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Kunsthalle Recklinghausen zeigt Werke von Barlach und Meidner

12.02.2010 | 10:00 Uhr
Kunsthalle Recklinghausen zeigt Werke von Barlach und Meidner

Vest. Die Kunsthalle hüllt sich in getragenes Schwarz und Weiß. Belebende Farbe fehlt den Werken, die ab Sonntag im Kunstbunker am Recklinghäuser Bahnhof zu sehen sein werden, fast völlig. Unter dem Titel „Unter unerforschlichen Meteoren” zeigt das Museum je 50 Werke beider Künstler.

Was zum Thema der beiden ausstellenden Künstler durchaus passt. Ernst Barlach und Ludwig Meidner, die beiden großen Meister des deutschen Expressionismus, sezierten vor allem die Schattenseiten des menschlichen Daseins. Unter dem Titel „Unter unerforschlichen Meteoren” zeigt das Recklinghäuser Museum je 50 Werke beider Künstler.

Wer den „Schwebenden” mag, wird den „Rächer” lieben. Viele kennen Ernst Barlachs schwebenden Engel aus dem Güstrower Dom. In Recklinghausen ist eine ebenfalls scheinbar schwebende Figur zu sehen, eine Art Racheengel mit dem Schwert. Sie gehört zu den hochkarätigen Highlights einer an Schätzen wahrlich reich bestückten Ausstellung.

Vieles eint die beiden Künstler

Vieles trennt den Maler, Zeichner und Dichter Ludwig Meidner (1884-1966) und den Bildhauer, Maler und Autor Ernst Barlach (1870-1938). Barlach selbst bekundete 1918 seine Vorbehalte gegenüber Meidners Schaffen: „Er lädt immer viel Pulver in seine Kanone. Er weiß nicht, dass man auch sanft sein kann und dass das Sanfte sehr oft viel lauter ist als aller Kanonendonner.”

Vieles eint aber auch beide Künstler. Altersmäßig trennte sie nicht einmal eine Generation, beide lebten zeitweilig in Paris und Berlin (dort fast Tür an Tür), beide waren früh verfemt. Barlachs Werk verschwand mit den Nazis komplett aus dem öffentlichen Leben, der Jude Meidner floh 1939 mit einem der letzten Züge nach England. Was sie künstlerisch verbindet, ist die expressive Formensprache und der Mensch, der stets im Mittelpunkt steht.

Ausstellung ist chronologisch konzipiert

Dr. Jürgen Schwalm (Museumsdirektor) führte durch die neue Ausstellung. Foto: Reiner Kruse

Oft der gequälte, der leidende, der klagende, der hoffnunsglose Mensch. Die Ausstellung ist zeitlich chronologisch konzipiert. Im Erdgeschoss sind Barlachs Bettler versammelt. Ernst Meidners Zeichnungen zeigen derweil Heimatlose, Abgebrannte. In der ersten Etage korrespondiert Meidners Darstellung eines Propheten mit dem „Sonnenanbeter”.

Beiden Künstler galt der Sternenhimmel als Spiegel des Unergründlichen und der göttlichen Präsenz. Barlachs „Sterndeuter” blicken ins Unendliche und Meidner dichtete: „Ich ruderte angstbedeckt im Schatten der roten Fledermäuse, unter unerforschlichen Meteoren und den Hörnern der dröhnenden Ulmen.”

Bei den späteren Arbeiten im Obergeschoss dominieren bei beiden apokalyptische Szenen, Kriegsgetümmel, aufgerissene Münder. Versöhnlich das Ende der Schau mit zwei humorigen Barlach-Skulpturen: Das „Vergnügte Einbein” (1934) und die „Lachende Alte” (1936) verabschieden den Besucher.

Friedhelm Pothoff

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