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Krankheit

Mit Morbus Crohn leben lernen

05.03.2009 | 14:01 Uhr

Herten. Die Hertenerin Sandra Rübenkamp (33) hat seit ihrer Geburt eine chronische, schubweise verlaufende Darmentzündung: Morbus Crohn. Und damit leben gelernt.

"Im Großen und Ganzen", sagt Sandra Rübenkamp, "geht's mir besser, wenn ich locker umgehe mit dem Crohn." Ihre Eltern Adolf und Annie Rübenkamp weiß sie an ihrer Seite. Foto: WAZ, Ruth Albus

Die Krankheit kommt so, wie sie Laune hat. Schlummert oft monatelang, selten sogar mal ein ganzes Jahr in Sandra Rübenkamps Körper, so dass die 33-Jährige beinahe schon glauben könnte, sie sei gesund. Und dann kommt doch wieder der nächste Schub. Dann ist ihr Morbus Crohn wieder aktiv . . .

Sandra Rübenkamp hat mit der chronischen, schubweise verlaufenden Entzündung ihres Darms zu leben gelernt. Damit, dass sie zu Beginn eines jeden neuen Schubs 20-, 30-mal am Tag zur Toilette rennen muss. Damit, dass sie sich in einer akuten Krankheitsphase richtig, richtig schlapp fühlt. Und damit, dass sie bei jedem neuen Schub vorübergehend wieder einige Kilo zunimmt – Folge der monatelangen Einnahme der entzündungshemmenden Cortison-Tabletten. Jedes Mal fragt sie sich in solchen Zunahme-Phasen: "Wer ist denn diese Frau da im Spiegel?"

Sandra Rübenkamp kennt es nicht anders, sie hat Morbus Crohn, seit sie denken kann. Gerade mal zweieinhalb Jahre jung war die gebürtige Hertenerin, als ihre Eltern ärztlich abklären ließen, welche Ursache "die vielen Durchfälle" ihres Kindes hatten. Als ihr in der Dattelner Kinderklinik ein Stück Darm entfernt wurde und ihre Eltern die Diagnose bekamen: Ihre Tochter leidet an dem unheilbaren "Crohn".

Doch was heißt: leidet? Sandra sei "körperlich immer schwach drauf, ihrem Körper fehlt Energie und Leistung. Aber sie merkt das gar nicht", sagen Adolf und Annie Rübenkamp. "Ich sehe es als Vorteil an, dass ich damit von Klein auf groß geworden bin", sagt Sandra Rübenkamp. Und dass sie versuche, "positiv mit der Erkrankung umzugehen".

Erst Recht, nachdem sie vor Jahren einmal eine Veranstaltung für Betroffene und deren Angehörige besucht habe, wo vor allem der Verlust an Lebensqualität, den der "Crohn" zur Folge haben kann, im Fokus stand. "Das hat mich derartig runtergezogen . . .", sagt Sandra Rübenkamp. "Aber jeder Mensch muss halt seinen eigenen Weg finden", wie er mit der Erkrankung am besten leben kann.

Die Finanzbeamtin hat sich entschlossen, sich durch den "Crohn" so wenig einschränken zu lassen wie nur eben möglich.

Gut, sie muss täglich ein Medikament einnehmen, das ihre Immunabwehr herabsetzt, außerdem ein entzündungshemmendes. Weil das eine wie das andere positive Auswirkungen auf Häufigkeit und Heftigkeit der Autoimmunerkrankungsschübe zur Folge hat. Sie darf möglichst nichts extrem Scharfes und nichts extrem Fettiges essen, soll Zitrusfrüchte meiden ("Multivitaminsaft trinke ich trotzdem."). Und Stress, weil auch jeder starke Stress einen neuen Schub auslösen kann.

Aber: "Im Großen und Ganzen", sagt Sandra Rübenkamp, "geht's mir besser, wenn ich locker umgehe mit dem Crohn."

Die 33-Jährige möchte sich heute nicht mehr verrückt machen lassen von jedem vermeintlich noch so vielversprechenden neuen Medikament, jeder noch so vielversprechenden neuen Behandlung. Sie fühlt sich bei dem sie betreuenden Arzt bestens aufgehoben . . .

Sandra Rübenkamp ist ein fröhlicher Mensch. Vom "Crohn" lässt sie sich die Laune nicht verderben.

Sabine Kruse

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