Musikalischer Besuch
19.12.2008 | 14:04 Uhr 2008-12-19T14:04:00+0100
Drei Chöre und Instrumentalisten gestalteten das traditionelle Weihnachtssingen im Knappschaftskrankenhaus. Der Übertragung des Konzerts in die Patientenzimmer folgten Kurz-Auftritte auf den Stationen
Gut: Ein Fernsehstudio stellt man sich anders vor. Schon allein, weil die handliche Kamera und die beiden Micros eher unauffällig am Rande stehen. Von hellen Scheinwerfern kann keine Rede sein, und nochmal schnell abgepudert wird hier auch niemand. Dennoch, dies ist eine Live-Übertragung: vom Vortragsraum des Knappschaftskrankenhauses direkt auf die Fernseh-Bildschirme der Patienten in den Krankenhauszimmern. Das (gebührenfreie) Vorabendprogramm an diesem Donnerstag: ein Weihnachtskonzert, gestaltet von ein paar Instrumentalisten und ganz vielen Sängerinnen und Sängern.
Die Knappen vom Männergesangverein Blumenthal-Haard in ihrem schmucken Staat, die Mitglieder des Evangelischen Kirchenchors Oer-Erkenschwick und die der Chorgemeinschaft St. Markus – sie alle haben jede Menge Festliches im Gepäck. Von „Veni, veni Emanuel” bis hin zum gemeinsam angestimmten „O du Fröhliche”. Und weil sie die Patienten damit nicht nur via Bildschirm erfreuen wollen – nur wenige haben nämlich als Zuhörer direkt im Vortragssaal Platz genommen –, wechseln die Chöre nach etwa einer Stunde die Bühne. Noch schnell ein Schluck Wasser für die Sänger-Kehle, dann schwärmen die Herren und Damen aus, auf verschiedene Stationen.
Die Herren vom MGV Blumenthal-Haard zum Beispiel entern gleich zwei Fahrstuhl-Kabinen, treffen ein paar Stockwerke höher auf der Station A 4 wieder aufeinander und nehmen Aufstellung zwischen Christbaum und Weihnachtsstern. Schon tönt es durch die Flure: „Glück auf, ihr Bergleut, freut euch alle”. Hier und da steht eine Zimmertür offen, eine Handvoll Patienten zieht es auf den Flur. „Das ist die Bergkapelle – die kenn ich doch”, sagt ein älterer Herr erfreut.
Nach drei Liedern (und warmem Applaus) klappen die Sänger ihre Notenbücher zu, wechseln auf die nächste Station. „Tochter Zion” stimmen sie diesmal an, dann ein inniges „Glo-o-o-o-o-ria”– und über ihren Köpfen geraten die schimmernden Deko-Schneeflocken in Schwingungen. Hartmut Bänsch (46) und sein Zimmernachbar (87) schauen zu, lauschen den weihnachtlichen Klängen. Wenn's nach ihnen ginge, könnte der Chor ruhig noch länger auf der Station bleiben. „Gut” singt der MGV, meint der Ältere – und der muss es wissen. Schließlich, verrät der 87-Jährige, war er selbst einst Tenor in einem Chor. Stimmungsvoll findet Horst Gutknecht (65) das Weihnachtssingen. Aber nein, das Konzert aus dem Vortragsraum habe er sich nicht via TV auf seinem Patientenzimmer angesehen. Denn: „Ich war selbst unten, um bei dem Konzert direkt mit dabei zu sein!”
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