Prozess geplatzt
03.02.2012 | 18:09 Uhr 2012-02-03T18:09:00+0100
Recklinghausen.Die Bandidos kommen. Das Amtsgericht glich am Freitagmorgen einer Festung. Straßensperren, Eingangschleusen, scharfe Personenkontrollen. Die Reitzensteinstraße war weiträumig von Polizeibeamten abgeriegelt. Kurzum, es war das volle Programm, das die Polizei aufzubieten hatte. Doch am Ende war außer Spesen nichts gewesen.
Exakt 22 Minuten vor Prozessbeginn in dem Verfahren gegen zwei Mitglieder des Motorradclubs teilten die Rechtsanwälte der beiden Angeklagten per Fax mit, dass ihre Mandanten den bereits im letzten Jahr ergangenen Strafbefehl akzeptieren werden.
Damit wurde die mündliche Verhandlung vor dem Amtsgericht hinfällig.
Angeklagt war ein Essener (44) und ein Hertener (37) Bandido-Mitglied des Motorradclubs in Herten-Westerholt. Sie sollen heftigen Widerstand gegen Polizeibeamte geleistet haben. Ausgangpunkt war eine handfeste Auseinandersetzung am Freitag, 1. Oktober 2010. Gegen 23 Uhr gab es eine Prügelei vor dem Rathaus. Zwei Männer sollen tätlich angegriffen worden sein. Die Täter hätten danach mit einem Pkw das Weite gesucht. Kurz darauf wurden zwei Wagen von der Polizei auf dem Dordrechtring mit eben jenen Bandido-Mitgliedern gestellt.
Zunächst gab ein Wort das andere. Weitere Polizeikräfte kamen. Danach wurde es unübersichtlich im Streit zwischen fünf Männern und etwa 20 Beamten und einem Polizeihund. Der Streit eskalierte. In dem Tumult biss der Hund zunächst einen Polizisten, wandte sich dann dem 44-Jährigen zu. Die Polizeibeamten setzten Reizgas ein und zogen ihre Dienstwaffen. Die Polizei sei nicht Herr der Lage gewesen und hätte völlig überreagiert und die Situation selbst hervorgerufen, sagen die Bandidos.
In der Folge gab es einen Strafbefehl gegen den Essener und Hertener. Sie sollten 2000 bzw. 4500 Euro Strafe zahlen und der Fall sei erledigt. Das wollten die Beschuldigten nicht. Sie wollten eine Verhandlung, um „Gerechtigkeit zu erfahren“, wie sie sagen.
Und vor Gericht sollten sie unterstützt werden. Mitglieder verschiedener Bandidos-Clubs hatten ihr Kommen angekündigt und damit den Großeinsatz ausgelöst. Bis spät in die Nacht habe man am Vorabend des gestrigen Freitags, so die Bandidos, diskutiert, ob der Termin wahrgenommen wird. Hintergrund des Sinneswandels ist offensichtlich der Handgranaten-Anschlag auf das Bandidos-Clubhaus Westerholt.
Das Medien-Interesse sei zu groß. Man wolle in dieser Situation den Ball lieber flach halten, sagte ein Sprecher der Bandidos, der angesichts des Medieninteresses bezweifelt, dass es zu einer fairen Verhandlung gekommen wäre.
21:04
20 + Hund gegen 2. Das ist unfair und dann beisst der Hund noch seine eigenen Leute.
Man glaubt es nicht, was alles so passiert.