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Närrischer Rat total berauscht

14.02.2010 | 16:55 Uhr
Närrischer Rat total berauscht

Recklinghausen. Es war (fast) so lustig wie gewohnt. Aber in der jahrzehntelangen Geschichte der Närrischen Ratssitzung gab es erstmals Ansätze von Buhrufen und Pfiffen. Moderator Gerd Ehrl, der klug und schnell eingriff, verhinderte einen Eklat

So bleibt unterm Strich auch dieser jecke Höhepunkt im Sessionskalender in angenehmer Erinnerung, mit stimmigen Gags, Songs, Sketches und sehenswerten Kostümen. Beifallsstürme gab's für Stimmungssänger Jupp Brauckmann. Auch das „Stadtprinzenpaar des Tages” (Recklinghausen ist bekanntlich „verwaist”) machte seine Sache gut, obwohl nichtsahnend in die Ehrenfalle getappt: Dezernent Georg Möllers und Ann-Christin Mißfelder, Ehefrau des Bundestagsabgeordneten Philip Mißfelder, erhielten von Bürgermeister Wolfgang Pantförder den Schlüssel zur Stadt. Die schwarz-grün-gelbe Koalition im Rat gab das Thema vor: „Auf nach Jamaika!” Die Bühne war mit Palmen geschmückt, Papier-Joints wurden hochgehalten, bei Rum geplaudert. Zur Musik aus „Fluch der Kabrik” waren die Künstler einmarschiert.

Unerwartet kam der Missklang: War mit Mathias Richter (der Liberale ist der Chef im Ring) der sicherste Schelm in die Bütt gestiegen und hatte für Lachsalven gesorgt, vergaloppierte sich Andreas Becker (SPD) nach gutem Start: Er hatte sich an dem 180 000 € teuren Gutachten für kommunales Sparen festgebissen und schmiss mit Zahlen um sich.

Vampirette Miriam sorgte für kalte Getränke. Foto: Lutz von Staegmann / WAZ-FotoPool

Das Publikum reagierte gereizt. Gerd Ehrl brachte Becker, der abbrach, zur Besinnung, und beschämte die Buhrufer mit seinem Appell „Vergesst nicht, dass es sich hier um Amateure handelt.” Ähnlich schnell stopfte Ehrl Katharina Stohmeyer (CDU), die nach dem verpatztem Auftritt über den Bühnenkollegen lästern wollte, mit dem Satz „Wir sind ein Team” den Mund.

Stimmt. Sogar ein Gutes. Die Grüne Christel Dymke klebt erfreulich wenig an ihrem Manuskript und reagiert spontan auf Kollegen wie auf Zwischenrufer, Heinrich Tondorf bringt mit Versprechern das Publikum in Verzückung. Becker schließlich bewies echte Größe und machte sich in der gemeinsamen Runde auf offener Bühne herzerfrischend über sich selbst lustig.

Sind sonst eher Herren (Jochen Welt, Georg Möllers, Rathauspförtner Reinhard Jankowiak, Dr. Dr. Joachim Seeger) beliebte Zielscheiben der Spötter, waren es diesmal drei Damen. „Christel die Dritte”, alias Christel Dymke als stellvertretende dritte Bürgermeisterin, war für die Ossis die titelgeile „Hupe, die Bürgermeister Pantförder nun an der Backe klebt”. Auch die gegen die angeblich zu lauten Glocken der Kirche St. Peter klagende evangelische Pfarrerin war ein gefundenes Fressen für die „Fab Four” aus Ost-Hillen: Sie ließen unter langen Nachthemden goldene Glocken baumeln. Claudia Ludwig – als abtrünniges WIR-Mitglied und ehemalige Bürgermeisterkandidatin hat sie eine neue politische Heimat bei der UBP gefunden und ist deren Kreis-Fraktionsvorsitzende – wurde am häufigsten jeck „gewürdigt”. Mathias Richter über Claudia Ludwig: „Sie hat so gerne gepuzzelt und freute sich immer, dass sie nach sechs Monaten fertig war, wenn auf der Packung stand: von zwei bis vier Jahren.”

Kerstin Halstenbach

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Kommentare
15.02.2010
16:19
Närrischer Rat total berauscht
von cooperine | #1

Wer die Wahrheit sagt oder auf Mißstände aufmerksam macht, wird ausgebuht!

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