Landrat dachte über Kirchenaustritt nach
02.02.2009 | 19:15 Uhr 2009-02-02T19:15:00+0100Kreis. Landrat Jochen Welt (61, SPD) hat die Rücknahme der Exkommunikation von vier Bischöfen scharf kritisiert. Sogar über einen Austritt aus der Katholischen Kirche dachte Welt nach:
„Die Ereignisse der letzten Tage machen wütend. Ich will nicht verhehlen, dass ein Kirchaustritt eine für mich durchaus denkbare Option dargestellt hat, schrieb Welt an Bischof Dr. Felix Glenn und bat: „Bitte nutzen Sie auch Ihre Kontakte nach Rom, um gegebenenfalls den Papst zu bewegen, selbst für Klarheit zu sorgen.”
„Es würde mir mein öffentliches Auftreten auch als Katholik sicherlich erleichtern, wenn Sie sich weiterhin und offensiv von der Auffassung und teilweise staatsanwaltschaftlich verfolgten Äußerungen distanzieren würden. Der Verbleib eines Holocaust-Leugners - vor allem als Hirte und Lehrer - in unserer Kirche ist für mich unerträglich”.
Hier sein Brief in Auszügen:
"Heute, am Holocaust-Gedenktag, möchte ich als Katholik zur Rücknahme der Exkommunikation der vier Bischöfe Stellung nehmen, die Papst Benedikt XVI. letzte Woche vorgenommen hat.
Selbstverständlich stehe ich zu dem Grundsatz der Vergebung. Wer irrte und seinen Irrtum einsieht und auf den Weg der Kirche zurückkehrt, sollte von der Kirche auch mit offenen Armen wieder aufgenommen werden. Was für Menschen gilt, die aus der Kirche von sich aus austreten, muss auch für solche gelten, die die Kirche ausgeschlossen hat.
Es geht mir allerdings um zwei Fragen in diesem Zusammenhang: Welche Bedeutung hat die Wiederaufnahme von Bischöfen, die das Zweite Vatikanische Konzil leugnen, für die Haltung und das Ansehen der Kirche nach Innen und Außen – und welche Bedeutung hat darüber hinaus die Tatsache, dass einer dieser Bischöfe, Richard Williamson, laut Medien-berichten „die Existenz von Gaskammern“ geleugnet hat?
In beiden Punkten habe ich große Zweifel, ob die Wiederaufnahme dieser Bischöfe ohne weitere Aussagen zu den Umständen ihrer Wiederaufnahme oder der Haltung des Papstes zu den von ihnen vertretenen Auffassungen und Absurditäten dem Ansehen des Papstes und der katholischen Kirche nützt.
Ich entnahm einem heute in der WAZ veröffentlichten Artikel, dass die Deutsche Bischofskonferenz sich bereits eindeutig von den Aussagen von Bischof Williamson distanziert hat, was ich sehr begrüße.
Sehr geehrte Herren Bischöfe,
in den 60er und 70er Jahren war ich zunächst als Ministrant, auf örtlicher Ebene als Leiter katholischer Jugendgruppen, als Diözesanjungenschaft der KJG und Vertreter der Kath. Jugend in öffentlichen Gremien meiner Kirche verbunden und habe sie – insbesondere auf Grundlage der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils – als Kirche gesehen und vertreten, die den Menschen nahe ist. Für mich waren die Jahre vor dem Konzil prägend und die Ergebnisse des Konzils entscheidend dafür weiter meiner Kirche verbunden zu sein.
Als Landrat des bevölkerungsreichsten Kreises Deutschlands, in dem nicht zuletzt deshalb überwiegend Katholiken leben, weil wir über Jahrhunderte zum Erzbistum Köln gehörten, habe ich meine Zugehörigkeit zur katho-lischen Kirche bei Kontakten mit verschiedenen, ihr nahestehenden Organi-sationen wie der Kolping-Familie oder der Katholischen Arbeitnehmer-bewegung immer deutlich gemacht und mich dazu bekannt."
20:05
Ich halte nichts von Politikern, die solche – sicherlich sehr viele Bürgerinnen und Bürger empörenden – Geschehnisse benutzen, um sich in offenen Briefen, Zeitungsartikeln und Leserbriefen persönlich wichtig zu tun. Ist Herr Welt wirklich ein so vorbildlicher Katholik, wie er sich darzustellen versucht? Will Frau Becker wirklich antisemitische Hetze entgegen wirken oder nutzt sie nur die Gelegenheit, sich als Vorsitzende einer politischen Kleingruppe ins Gespräch zu bringen?
09:03
Frau Jutta Becker
Sie sprechen mir aus dem Herzen. Vielen Dank für ihren Kommentar.
23:36
Herten, den 03.02.09
Offener Brief an Landrat Jochen Welt
Betr.: „Landrat dachte über Kirchenaustritt nach“ (WAZ-03.02.09)
Sehr geehrter Herr Welt,
Durchaus habe ich Verständnis für die allgemeine Kritik an der Entscheidung des Papstes, die Exkommunikation von vier Bischöfen zurückzunehmen, zumal ein Holocaust-Leugner unter ihnen ist.
Kein Verständnis habe ich jedoch, dass Sie sich als Landrat hier empört an die Medien wenden und Teile Ihres Schreibens an Bischof Dr. Felix Genn, in dem es u.a. heißt:…“wenn Sie sich weiterhin und offensiv von der Auffassung und teilweise staatsanwaltlichen verfolgten Äußerungen distanzieren….“
Herr Welt, ich frage Sie:
Wo blieb Ihre öffentliche Empörung und Protest, als kürzlich vor Ihrer Haustür auf der Rathaustreppe von Jamal Karsli skandiert wurde: „Wir sind alle HAMAS!“?
Die HAMAS, von der EU seit 2003 als terroristische Vereinigung eingestuft, versteckt sich sogar hinter Frauen und Kindern.
Dies war auch auf der Demo zu beobachten, wo auch die Kinder in die vorderste Reihe platziert wurden.
Hasstiraden wie „Tötet alle Juden“ hätten eine Zurechtweisung Ihrerseits hervorrufen müssen.
Warum hat die Öffentlichkeit von Ihnen keine Stellungnahme zu der zutiefst antisemitischen Demo der HAMAS-Sympatisanten gehört?
Mit freundlichem Gruß
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Jutta Becker-Vorsitzende „WIR in Herten“
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