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WAZ-Medizin-Matinee

Wenn Hormone schwinden . . .

12.12.2010 | 18:22 Uhr
Wenn Hormone schwinden . . .
Von den drei Referenten erfuhren die Besucher/innen dabei viel Wissenswertes.

Herten. Bei der WAZ-Medizin-Matinee im St. Elisabeth-Hospital informierten Experten am Sonntag über Wechseljahresbeschwerden und ihre Behandlungsmöglichkeiten.

Eine Extrabegrüßung ging an die Männer: „Schön, dass Sie da sind“, sagte Dr. Maria Siegert-Terzaki (42).. „Denn hier erfahren Sie, was in den Wechseljahren auf Ihre Frauen zukommt. Und so können Sie diese besser durch diese sensible Zeit begleiten.“

Denn auch, wenn die medizinisch Klimakterium genannte Lebensphase „keine Krankheit, sondern ein natürlicher, sich über zehn bis 15 Jahre erstreckender Prozess ist“, wie die Gynäkologische Chefärztin am Hertener St. Elisabeth-Hospital und am Recklinghäuser Prosper-Hospital erklärte, kommt doch nur jede dritte Frau beschwerdelos durch diese Zeit. Alle anderen? Haben mit der Abnahme der Hormonproduktion (Östrogene) in den Eierstöcken einhergehende Probleme.

Da wären zum Beispiel: unregelmäßige Blutungen ab etwa Mitte 40. Ein erstes Symptom für den Beginn der Wechseljahre, „in denen Sie sich aber erst richtig ab einem Jahr nach der letzten Regelblutung befinden“, so Siegert-Terzaki. Diese unregelmäßige Blutungen seien „völlig normal“ und müssten auch nicht behandelt werden. „Es sei denn“, wandte sich die Medizinerin hier explizit an die weiblichen Zuhörerinnen, „die Blutungen stören Sie. Oder diese treten auf, wenn Ihre letzte Periode bereits ein Jahr zurück liegt. Dann müssen Sie die Ursache abklären lassen.“

Helfen, erläuterte Wilfried Müller (59), Leitender Gynäkologischer Oberarzt am Prosper, können Frauen mit Blutungsbeschwerden eine Ausschabung oder eine Gebärmutter-Entfernung. Allerdings sollten Betroffene erst Alternativen ausprobieren: sich eine Hormonspirale einsetzen oder aber die Gebärmutterschleimhaut verschorfen lassen.

Auch für Frauen mit Blasen- oder Beckenbodenschwäche – zwei weitere typische, aber tabuisierte Beschwerden in der „Mitte des Lebens“ –, erläuterte Müller die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten. Und Osteoporose, von der vier von fünf Frauen in den Wechseljahren betroffen sind, lässt sich mit kalziumreicher Ernährung plus Vitamin D, mit Bewegung und im Bedarfsfall auch mit knochenaufbauenden Medikamenten aufhalten. So weit, so klar.

Allein: Nicht selten sind die Wechseljahre von mehr oder weniger unspezifischen Symptomen begleitet: Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Schweißausbrüchen.

Dass auch diese zur großen Belastung werden können, verdeutlichten nicht zuletzt die Einlassungen einiger Matinee-Besucherinnen. So schilderte eine Mutter dreier Kinder, dass sie in der Hochphase ihrer Wechseljahre vor fünf, sechs Jahren „bis zu 40 Hitzewallungen am Tag“ hatte, die mitunter so stark waren, dass bei Fahrten mit dem Auto die Scheiben beschlugen. Und eine andere Frau sagte, sie habe im Verlauf ihres Klimakteriums massive Angstzustände bekommen . . .

Was hilft? Sport? Entspannungsübungen? Eine spezielle Ernährung? Oder gar eine: Hormon-Ersatztherapie (siehe Zweittext)?

Als erstes, betonte Dr. Uwe Auf der Straße (48), in Herten niedergelassener Allgemeinmediziner und Arzt für Naturheilverfahren in einem launigen Vortrag, sei stets abzuklären, was wirklich hinter diesen und jenen Beschwerden steckt. So kämen Schweißausbrüche auch bei einer Schilddrüsenüberfunktion vor und Blutungen auch bei Darmkrebs. „Im Laufe eines Ärztelebens“, verriet Auf der Straße den Anwesenden abschließend ein Berufsgeheimnis, „wird man zum Oberverdachtsschöpfer. Man denkt immer: Wechseljahresbeschwerden? Es kann auch etwas anderes sein!"

Sabine Kruse

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