Freizeit
Palmkirmes gestartet
19.03.2010 | 18:04 Uhr 2010-03-19T18:04:00+0100
Recklinghausen. Die Palmkirmes ist gestartet. Ruhigere Gemüter meiden die Extreme und genießen stattdessen eine Fahrt auf dem majestisch kreisenden Riesenrad.
Es war einmal vor hunderten von Jahren, ein Jahrmarkt, der lockte wenn’s draußen zu blühen begann, Spielleute, Gaukler und Händler ins Vest. Kunterbunt ging es zu und das tut es noch heute: Mit drei donnernden Schüssen eröffnete gestern die Palmkirmes am Saatbruchgelände.
Minuten zuvor liegt Stille noch über dem Platz. Keine Bässe dröhnen, keine Stimme brüllt, alles steht regungslos, die Ruhe vor dem Sturm. Der kleine Saner hält es kaum noch aus, mit großen Augen beobachtet der 4-Jährige das Kinderkarussell. „Gleich geht’s los“, tröstet die Oma und tätschelt dem Enkel den Kopf. Andere kleine Besucher fegen noch aufgeregt durch die Gassen; Das passende Fahrgeschäft will wohl gewählt sein, schließlich gibt es 15 Minuten lang alle Tickets umsonst.
Vielleicht aber ist es gar kein Fahrgeschäft, das die Leute lockt. Michael Schneider betreibt eine Abenteuer-Simualtionsanlage, und die erkundet geneigte Besucher auf ihren eigenen zwei Beinen: „Ein Laufgeschäft“, erklärt der 43-jährige und betrachtet zufrieden sein Schmuckstück. Ein Haifischkopf ragt aus zerborstenen Schiffsplanken, schockiert kommentiert von vorbeieilenden Passanten: „Guck mal, da steckt noch ne Bein im Maul“. Gleich daneben hockt ein Piratenkapitän, stilecht mit Haken und Holzbein geschmückt, Papagei, Totenköpfe und Fischernetze: Willkommen im Pirates Adventure. „Unsere Gäste gehen sieben Minuten lang auf Schatzsuche“, erklärt Schneider, der erst kürzlich mit seiner Attraktion im Londoner Hyde-Park gastierte. „Drinnen erleben sie einen Schiffsuntergang, durchqueren einen maroden Weinkeller, besuchen einen eingekerkerten Piraten und treffen in der Wassergrotte auf den Aligator.“ Kein Wunder, dass die 9-jährige Madlin bei solch schaurigen Aussichten zittert: „Ich bin schon sehr aufgeregt“, verrät die junge Schatzsucherin.
Der Piratenhöhle entkommen, geht es immer weiter, immer tiefer hinein in den Kirmes-Dschungel. Dort, wo Grillfleisch duftet und Mandeln rösten, wo ein Skelett in roter Robe die Geige spielt und bunte Zuckerwatte den Gaumen kitzelt, dort wartet noch so manche Attraktion auf fruchtlose Streiter. Das Flash zum Beispiel feiert in diesem Jahr Premiere auf der Recklinghäuser Palmkirmes: Ein riesiges Pendel, dessen Insassen irrwitzig schnell gen Himmel schießen. Unten im Kassenhäuschen grinst Besitzer Thomas Weber: „Ich glaube die Schnelligkeit macht’s“, erläutert der Experte das hysterische Kreischen seiner Gäste. „Jeder braucht mal ein bisschen Adrenalin. Irgendwie suchen wir doch alle nach dem Kick.“
Wer ihn gefunden hat, spürt dies mitunter auch lange nach der großen Sause noch in Kopf und Magen. Ein Besuch in Brunos Bierdorf mag helfen, die Nerven zu glätten, gegen Übelkeit aber müssen andere Mittel her. Händler Torsten Vitt empfiehlt sein Japanisches Heilpflanzenöl: „Zum einnehmen, einreiben, inhalieren, oder als Badezusatz. Stärkste Minze, unverdünnt ohne Zusätze. Hilft auch bei Magenbeschwerden“, wirbt der 45-Jährige voller Elan.
Ruhigere Gemüter meiden die Extreme und genießen stattdessen eine Fahrt auf dem majestisch kreisenden Riesenrad, bummeln ganz in Ruhe an den bunten Buden vorbei oder lassen sich kulinarische Köstlichkeiten aus aller Welt schmecken.
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