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Möglichst keine Narben

11.11.2008 | 06:00 Uhr

Das Team von Professor Dr. Martin Büsing am Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen (Klinikum Vest) entfernte einer Patientin einen Teil des Magens: der Zugang erfolgte über die Vagina. Dabei handelt es sich um die erste Operation dieser Art in Europa.

„Ich habe keine Schmerzen, mir geht es wunderbar.” Inge Natrup zeigt ihren Bauch, auf dem lediglich ein kleiner blau-gelber Fleck zu sehen ist, aber keine Narbe, die von der Hand eines Chirurgen stammen würde. Was zu erwarten wäre, immerhin sind der 75-Jährigen am Donnerstag letzter Woche ein Magengeschwür und ein Teil ihres Magens im Knappschaftskrankenhaus in Recklinghausen entfernt worden. Und schon nach vier Tagen konnte die Patientin aus Gelsenkirchen-Buer am gestrigen Montag das Krankenhaus verlassen.

Diese schonende Operation führten Chefchirurg Professor Dr. Martin Büsing (48) und sein Team mit der so genannten NOTES-Technik durch. NOTES ist eine englische Abkürzung, die übersetzt etwa bedeutet: endoskopische Operation durch natürliche Öffnungen. Dabei werden die Instrumente durch Mund, After oder Vagina eingeführt. Über einen kleinen Einschnitt in Speiseröhre, Magen, Darm oder Vagina kann der Arzt das eigentliche Operationsgebiet erreichen. Nach erfolgter Operation wird der Einschnitt mit Naht oder Klammern wieder verschlossen.

Im Falle von Inge Natrup erfolgte die Teilentfernung des Magens über die Vagina und einen winzigen Einstich zentral im Nabelbereich. So verbleiben keinerlei Narben, ein wesentlicher Vorteil dieser Technik. „Die Patienten haben wenige bis gar keine Schmerzen nach der Operation und eine potenzielle Infektionsquelle, der Bauchschnitt, wird ausgeschlossen”, sagt Professor Dr. Martin Büsing.

Eine solche transvaginale Magen-OP ist „nach unserem Kenntnisstand die erste Operation dieser Art in Europa”, sagt Martin Büsing. Die Chirurgische Klinik am Knappschaftskrankenhaus verfügt bereits seit Mai 2008 über Erfahrungen mit der NOTES-Technik, die bislang für die Chirurgie noch wenig erschlossen und experimentell sei, so Professor Büsing. In den USA wurde im März 2007 erstmals weltweit eine Gallenblasen-OP über den transvaginalen Zugang zum Bauchraum durchgeführt.

Am Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen wurden seit Mai 2008 20 Patientinnen an der Gallenblase und am Blinddarm mit der NOTES-Technik über die Vagina operiert. Nun wurde dieser Zugang erstmals in Europa zur Teilentfernung des Magens genutzt. NOTES ist eine Weiterentwicklung der laparoskopischen Chirurgie und der gastroenterologischen Endoskopie. Bei der Laparoskopie werden mittels kleiner Schnitte Instrumente in den Körper eingeführt, so werden größere Öffnungen vermieden (mininmal-invasive Chirurgie).

Andrea Rickers

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Möglichst keine Narben
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2008-11-11 06:00
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