Narrenfreiheit
25.06.2010 | 17:59 Uhr 2010-06-25T17:59:00+0200
Herten.Die Künstlerin Sabine Gentek kreiert Comic-Porträts auf Bestelltung, malt aber auch konventionell in Acryl oder Öl.
Hoch oben, auf dem Wipfel eines eigenwillig geformten Felsens, inmitten einer Schneewüste, thront ein Schloss. Filigran geschwungene Türmchen, winzige Fenster: Ein Märchen in eisgrau-blau, die Szene gleicht den surrealen Kompositionen des großen spanischen Künstlers Salvador Dali. Die Schöpferin dieses Gemäldes jedoch hat noch einen ganz anderen Meister im Sinn gehabt: „Das Bild heißt ‘Der Winter’“, verrät Sabine Gentek, eine Hommage an den Komponisten Antonio Vivaldi.
Dabei hört die 51-Jährige sonst am liebsten Frank Zappa. Sehr zum Leidwesen ihres Gatten, der die Musik des experimentierfreudigen Amerikaners lachend als Körperverletzung schmäht. Doch um Musik soll es heute nicht gehen: Sabine Gentek erzählt von der Kunst, von der Leidenschaft, die sie früh schon packte: „Ich habe meine Liebe zur Kunst als Kind schon entdeckt. Richtig manifestiert hat sich das dann in der Oberstufe, auch dank einer sehr engagierten Kunstlehrerin.“ Gentek folgt dem guten Beispiel, studiert selbst auf Lehramt, macht das erste Staatsexamen, arbeitet immer wieder als Lehrerin und spürt doch, dass es nicht richtig ist. „Es war nicht mein Ding“, gesteht sie, „Zum einen konnte ich natürlich nicht nur Kunst unterrichten. Zum anderen ist man in der Schule an Lehrpläne gebunden. Das ist natürlich völlig richtig und vernünftig, aber wenn man künstlerisch tätig sein möchte, engt es ein.“
So wagte die Mutter einer 26-jährigen Tochter den Sprung ins kalte Wasser, kehrte der Schule den Rücken und eröffnete 2006 ihr eigenes Atelier daheim. „Ich habe schon während meiner Studienzeit Geld mit Porträts verdient“, erinnert sie sich. Kein leichtes Geschäft, denn wer sich malen lässt, hat meist eine ganz bestimmte Vorstellung seiner selbst im Kopf: „Natürlich unterhalte ich mich mit den Menschen, frage sehr genau nach, wie sie es haben möchten“, erklärt die Künstlerin. „Bei den meisten ist es so, dass sie mit einem Foto herkommen dass ihnen gefällt und das wirklich eins zu eins abgemalt haben wollen.“
Leichter, unbeschwerter kommt Genteks zweites Standbein daher: Die 51-Jährige malt Comics, auch Comic-Porträts, humorvolle Szene, die dem Leben nicht selten mit einem Augenzwinkern begegnen. „Ich finde Comics faszinierend, weil man damit einfach alles kann: Kritisieren, loben, in Frage stellen. Comics genießen Narrenfreiheit.“ Gezeichnet wird wie in den guten alten Zeiten per Hand am Schreibtisch, die Nachbearbeitung jedoch passiert am Computer: Eine Symbiose der Möglichkeiten. So muss sich Gentek niemals zum Vorwurf machen, was einst Picasso so bitter beklagte: „Das einzige, was ich in meinem Leben bedauere, ist keine Comics gezeichnet zu haben.“
20:26
Hi Frau Künstlerinn,
finde Ihre Seite ganz tool.
Machen Sie, weiter so.
Kurt