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Leben nach Plan

03.06.2009 | 18:56 Uhr
Leben nach Plan

Der Oer-Erkenschwicker Peter Jendreiko (46) ist Diabetiker. Mehrmals täglich spritzt er sich (künstliches) Insulin.

Erste, entscheidende Hinweise auf seinen Gesundheitszustand befanden sich in einem Marmeladenglas, ausgerechnet. Es war ein Montag im Januar vor fünf Jahren, Peter Jendreiko saß im Wartezimmer seines Hausarztes, als eine Sprechstundenhilfe, besagtes, mit Urin gefülltes Gefäß in Händen, in die Runde der Wartenden fragte: „Wer hat das hier abgegeben?” Und dann, als der Oer-Erkenschwicker sich als Besitzer outete, hinterherschob: „Das war ja wohl nicht ausgespült, das Glas . . .”

Da ahnte Peter Jendreiko: Er hatte, obwohl keinerlei Beschwerden, Diabetes. Die Blutzucker-Messung kurz darauf im Zimmer des Allgemeinmediziners – zu dessen Besuch ihn ein Arzt in einer Notfallambulanz am Wochenende zuvor veranlasst hatte, die er wegen akuter Rückenschmerzen (!) aufgesucht hatte – ergab Gewissheit: Bei dem Stimbergstädter wurde ein Blutzuckerwert von über 200 Milligramm pro Deziliter festgestellt. Normal bei Gesunden sind höchstens 140 – kurz nach dem Essen.

Die Diagnose Diabetes: Für Peter Jendreiko bedeutete sie eine große Umstellung. Insbesondere, was das Essen betraf . . . Sein Arzt nämlich riet dem 46-Jährigen zunächst zu einer Diabetes-Therapie ohne Insulin. In Form von Ernährungsumstellung. Gewichtsabnahme. Und Bewegung. Fortan aß er Vollkorn- statt Weißmehlprodukte, im Büro ließ der Technische Angestellte die Mittagsmahlzeiten in der Kantine links liegen, ernährte sich stattdessen von Äpfeln, Möhren, Paprika und einer genau abgewogenen Menge an Haferflocken. Nahezu täglich ging Peter Jendreiko seit seiner erkannten Erkrankung zudem mit Gattin Renate (46) spazieren, sein Gewicht sank um über zehn auf unter 100 Kilo. „Mit dieser Lebensumstellung”, sagt er, „hatte ich den Diabetes im Griff.” Drei Jahre, bis zum 1. Februar 2007 . . .

An jenem Tag wacht Peter Jendreiko schon morgens mit einem Nüchternzucker von über 300 auf, er fühlt sich, „als hätte ich die ganze Nacht über Party gemacht”. Trotzdem schleppt er sich noch ins Büro, irgendwann aber wird ihm schummrig vor Augen, er kann kaum noch sehen. Eine Blutzucker-Messung ergibt den Spitzenwert von 475 – kurz vorm Zuckerkoma . . .

Seit jenem Tag spritzt sich Peter Jendreiko, vom Hausarzt unmittelbar verordnet, Insulin. Zunächst ein Kombi-Präparat, zu spritzen zweimal täglich. Glücklich jedoch ist er mit der „konventionellen Therapie” nicht. Denn das natürliche Insulin („ein Masthormon”) lässt sein Gewicht trotz inzwischen gesünderen Essverhaltens wieder in alte Höhen klettern – nicht gut für sein Wohlbefinden; und für seinen Diabetes schon gar nicht. Im Mai 2008 dann erfährt er bei einem Krankenhaus-Aufenthalt zufällig von einer anderen Diabetes-Therapie – mit einem kurz vor jedem Essen zu spritzenden künstlichen Insulin-Präparat namens Byetta, für ihn das Medikament.

Zwar muss er seither fünf-, sechsmal täglich seinen Blutzucker messen, und sagen wir mal, spontan ein Eis zu essen, wenn er sein Spritzenset gerade nicht greifbar hat, geht gar nicht. Aber Peter Jendreiko hat sich eingerichtet in seinem Leben nach Plan. „Als Diabetiker”, findet er inzwischen, „kannst Du heutzutage doch alles machen.” Nun ja: Fast.

WAZ-Medizinforum zum Thema Diabetes am 9. Juni

Ständig durstig, oft müde? Dann sind Sie, vielleicht, Diabetiker. Allein in Deutschland gibt es fünf Millionen behandlungsbedürftige Betroffene, dazu Massen Erkrankte, die von ihrem „Diabetes mellitus” (der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich „zuckersüßer Durchfluss”) nichts wissen.

Nicht zuletzt, damit Sie, liebe Leserinnen und Leser, Bescheid wissen über die Zuckerkrankheit, die unbehandelt schwere Schäden vornehmlich an den Blutgefäßen anrichtet, ist diese Thema des nächsten Medizinforums von WAZ im Vest und Klinikum Vest am Dienstag, 9. Juni.

Gleich vier Experten werden Sie ab 18.30 Uhr bei der Veranstaltung im Vortragsraum des Recklinghäuser Knappschaftskrankenhauses (Dorstener Straße 151) über die Volkskrankheit informieren: Prof. Dr. Ulrich Loos und Privat-Dozent Dr. Markus Reiser, Chefärzte der Inneren am Knappschaftskrankenhaus (RE) bzw. an der Paracelsus-Klinik (Marl), Diabetologe Dr. Hermann Wentz, Diabetesberaterin Ulrike Schwennsen. In den Vorträgen erörtern sie Grundlagen und Risiken der Diabetes, Möglichkeiten seiner Behandlung, neue Therapien. Und geben Tipps zum Umgang mit der Erkrankung.

Wie gewohnt, können Sie den Experten im Anschluss an die Vorträge wieder Fragen stellen, es gibt einen kostenlosen Imbiss und bereits ab 17.30 Uhr im Foyer des Krankenhauses Gratisbestimmungen Ihrer Blutzucker- und Cholesterinwerte, außerdem ein Preisquiz „Zuckersüß”. Moderiert wird der Abend von Thomas Schmitt, Leiter der WAZ-Redaktion „Unser Vest”.

Der Eintritt ist frei. Anmeldung: 01802 40 40 72

Sabine Kruse

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