Leben mit Lungenkrebs
17.03.2010 | 16:30 Uhr 2010-03-17T16:30:00+0100
Recklinghausen. Am Ende ging es vor allem um die eigenen Emotionen. "Enorme Angst, ja Panik" habe die Diagnose Lungenkrebs in ihm ausgelöst, gestand Michael Kramer*. "Zufällig" war dieser vor fast vier Jahren entdeckt worden.
Erst eine Lungenaufnahme zwecks einer anstehenden Operation an der Hand machte den kleinen Tumor am rechten, unteren Lungenlappen sichtbar . . .
Mit der Schilderung seiner sehr persönlichen Krankengeschichte beeindruckte der 61-Jährige die über 60 Anwesenden, die zur ersten Medizin-Matinee der WAZ im Vest und des Klinik-Verbundes Vest Recklinghausen (KVVR) ins Prosper-Hospital gekommen waren. Und er machte Mut: als „ein lebendes Beispiel” dafür, dass ein „Leben mit Lungenkrebs” tatsächlich möglich ist.
Die Zahl der Menschen, die an Lungenkrebs sterben, ist in den letzten Jahrzehnten gleichwohl drastisch gestiegen. Allein 2008, sagte Privat-Dozent Dr. Friedrich Blumberg, Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Pneumologie am Prosper-Hospital, waren es bundesweit fast 45 000 – darunter knapp ein Drittel Frauen. Risikofaktor Nr. 1 ist dabei nach wie vor: das Rauchen. Blumberg: „Es ist für 85 Prozent aller Lungenkrebs-Erkrankungen verantwortlich.” Und er warnte: „Auch Passivrauchen ist schädlich.”
Wer Schmerzen im Brustkorb verspüre, aus unerklärlichen Gründen viel Gewicht verliere oder gar Blut huste, so Blumberg, sollte stets einen Arzt aufsuchen. Auch eine unklare Heiserkeit bei Rauchern, ein anhaltender Husten über mehr als drei Wochen sowie eine unerklärliche Luftnot seien mögliche Hinweise auf ein Bronchialkarzinom, ergänzte Dr. Jörg Beautemps, Chefarzt der Radiologie am St. Elisabeth-Hospital in Herten.
Blumberg wie Beautemps betonten, dass im Verdachtsfalle stets schnell geklärt werden müsse, ob der Betroffene tatsächlich einen Tumor im Körper habe. Neben Blutuntersuchungen, einer Röntgenaufnahme und einer Computertomografie gehören eine Bronchoskopie (Lungenspiegelung), eine Biopsie (Entnahme einer Gewebeprobe) sowie die so genannte Histologie (die genaue Bestimmung der Tumorart und eines eventuellen Befalls der Lymphknoten und anderer Organe zur umfassenden Diagnostik.
Umfassende Diagnostik
Wie diese in der Radiologie konkret abläuft, verdeutlichte Dr. Jörg Beautemps sehr anschaulich. So ließ er die Matinee-Besucher u. a. testen, ob sie auf an die Wand geworfenen Röntgen- und Schichtaufnahmen auch selbst einen Tumorherd erkennen konnten. Und anhand eines Apfels demonstrierte er die Entnahme einer Gewebeprobe.
Die Zeit vom Verdacht bis zur Diagnose: Einige Anwesende wollten wissen, wie lange diese „so belastende” Phase dauere. Die Antwort: bei den Krankenhäusern des KVVR etwa eine Woche. „Wir wissen, dass diese Wartezeit für Betroffene meist das Schlimmste ist”, sagte Blumberg. Aber, so fügte Beautemps hinzu: „Die Diagnose Lungenkrebs muss gesichert sein – eben weil sie so weitreichende Folgen hat.” Zudem seien die Therapien beim Lungenkrebs je nach Ausprägung verschieden.
Fortsetzung folgt
Die Reihe der Medizin-Matine´es von WAZ im Vest und dem Klinik-Verbund Vest Recklinghausen – bestehend aus dem Recklinghäuser Prosper-Hospital und dem Hertener St. Elisabeth-Hospital – wird fortgesetzt. Am Sonntag, 13. Juni, geht es um Schilddrüsenerkrankungen. Beginn ist um 11 Uhr im St. Elisabeth-Hospital, Im Schlosspark 12. Der Eintritt ist frei, Anmeldungen unter 01802 40 40 72.
Die „einzige Chance, Lungenkrebs wirklich zu heilen”, sagte Privat-Dozent Dr. Jens Jakschik, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie am Prosper-Hospital, „bietet allerdings die Operation.” Welche verschiedenen Techniken es hierbei gibt und wann eine Operation überhaupt sinnvoll ist, erläuterte er sodann anhand zahlreicher Beispiele. Neben der Entfernung einzelner Lungenlappen oder ganzer Lungenflügel stehen zur Behandlung Chemo- und Strahlentherapie zur Verfügung. Oft werden die Verfahren auch kombiniert.
Glaube an sich selbst
Lungenkrebs sei „eine interdisziplinäre Herausforderung”, betonte Jakschik. Aus Sicht der Ärzte. Und aus Sicht der Patienten? „Man braucht bei so einer Erkrankung Menschen, die einem stützend zur Seite stehen”, sagte Michael Kramer. Und den Glauben an sich selbst. Acht Tage nach der Operation verließ er das Krankenhaus, vier Wochen nach dem Eingriff fing er an zu arbeiten. Und hat auch sein Hobby wieder aufgenommen: das Laufen. „Es geht mir gut.”
* (Name geändert).
- Fotostrecke: WAZ-Medizin-Matinée
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