Arthrose macht mobil
21.01.2009 | 21:03 Uhr 2009-01-21T21:03:00+0100
Das WAZ-Medizinforum "Wenn jeder Schritt schmerzt" lockte am Dienstagabend zahlreiche Interessierte in die Marler Paracelsus-Klinik. Bei den Expertenvorträgen über die Behandlungsmöglichkeiten von Knie- und Hüftgelenk-Arthrose erfuhren die Besucher auch, wie wichtig bei der Erkrankung Bewegung ist.
Angelika Haßelberg (54) hat in ihrem rechten Knie Arthrose vierten Grades, die schwerste Stufe von Gelenkverschleiß also, die es gibt. Schmerzen allerdings, sagt die Duisburgerin, bereite ihr ihre Arthrose (noch) nicht, sogar joggen könne sie mit dieser „ohne Probleme”. Soll sie dieses künftig womöglich dennoch besser sein lassen?
Es war dies nur eine von vielen, vielen Fragen, die die Besucher des Medizinforums von WAZ im Vest und Klinikum Vest den Experten da am Dienstagabend in der Kapelle der Marler Paracelsus-Klinik stellten. Zu einem Thema, das Massen betrifft: Knie- und Hüftgelenk-Arthrose und ihre Behandlungsmöglichkeiten.
Eine derselben lautet zunächst: Bewegung. „Leben ist Bewegung und Bewegung ist Leben”, mit diesem Satz mahnte Dr. Lars-Christoph Linke (38), Chefarzt der Orthopädischen Klinik der Paracelsus-Klinik, die Anwesenden, selbst bei fortgeschrittener Arthrose nicht auf Sport zu verzichten. Allerdings müsse die Bewegungstherapie der Gelenkschädigung (und den durch sie verursachten Schmerzen) angepasst sein: Radfahren mit hohen Frequenzen, aber niedrigem Widerstand, Nordic Walking, Kraulschwimmen seien gut geeignet, Jogging weniger.
Die Resonanz zum WAZ-Medizinforum „Wenn jeder Schritt schmerzt – Behandlungsmöglichkeiten bei Hüft- und Kniegelenk-Arthrose” war derart groß, dass die gut 100 Sitzplätze in der Kapelle der Paracelsus-Klinik, Lipper Weg 11, in Marl bei weitem nicht ausreichten für die rund 200 Besucher aus dem gesamten Ruhrgebiet. Doch WAZ im Vest und Klinikum Vest haben rasch reagiert: Am Dienstag, 3. Februar, 18.30 Uhr, bieten sie eine zweite Auflage der Veranstaltung an. Am selben Ort; und mit denselben medizinischen Experten: Anne Schulte-Steinberg, Dr. Lars-Christoph Linke (beide Paracelsus-Klinik) sowie Dr. Daniel Bücheler (Reha-Klinik Berger See, Gelsenkirchen). Der Eintritt ist frei.
Weitere konservative Behandlungsmöglichkeiten? Krankengymnastik, Magnetfeldtherapie (von den Kassen allerdings nicht anerkannt), Akupunktur, orthopädische Einlagen oder Fersenpuffer . . . Und auch Schmerzmittel gehören zur Behandlungspalette von Arthrose.
Das primäre Ziel dahinter? Anne Schulte-Steinberg (36), Leitende Oberärztin der Orthopädischen Klinik der Paracelsus-Klinik, formulierte es so: „Ziel ist es, so lange wie möglich die Bewegungsfähigkeit des Gelenkes zumindest zu erhalten.” Des eigenen.
Denn das Einsetzen eines Kunstgelenkes ist erst dann angeraten, wenn alle anderen Therapieformen ausgeschöpft sind, betonten die Mediziner, die den Anwesenden auch die vielfältigen Operationsmöglichkeiten erläuterten, die es vor dem Einsetzen einer Prothese gibt: von der Knie-Arthroskopie bis hin zu operativen Eingriffen zur Druck- und Gelenkentlastung.
Zu lange sollten Menschen mit fortgeschrittener Arthrose mit der Entscheidung für ein künstliches Gelenk allerdings auch nicht warten, warnte Anne Schulte-Steinberg. Aber: „Grundsätzlich sollten Sie selbst entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist”, machte Lars-Christoph Linke den Anwesenden klar, dass auch die Ärzte im Fall der Fälle nur Empfehlungen aussprächen. Und dass die eigene Krankenkasse einen schon gar nicht zu einem derartigen Eingriff zwingen könne.
Ein Besucher hatte in der abschließenden Fragerunde des WAZ-Medizinforums, moderiert von Thomas Schmitt, dem Leiter der WAZ-Redaktion „Unser Vest”, kurz zuvor nämlich dies geschildert: Nachdem bei ihm 2008 an beiden Knien Arthrose dritten bzw. vierten Grades festgestellt worden war, die Schmerzen weder durch eine Arthroskopie noch Cortison-Spritzen gelindert wurden, „drängt meine Kasse nun darauf, dass ich mir möglichst rasch Kunstgelenke einsetzen lasse . . .”
Von denen übrigens gibt es mehrere 100 Modelle, je nach Bedarf und Gelenkverschleiß des Betroffenen. Und was kommt danach? Nach dem Einsetzen eines speziell auf die eigenen Bedürfnisse ausgerichteten Kunstgelenkes?
Eine ebenso an den einzelnen Patienten angepasste Rehabilitation, deren Inhalte und Ziele den Anwesenden Dr. Daniel Bücheler (40) anschaulich und unterhaltsam erläuterte. Die wichtigste Botschaft des Chefarztes der Rehaklinik Berger See in Gelsenkirchen dabei lautete: „Wer an seinen Gelenken hängt, bleibt aktiv.”
Macht Angelika Haßelberg, die Dame aus Duisburg, also alles richtig? Büchelers Antwort: „Es kann sein, dass Ihre Arthrose bei einem falschen Schritt aktiviert wird (also schmerzt). Es kann aber auch alles gut gehen.”