Krank im Alter
30.11.2011 | 19:19 Uhr 2011-11-30T19:19:00+0100
Marl.Das WAZ-Medizinforum zum Thema „Krank im Alter – wie geht es weiter?“ in der Kapelle der Paracelsus-Klinik war schon weit fortgeschritten, da erlebten die Besucher doch tatsächlich ihr: blaues Wunder. Frank Hoffmann, Leitender Oberarzt der Unfallchirurgie im Hause, demonstrierte am Mittwochabend nämlich, wie das so genannte „IlluminOss“-Verfahren zur Behandlung von Knochenbrüchen funktioniert.
Der Stolz, dass die Paracelsus-Klinik dieses minimal-invasive, aus den USA stammende OP-Verfahren zur Knochenstabilisierung als eine der ersten Kliniken deutschlandweit anwendet, war Privatdozent Dr. Thomas Gausepohl, dem Chefarzt der Unfallchirurgie, anzumerken, als er den Forumsbesuchern kurz vor der Hoffmannschen Live-Demo erläuterte, wie „IlluminOss“ funktioniert: In die (gesäuberte) Röhre des gebrochenen Knochens wird zunächst ein Ballonkatheter eingeführt, in diesen sodann eine Flüssig-Harz-Mischung gespritzt. Und was dann passiert, „das kennen einige von ihnen vielleicht vom Zahnarzt“, so Gausepohl. Per Bestrahlung mit blaufarbenem, sichtbaren Licht (dem „blauen Wunder“) wird aus dem flüssigen Kunststoff-Monomer binnen 400 Sekunden ein hartes Polymer.
Seit Juni diesen Jahres, so Gausepohl, gehöre „IlluminOss“ an der Paracelsus-Klinik zum Behandlungsspektrum. Vorerst angewandt wird es hier indes nur für ältere Patienten, die eine hochgradige Osteoporose haben oder sehr schwer zu versorgende Knochenbrüche, etwa infolge einer Tumorerkrankung. Rund 40 Menschen haben der 54-Jährige und sein Team mit IlluminOss bislang helfen können – und dies äußerst schnell: Nach nicht einmal 30 Minuten nämlich ist das nagelartige Implantat in der Knochenröhre hergestellt. Doch das Beste, so Gausepohl, sei, dass sich mit diesem OP-Verfahren eine Immobilität vermeiden ließe: „Ich sage den Patienten bereits am Tag danach: Gehen sie, so gut sie es können!“
Nun ist regelmäßige Bewegung ja generell gut fürs Wohlbefinden, mit fortschreitendem Alter aber wird sie geradezu unentbehrlich. Denn wenn ältere Menschen sich längere Zeit nicht bewegen (können), dann brauchen sie viel mehr Zeit als jüngere, um ihre einmal abgebaute Muskelmasse wieder aufzubauen, betonte Dr. Frank Oehmen, Oberarzt der Klinik für Innere Medizin an der Paracelsus-Klinik. Konkret: „Wenn ein älterer Mensch eine Woche im Bett liegen muss, dann benötigt er anschließend vier Wochen Training und Physiotherapie, damit er den Muskelabbau wieder aufholt.“
Es ist dies nur ein Beispiel, anhand dessen Oehmen die Anwesenden dafür sensibilisierte, dass es bei der Behandlung eines älteren Menschen im Krankenhaus viel mehr zu berücksichtigen gilt als die medizinische Versorgung allein. So bedürfe es gerade bei älteren Patienten vor einer geplanten Behandlung wie einer OP einer besonders sorgfältigen Diagnostik. Und einer an die Risiken des jeweiligen Betroffenen angepassten Therapie. Mögliche Begleiterkrankungen spielen hierbei ebenso eine Rolle wie das biologische Alter. Und auch persönliche Wünsche hinsichtlich der eigenen Lebensqualität, so Oehmen, seien in der Altersmedizin zu berücksichtigen.
Dass eine Erkrankung im Alter dabei nicht selten auch Angehörige vor besondere Herausforderungen stellt, auch das schließlich verhehlte das WAZ-Medizinforum nicht. Doch, so appellierten die Krankenpflege-Experten Bogdan Mrozek von Gliszczynski und Heike Klein an die Anwesenden: Wer Hilfe etwa in punkto Pflege benötige, der solle im Krankenhaus ruhig jemandem vom Pflegeteam ansprechen. „Wir helfen Ihnen weiter!“ – Gut zu wissen.
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