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Musical mit Laiendarstellern und Käpt’n Knebels Knochen Kombo Krew

09.04.2010 | 13:36 Uhr
Musical mit Laiendarstellern und Käpt’n Knebels Knochen Kombo Krew

Datteln. Wenn in dieser Hafenkneipe Seemannsgarn gesponnen wird, würden sich selbst dem Klabautermann vom Geisterschiff im Bermuda-Dreieck die Zehnägel hochrollen. So einzigartige Skurrilitäten, so überbordende Phantasie – Mann oh Mann . . .

Drei Wochen Quarantäne vor Marseille, das ist aber auch eine verdammt lange Zeit für Seeleute. Da glauben die Jungs an Bord irgendwann selbst an diesen ungeheuerliche Kawenzmann, den die Crew überlebt hat . . .

In einer Hafenkneipe irgendwo auf dieser Welt – vielleicht in Datteln, vielleicht in Hamburg, Panama, Madagaskar, wer weiß das schon? – spinnt eine kleine Gesellschaft um einen Hochseekapitän und Opa anlässlich einer Schiffstaufe schräge Geschichten. Die leicht anrüchige Wirtin zapft ein kühles Blondes nach dem anderen, während eine sensationshungrige Enthüllungsjournalistin die hanebüchenen Storys des vermeindlichen Seefahrerhelden Käpt’n Kuddel in ihren Notizblock kritzelt . . .

Willkommen bei „Lebertran und Seemannsgarn“, dem Rockmusical mit „Käpt’n Knebels Knochen Kombo Krew“ und sechs patenten Laien-Darstellern. Alle-samt hören die Protagonisten zurzeit auf das Kommando von Vollprofi Evelyn Köster. Die Theaterwissenschaftlerin hat die Bühnenfassung geschrieben, führt Regie und bringt dabei das Ensemble auf Trab. Auch wenn sie ein strenges Regiment führt, witzig ist die 32-Jährige mindestens genauso. „30 Prozent des Inhalts entsprechen der Wahrheit, 90 Prozent sind Seemannsgarn“, erklärt die Erfinderin der 120-Prozent-Marke. Dabei blitzt der Schalk in ihren Augen. Wenn Evelyn Köster nicht Seemannsgarn tauglich wäre, sie würde nicht zur Musical-Truppe um das Dattelner Urgestein Karl (man kennt ihn auch als „Goofy“) Hölscher passen.

Musiker und Seefahrer

Der Vollblut- und Freizeitmusiker, der seit den 1960ern vor keinem Instrument bange ist, hatte die Idee zum Musical mit populären Hits der Beatles, Pink Floyd, Queen, CCR aber auch Marius Müller Westernhagen, John Denver und selbstverständlich Rod Stewart („I am sailing“). Immerhin waren in der ursprünglichen „Knochen Kombo“ gleich zwei Musiker, die zur See gefahren sind. Jürgen Krüger tut’s wieder und ist nach Hamburg gegangen. Bernd Knebel (62) – womit wir bei einem Teil des Bandnamens wären – ist noch an Bord. „Da bin ich auf die Idee gekommen, das Seemannsgarn aufzuschreiben“, sagt Karl Hölscher (62). Gemeinsam mit Evelyn Köster hat er die Fäden aufgenommen und weiter gesponnen. Aber eben nicht nur gesponnen, weil ja auch reale Ereignisse im Spiel sind.

Info
Sergeant Pepper stand Pate

Das Beatles-Album „Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ gilt als eines der ersten Konzeptalben der Popmusik. Das Album erschien offiziell am 1. Juni 1967. 40 Jahre später tauften Musiker in Datteln in Anlehnung an die Großmeister aus Liverpool ihre Band „Käpt’n Knebels Knochen Kombo Krew“. Zur aktuellen Besetzung der Truppe, die ihre Musikrichtung mit „Plautzenblues und Faltenrock“ beschreibt, gehören Karl Hölscher (62),Bernd Knebel (62), Peter Nietzielski (61), Reimer Marth (62) und als „junger Hüpfer“ Bettina Vogel, nach Aussagen von Karl Hölscher schon länger unter 40. Die Band bevorzugt die Rock- und Pop-Klassiker. Und hat damit schon bei diversen Auftritten – unter anderem beim Stadtfest Dattelner Mai – ihre Visitenkarte abgegeben. Die Musical-Darsteller sind Dörthe Balan, Anne Zacharias, Antoinette Hölscher, Martin Bese und Michael Doellert. Als Souffleuse und Springerin fungiert Anne Sonntag. Aktuell wird der Opa für „Lebertran und Seemannsgarn“ gesucht, nachdem der Erstopa abgesprungen ist. Wichtig: Er muss singen können. Wenigstens ein bisschen. Das ist wahr!

Der imaginäre Ort des Geschehens spiegelt – trotz Seemannsgarn – auch ein Stück Geschichte wider. Die sechsköpfige Darsteller-Truppe – drei Frauen, drei Männer – singt und spielt, spielt und singt. Ein Teil der ausgewählten Songs hat Karl Hölscher eingedeutscht. Gleich wie: „Alle sechs Darsteller spielen immer alles nach“, sagt das Macher-Duo Hölscher/Köster. Da müssen sich die Sechs bei schwerer See schon mal richtig ins Zeug legen. Die Theaterwissenschaftlerin – „Für mich ist wichtig, dass dies ein Ensemble-Stück ist“ – hat die komplette Bühnenfassung geschrieben. „Ganz schön viel Text“, meint da der Musiker schmunzelnd. Er hat gut lachen. Seine „Knochen Kombo Crew“ ist ausschließlich für die Musik zuständig.

Frivole Wirtin

Am Puls des Musicals lebt Hölschers Ehefrau Antoinette, die in die Rolle der leicht frivolen Wirtin schlüpft. Was den Profistatus angeht, zieht sie den sportlichen Vergleich: „Wir sind wie Schalke.“ Spricht’s und lacht fröhlich. Schließlich ist man im Hause Hölscher kompromisslos Königsblau-Weiß.

Als Karl Hölscher die Idee zum Musical hatte, war die Kulturhauptstadt 2010 noch ein Wunschtraum des Reviers. Jetzt wird das Rockmusical ein Beitrag zur Local-Heroes-Woche in Datteln. Premiere ist am 30. November in der Stadthalle. Bis dahin wird geprobt, bis der Klabautermann beleidigt ist. Weil Knochen Kombo & Co ihn nicht fürchten.

Inge Ansahl



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