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Prozess

Mann freigesprochen, weil er Vergewaltigung "nicht bemerkte"

25.07.2012 | 17:54 Uhr
Mann freigesprochen, weil er Vergewaltigung "nicht bemerkte"
Akten in einem Gerichtssaal.Foto: Archiv-Foto: dapd

Essen/Marl.   In einem "ungewöhnlichen Fall" ist ein 25-jähriger Mann aus Essen vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden. Es habe zwar eine Vergewaltigung gegeben, so die Richterin, diese sei dem Angeklagten aber nicht bewusst gewesen. Den Freispruch gab es auch, weil das Opfer sich nicht wehrte.

„Ein ungewöhnlicher Fall“, leitet Richterin Gabriele Jürgensen vom Landgericht Essen die Urteilsbegründung ein. Ungewöhnlich, weil es zwar eine Vergewaltigung gegeben hatte, diese dem Angeklagten aber nicht bewusst war. Freispruch, lautete deshalb das Urteil, weil ihm die Vergewaltigung der jungen Marlerin nicht nachzuweisen war.

Eine komplizierte Beziehung. Auf der einen Seite der 25 Jahre alte Angeklagte aus Essen, der ein Japan- und Philosophiestudium abbrach und sich seitdem mit Gelegenheitsjobs und Hartz IV durchs Leben schlägt. Auf der anderen Seite die 19 Jahre alte Marlerin, die nach der Mittleren Reife keinen Weg ins Berufsleben fand und bei den Eltern lebt. Vor vier Jahren lernen sie sich kennen, ziehen zusammen und trennen sich nach einem Jahr.

Komplizierte Art des Ausdrucks

Beide haben eine etwas komplizierte Art, sich auszudrücken. Der Essener: „Unsere Beziehung war von Differenzen geprägt.“ Die Marlerin: „Ich fand, er klammerte. Aber ich bin gerne allein und weiß nicht, ob andere das als Klammern sehen.“ Um Sex ging es auch, der nach ihrer Ansicht „langweilig“ war. Die ersten beiden Mal in ihrer Beziehung habe sie als Vergewaltigung empfunden , ihm das aber nicht gesagt. Am 20. November – die Trennung liegt länger zurück, ab und an sahen sie sich – treffen sich beide auf dem Essener Weihnachtsmarkt. Danach übernachtet sie bei ihm in Altenesssen. Abends kommt es zum Sex, einvernehmlich. Am nächsten Morgen wird er wieder aktiv. Gewaltsex war mal Gesprächsthema zwischen ihnen, und er meint, sie ans Bett fesseln und mit einem Bambusstock schlagen zu müssen. Als er ihre Fesseln danach löst, nimmt sie den Stock und schlägt auf ihn ein.

Das Gericht hört beiden zu. Richterin Jürgensen liest auch den E-Mail-Verkehr der beiden am Abend nach der Tat vor. Zunächst hatte die Frau eine Anzeige angedroht. Er bettelt, sie solle sein Leben nicht verbauen. Sie diskutieren lange. Mehrfach sagt sie, dass sie die Anzeige erstatte, weil sie sich beim Bundeskriminalamt bewerben wolle.

Moralische Seite angesprochen

Der Angeklagte bleibt im Prozess dabei, dass er von ihrem Einverständnis ausgegangen sei. Im Nachhinein schließe er nicht aus, dass sie es nicht wollte. Sie bleibt dabei, dass sie nicht wollte; zur Gegenwehr aber weder geschrien noch geweint habe: „Das verbietet mir mein Stolz.“

Zweifel an der Schuld des Mannes überwiegen, auch wenn alle Prozessbeteiligten betonen, die Tat sei für die Frau „schrecklich“ gewesen. Der Eindruck überwiegt, dass sie, auch aus anderen Gründen, psychologische Hilfe benötigt. Staatsanwältin Alexandra Rott will Freispruch, Verteidiger Timo Scharrmann ebenfalls. Die Richterin spricht den Angeklagten im Urteil direkt an: „Was die moralische Seite angeht, brauche ich kein Wort zu verlieren.“

Stefan Wette



Kommentare
27.07.2012
18:20
Mann freigesprochen
von EU-lenspiegel | #19

So so
Beim Bundeskriminalamt anfangen möchte diese Frau.
Ich wunder mich in Deutschland über gar nichts mehr.
Ein Mann macht sich nie Sorgen um die Zukunft, bis er eine Frau findet.

27.07.2012
13:40
@ Redaktion: Das ist Rechtswissenschaft - Warum die Zensur??
von SteB | #18

Also, zunächst sollten Sie einmal in § 177 StGB schauen. Dort ist legal definiert, dass eine Sexuelle Nötigung, wenn sie mit einem Eindringen in den Körper verbunden ist, als "Vergewaltigung" bezeichnet wird. Eine Vergewaltigung ist eine Sexuelle Nötigung in einem besonders schweren Fall, das ist richtig, aber der Begriff Vergewaltigung ist vorliegend "richtiger", da präziser.
Was den Ausdruck "nicht bewusst" betrifft, gebe ich Ihnen Recht, allerdings würde ich das fast eher auf die Berichterstattung schieben. Korrekt wäre die Feststellung, dass der objektive Tatbestand der Vergewaltigung erfüllt ist, offenbar auch der subjektive, denn der Mann hat mit Wissen und Wollen ("Vorsatz") den Tatbestand verwirklicht. Er glaubte jedoch, aufgrund einer Einwilligung gerechtfertigt zu sein (so liest es sich zumindest aus dem geschilderten Tathergang). Ob dies einen Rechtfertigungs- oder einen Entschuldigungsgrund darstellt, ist umstritten, im Ergebnis aber gleich: Nicht gem. § 177 StGB strafbar.

