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Mit Schatzkorb auf Entdeckungsreise

15.06.2010 | 18:23 Uhr
Mit Schatzkorb auf Entdeckungsreise
Kirchen und Moscheepädagogik in Kindergarteneinrichtungen, das war das Thema in der blauen Moschee an der Pagenbergstraße. Unser Foto zeigt (v.li.) Bedia Sam, Güzide (4), Nevra (6) und Kathrin Alsmuth. Foto: Reiner Kruse

Herten.Ob in der Nachbarschaft oder beim Bäcker – wir werden tagtäglich mit der kulturellen und religiösen Vielfalt in unserer Gesellschaft konfrontiert.

Wichtig ist, dass sich die unterschiedlichen Weltanschauungen, die am Arbeitsplatz, in der Schule und im Kindergarten aufeinandertreffen, auf Augenhöhe begegnen. Um dies zu gewährleisten, boten der Evangelische Kirchenkreis in Recklinghausen und die VIKZ-Moschee in Herten in Kooperation mit dem Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Westfalen/Lippe ein Seminar für christliche und muslimische Erzieherinnen an, das ihre Kompetenzen in interreligiöser Pädagogik erweitern sollte.

Auf dem Programm standen die Grundelemente der Kirchenpädagogik, die in der Friedenskirche bereits praktiziert werden, und das Kennenlernen der neuen Moschee des Verbandes der islamischen Kulturzentren (VIKZ) in Herten. Kindergärten sind Lebensraum – insbesondere solche mit Ganztagsbetreuung. In einer Gruppe bringen Kinder unterschiedliche kulturelle und religiöse Prägungen mit sich. „Im Kindergartenalter werden die Weichen gestellt“, meint Kathrin Alsruth vom Evangelischen Kirchenkreis in Recklinghausen. Schon in jungen Jahren seien Geschlechterunterschiede und Hierarchien spürbar, die es zu vereiteln gelte. „Es ist wichtig, dass sich Kinder und Eltern in unseren Einrichtungen wohl und ernst genommen fühlen“, betont die Religionspädagogin. Grundlegende Kenntnisse aller Beteiligten über das Gegenüber seien dazu unerlässlich.

Zu diesem Zweck hat sie gemeinsam mit Beda Sam, pädagogische Mitarbeiterin in der VIKZ-Moschee, ein neues Projekt erarbeitet: Unter dem Stichwort „Sakralraumpädagogik“ sollen Erzieherinnen künftig gemeinsam mit ihren Schützlingen und deren Eltern christliche sowie muslimische Orte des Glaubens mit kreativen Methoden zu erkunden.

In der Mitte des Gebetsraumes der Moschee steht ein Schatzkörbchen. Es ist unter anderem gefüllt mit einer kleinen Kanzel aus Lego, einem Wasserhahn und dem Bild einer Koransure. „Alles Dinge, die man hier im Gebetsraum finden kann“, erklärt Sam. Ziehen die kleinen und großen Besucher einen Gegenstand aus dem Korb, geht es zunächst darum, das Original ausfindig zu machen. Anschließend sollen die Erzieherinnen Kinder und Eltern zum Gespräch animieren und über den Dialog religiöse Grundkenntnisse vermitteln.

Am Fortbildungsseminar, das Dienstag und Mittwoch stattfand, nahmen fünfzehn Erzieherinnen aus ganz Westfalen teil. Unter ihnen Ulrike Zander und Petra Patmanidou. Sie arbeiten beide in Hertener Kindertagesstätten. Die erfahrenen Erzieherinnen wollen beide so schnell wie möglich das Erlernte mit ihren Gruppen in die Tat umsetzen. In Patmanidous Gruppe sind 40 Prozent der Kinder Muslime. Klar, dass da auch über den Glauben, wenn auch nur über das Spielen in der Moschee gesprochen wird.

„Berührungsängste hatten wir keine: Die Transparenz von außen spiegelt sich in den Menschen wieder“, schwärmen die Erzieherinnen von ihrem Tag in der Moschee an der Paschenbergstraße. Sie befinden das Projekt für lebendig und alltagsnah: „Die Kinder können so richtig forschen.“

Jaqueline Fensch

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