gerannt oder auch geschlichen. Lena ist eine von ihnen. „Das Schulsystem an sich hat sich stark verändert in den letzen Jahren. Und es wird sich noch stärker verändern. Beruhigend zu wissen, dass sich der Anblick dieses Portals wohl nie ändern wird.”
Die 17-jährige Recklinghäuserin ist seit Februar Schülersprecherin des Petrinums, und weiß besser als jeder Andere, was es eigentlich bedeutet, Schüler zu sein in Zeiten des schulpolitischen Umdenkens. „Unterm Strich bleibt einfach weniger Zeit. Alles muss schnell gehen, und die Schule muss die Schüler immer mehr auf die freie Wirtschaft vorbereiten. Aktionen wie die Schulzeitverkürzung auf acht Jahre, der geplante offene Ganztag: All das ist vielleicht im Sinne der Landesregierung, aber nicht im Sinne der Schulen.”
Erste Haltestelle: Übergang vom Altbau in den Neubau. „Es ist ein großer Einschnitt, wenn man das Gebäude wechselt. In der Unterstufe war man immer im Neubau und erst in den letzen drei Jahren erobert man den Altbau. Dort herrscht eine ganz andere Atmosphäre.” Doch auch hier findet der geneigte Besucher allerorts Anzeichen von Veränderungen: „Im Zuge des 'offenen Ganztages' muss eine Mensa für die Mittagspause her. Da uns dafür die räumlichen Kapazitäten gar nicht zur Verfügung stehen, werden wir wahrscheinlich auf dem Flachdach der Naturwissenschaften anbauen”.
Verschnaufpause auf dem Schulhof. Lena klettert auf ihren Lieblingsbaum mit Ausblick auf das gesamte Gelände. Nachdenklich bleibt ihr Blick an einer kleinen Steintafel hängen. „Ismael Feuerstein. Er war Schüler hier am Petrinum und wurde zur Zeit des Nationalsozialismus aus der Schule geholt und ins KZ gebracht. Es ist schwer möglich, sich heute vorzustellen, welche Zeiten diese Schule schon erlebt hat. Auch die Gedenktafeln im Altbau mit den gefallenen Schülern im ersten Weltkrieg ist für mich ein besonderer Ort. Dagegen wirken unsere Probleme heute klein.”
Kurz vor dem Eingang des Neubaus trifft Lena auf Hausmeister Körner. „Morgen Chef”, sagt sie und grinst. „Weißt du überhaupt noch, wo es rein geht nach viereinhalb Wochen Nichtstun”, fragt der Herr Körner gelassen. Kollegium und Schülervertretung pflegen einen entspannten Umgang. „Die Zusammenarbeit ist gut, anders geht es auch gar nicht. Aber wir vertreten trotzdem die Meinung der Schüler und können sehr auf unserer Meinung beharren, wenn es sein muss.”
Seit dem Frühjahr 2009 existiert die sogenannte Stadt-SV. Bestehend aus allen Schülersprechern und Vertretern der innerstädtischen Gymnasien. Dazu gehören: Hittorf, Petrinum, Marie-Curie und das Freiherr-vom-Stein. In gemeinsamen Treffen werden vor allen Dingen aktuelle schulische Fragen diskutiert, werden Meinungen ausgetauscht und gemeinsame Projekte geplant. Auch Lena Westermann arbeitet engagiert in der städtischen SV mit.
Dass an dieser Schule in vielerlei Hinsicht eine besondere Stimmung herrscht, merkt der Besucher auch im historischen Teil des Altbaus. „Ein bisschen Harry-Potter-Feeling kommt hier schon auf.” Lenas Lieblingsort ist die Aula. Egal, ob es um Theateraufführungen, Versammlungen oder Abiturbälle geht: Hier ist der Ort des Geschehens, hier verbringt auch Lena sehr viel Zeit.
Der Spaziergang nähert sich dem Ende und Lena resümiert: „Für die nachfolgenden Generationen wird es nicht leichter. Trotzdem kann es nie schaden, sich einzubringen. Immerhin geht es um die eigene Zukunft!”
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