2 Antworten
@ Redaktion
von SteB | #18-1

Danke fürs Wiedereinstellen von Kommentar #16

Mann freigesprochen, weil er Vergewaltigung
von miriam.lessmann | #18-2

Hallo SteB,

aufgrund eines technischen Fehlers war Ihr Kommentar für einige Zeit blockiert. Nun ist er wieder sichtbar. Bitte entschuldigen Sie den Fehler.

Viele Grüße
Miriam Lessmann
Community Management

27.07.2012
12:47
Mann freigesprochen, weil er Vergewaltigung
von dutsche | #17

Die sind beide Banane!

27.07.2012
10:42
@ 14: Ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung.
von SteB | #16

Also, zunächst sollten Sie einmal in § 177 StGB schauen. Dort ist legal definiert, dass eine Sexuelle Nötigung, wenn sie mit einem Eindringen in den Körper verbunden ist, als "Vergewaltigung" bezeichnet wird. Eine Vergewaltigung ist eine Sexuelle Nötigung in einem besonders schweren Fall, das ist richtig, aber der Begriff Vergewaltigung ist vorliegend "richtiger", da präziser.
Was den Ausdruck "nicht bewusst" betrifft, gebe ich Ihnen Recht, allerdings würde ich das fast eher auf die Berichterstattung schieben. Korrekt wäre die Feststellung, dass der objektive Tatbestand der Vergewaltigung erfüllt ist, offenbar auch der subjektive, denn der Mann hat mit Wissen und Wollen ("Vorsatz") den Tatbestand verwirklicht. Er glaubte jedoch, aufgrund einer Einwilligung gerechtfertigt zu sein (so liest es sich zumindest aus dem geschilderten Tathergang). Ob dies einen Rechtfertigungs- oder einen Entschuldigungsgrund darstellt, ist umstritten, im Ergebnis aber gleich: Nicht gem. § 177 StGB strafbar.

27.07.2012
09:44
Mann freigesprochen, weil er Vergewaltigung
von oliver0251 | #15

Naja, seit "Nadine" mit dem Erdbeerkäse und den Wurstvitaminen wundert mich nichts mehr in diesem Land.

Dumm wir Brot ist da noch eine Beleidigung für jedes Gebäck.

26.07.2012
22:19
Mann freigesprochen, weil er Vergewaltigung
von Weiss-Alles-Besser | #14

"Es habe zwar eine Vergewaltigung gegeben, so die Richterin, diese sei dem Angeklagten aber nicht bewusst gewesen": Also hat es doch keine (nachweisbare) Vergewaltigung gegeben, denn die "Vergewaltigung" (richtig heißt sie übrigens: sexuelle Nötigung in einem besonders schweren Falle) ist eine Vorsatztat. Also: Ohne Vorsatz keine Tat. Vielleicht sollten Richter bei der Urteilsbegründung etwas mehr Wert auf juristische Präzision legen. Das erspart Fehlinterpretationen und trägt dem Umstand Rechnung, dass sich vielleicht auch der juristische Nachwuchs an Urteilsbegründungen orientieren könnte. Mit laienhaften Urteilsbegründungen kann man höchstens Stammtische begeistern.

26.07.2012
16:02
Mann freigesprochen, weil er Vergewaltigung
von ewigermahner | #13

Na ja, so "langweilig" wird der Sex schon nicht gewesen sein. Welche Vorteile eine Anzeige bei der Einstellung im BKA bringen sollte, bleibt ebenfalls ein Rätsel. Opfer und Täter sollten im Rahmen einer Arbeitstherapie etwas näher mit der Realität in Kontakt gebracht werden...

26.07.2012
14:38
Mann freigesprochen, weil er Vergewaltigung
von ChristlicherDemokrat | #12

Frau Richterin,
peinlicher gehts nimmer!

26.07.2012
14:25
Mann freigesprochen, weil er Vergewaltigung
von Unverkennbar | #11

Als junger Mann hat mans nicht immer leicht, wenn dann noch die falsche Frau dazu kommt .... crazy things happen.

26.07.2012
12:57
Mann freigesprochen, weil er Vergewaltigung
von Battistuta | #10

Ich gehe einmal davon aus, daß Irgendjemand, der dieser Richterin eine Spaltaxt zwischen die Lichter haut, sich auf dieselbe Begründung berufen kann und den Gerichtssaal als freier Mensch verläßt und zwar unter dem Applaus aller Anwesenden.

2 Antworten
Mann freigesprochen, weil er Vergewaltigung
von SteB | #10-1

Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die F... halten.

Mann freigesprochen, weil er Vergewaltigung
von Stromerin | #10-2

Wenn jemand irgendetwas Inhaliert hat, dann kann man leider nicht immer die F....halten! :-)))))

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