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Besser leben

10.06.2009 | 19:26 Uhr
Besser leben

Viele Informationen über Diabetes erhielten die Besucher beim jüngsten WAZ-Medizinforum im Recklinghäuser Knappschaftskrankenhaus.

Am Mittag war Hans Groß (76) noch „inne Erdbeeren”. Am Dienstagabend, beim Medizinforum von WAZ im Vest und Klinikum Vest im Knappschaftskrankenhaus, lässt er beim Check-Up dann unter anderem seinen Blutzucker bestimmen – 147, leicht erhöht. „Ich habe”, gesteht der Marler, seit zehn Jahren Typ-2-Diabetiker, „heute mittag genascht . . .”

Was müssen Diabetiker beim Essen alles beachten? Welche Blutzuckerwerte bedürfen einer medikamentösen Behandlung? Es waren Fragen wie diese, auf die Hans Groß und rund 40 weitere Besucher Antwort erhielten. Und darüber hinaus weiteres Wissenswertes über die Volkserkrankung Diabetes erfuhren.

Rätsel
Wie süß manche Lebensmittel sind

Zucker versüßt unser Leben, doch ein Zuviel des Nahrungs- und Genussmittels ist ungesund.

Höchstens 30 bis 50 Gramm Zucker täglich empfehlen Experten, das entspricht etwa zehn bis 20 Stücken Würfelzucker (a´ drei Gramm) – inklusive des in Nahrungsmitteln versteckten. Doch wissen Sie überhaupt, wie viel Zucker diverse Lebensmittel überhaupt so enthalten? In einem von Diabetologen des Knappschaftskrankenhause Recklinghausen entworfenen Rätsel „Zuckersüß” können Sie Ihr Wissen überprüfen.

ONLINE Das Rätsel finden Sie auf DerWesten.de/vest

1. Wie viel Würfelzucker-Stücke nimmt der deutsche Bundesbürger durchschnittlich am Tag zu sich?

a) 35 Stück ( )

b) 50 Stück ( )

c) 70 Stück ( )

2. Wie viele Kilokalorien enthalten 100 Gramm Zucker?

a) 206 kcal ( )

b) 406 kcal ( )

c) 606 kcal ( )

3. Wie viele Würfelzucker-Stücke sind in einer Tafel Vollmilch-Schokolade (100 Gramm) im Durchschnitt enthalten?

a) 8 Stück ( )

b) 16 Stück ( )

c) 30 Stück ( )

4. Wie viele Würfelzucker-Stücke sind in einer Flasche Tomaten-Ketchup (500 ml) durchschnittlich enthalten?

a) 15 Stück ( )

b) 45 Stück ( )

c) 60 Stück ( )

5. Wie viele Würfelzucker-Stücke enthält eine Dose Coca Cola (330 ml)?

a) 5 Stück ( )

b) 12 Stück ( )

c) 20 Stück ( )

6. Wie viele Würfelzucker-Stücke sind in einer Tüte Gummibärchen (200 Gramm) im Durchschnitt enthalten?

a) 12 Stück ( )

b) 50 Stück ( )

c) 80 Stück ( )

7. Wie viele Würfelzucker-Stücke sind in einem fettarmen Becher an Fruchtjoghurt (150 Gramm) im Durchschnitt enthalten?

a) 3 Stück ( )

b) 5 Stück ( )

c) 10 Stück ( )

8. Schluss-Spurt: Wie viele Stücke Würfelzucker enthält ein Liter Orangensaft durchschnittlich?

a) 20 Stück ( )

b) 48 Stück ( )

c) 60 Stück ( )

Auflösung: 1a), 2b), 3b), 4b), 5b), 6b), 7c), 8b).

Zum Beispiel von Prof. Dr. Ulrich Loos (58), dem Chefarzt der Inneren Abteilung am Knappschaftskrankenhaus. Anders als der Typ-1-Diabetes, der überwiegend bis zum 40. Lebensjahr auftritt und aus einem Insulinmangel infolge einer Autoimmunerkrankung entsteht, sei der Typ-2-Diabetes die Folge einer Resistenz gegen das körpereigene, noch vorhandene Insulin: Aufgrund von Verererbung in Verbindung mit Übergewicht und falscher Ernährung, so Loos, könne dieses nicht mehr genug wirken.

Und dann hilft –wie bei Typ-1-Diabetikern – auch den Typ-2-Betroffenen nur noch eine medikamentöse Behandlung mit Insulin?

Die Experten des Abends (v. li.) Ulrike Schwennsen (Diabetes-Beraterin im Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen), Dr. Hermann Wentz (Oberarzt der Klinik für Innere Medizin im Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen), Thomas Schmitt (Leiter der WAZ-Redaktion Unser Vest), Priv.-Doz. Dr. Markus Reiser ( Chefarzt der Klinik für Innere Medizin an der Paracelsus-Klinik Marl), Prof. Dr. Ulrich Loos (Chefarzt der Klinik für Innere Medizin im Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen), und Gudula Scherbarth (Podologin aus Marl); Foto: Rainer Raffalski / WAZ

Mitnichten, das machten Loos und die übrigen medizinischen Experten des Abends den Anwesenden sehr deutlich. Vielmehr seien die ersten Mittel der Wahl beim Typ-2-Diabetes eine Gewichtsabnahme von zehn Prozent, gepaart mit einer Bewegungstherapie. „Bei einer derart wirkungsvollen Prävention”, betonte Dr. Hermann Wentz (61), Diabetologe am Knappschaftschaftskrankenhaus, „wären 90 Prozent aller Typ-2-Diabetiker dauerhaft geheilt.”

Gleichwohl: Von der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, so Wentz, gebe es die Empfehlung, bei Typ-2-Diabetes zusätzlich Tabletten (Metformin) einzunehmen, die die Insulinresistenz verminderten.

Und sonst? Erfuhren die Besucher, zum Beispiel, noch, dass ein Diabetiker seinem Arzt, zumindest was seinen kulinarischen Lebenswandel betrifft, nichts verheimlichen kann; der so genannte HbA1c-Wert nämlich ist eines jeden Menschen „Blutzuckergedächnis” (Loos). Wissenswert zudem, was Privat-Dozent Dr. Markus Reiser (44), Chefarzt der Inneren Klinik an der Paracelsus-Klinik Marl, da über neue Medikamente gegen die Zuckerkrankheit erzählte, die über einen eigenen, vom Insulin unabhängigen Signalweg auf den Blutzuckerwert einwirken. Und dass es sich für Diabetiker empfiehlt, regelmäßig selbst Tageszuckerprofile zu erstellen – weil allein der Nüchternblutzuckerwert für die Erstellung einer optimalen Therapie nicht genügt.

Stellt sich für (Noch)-Nicht-Erkrankte indes die Frage: Wie merkt man überhaupt, dass man Diabetes hat? Mögliche Symptome, so Loos, seien ein vermehrtes Durstgefühl, Müdigkeit, häufiger Harndrang, aber auch eine unerklärliche Gewichtsabnahme oder häufige Infekte. Bei solchen Beschwerden sollte man sofort seinen Blutzuckerwert überprüfen lassen. Denn das Gefährlichste an der Zuckerkrankheit sei: dass sie zu spät erkannt (und behandelt) wird. Wodurch Folgeschäden wie Herzinfarkt, Schlaganfall, diabetische Füße, Durchblutungsstörungen der Beine, Augen-, Nierenschäden drohen. Einmal erkannt und richtig behandelt dagegen, so Loos, „kann ein Diabetiker fast ein normales Leben führen”.

Ab und an Erdbeeren naschen inklusive.

Sabine Kruse

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