Kunst-Banane übertüncht
26.08.2008 | 14:57 Uhr 2008-08-26T14:57:00+0200„Das ist ja echt Banane!” muss ein städtische Haustechniker gedacht haben, bevor er das gelbe Früchtchen, das an einer Säule vor dem Skulpturen prangte, mit grauer Farbe übertünchte.
„Das ist ja echt Banane!” Sein Autrag lautete: Entfernen Sie die Graffiti-Schmierereien an Rathaus- und Museumswänden! Und das tat er auch. Gründlich. Dass es sich bei der Banane um ein Kunstwerk handelte, wusste und erkannte er nicht. Farbe drauf und weg damit . . . Entstanden war das witzige Graffito erst wenige Tage zuvor. Der Kölner Künstler Thomas Baumgärtel hatte es erst am 12. August auf den Betonpfeiler aufgesprüht und das „Glaskasten”-Museum damit geadelt (die WAZ berichtete). Denn: Seine Banane gilt als Qualitätssiegel und inoffizielles Logo der Kunstszene. Baumgärtel hat sie im Laufe von 20 Jahren an über 4000 Kunst- und Kulturstätten in der ganzen Welt hinterlassen. Das gekrümmte Etwas ist nicht nur am Museum of Modern Art in New York zu finden, sondern auch an Kunsthallen und Museen in London, Basel, Wien, Köln, . . . Zurzeit tourt der 48-jährige durchs Ruhrgebiet, um herausragende Kunstorte auszuzeichnen. Perplex ist er angesichts der Putzwut in Marl. „In 20 Jahren sind sicherlich einige Bananen wieder verschwunden, aber dass ein übereifriger Hausmeister das Markenzeichen kurz nach der Verleihung wieder entfernt, ist noch nie vorgekommen”, erklärt er halbamüsiert. Ob Marl künftig bananenlos bleiben wird, ist unklar. Thomas Baumgärtel überlegt noch, ob er ein zweites Mal mit Schablone und gelber Farbe anrücken soll. Bedauernd stellt er fest: „Schade, dass die Banane nicht teuer ist, ich hab' ja nie Geld dafür genommen. Schön wäre es doch, wenn das Ganze wie bei Beuys enden würde.” Dessen „Fettecke” in der Kunstakademie Düsseldorf war 1986 von einer Putzfrau weggewischt worden, das Land NRW musste 40 000 Mark Schadensersatz zahlen.
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