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Klimaschutz

Klimastadt Recklinghausen

27.06.2012 | 18:42 Uhr
Klimastadt Recklinghausen
Die Stadt Recklinghausen hatte zum "Abend für den Klimaschutz" in das Rathaus eingeladen. EStefan Herbst stellte sein klimaneutrales Wohnprojekt vor, für das er die Stadt gewinnen will. Foto: Oliver Mengedoht

Recklinghausen. Wer hätte das gedacht? Die Festspielstadt ist Vorreiter in Sachen Klimaschutz. 37 Prozent des Stroms ließen sich hier mit regenerativen Energien decken. Eine der überraschenden Erkenntnisse beim „Abend für den Klimaschutz“, zu dem die Stadt in den Ratssaal eingeladen hatte, die Abschlussveranstaltung zur Erarbeitung des integrierten Klimaschutzkonzepts.

Simone Raskob, Umwelt- und Baudezernentin der Stadt Essen, ging auf Klimaschutzkonzepte für die 53 Städte der Metropole Ruhr ein. 40 Prozent CO2 will die Bundesregierung bis 2020 einsparen, aber bisher habe das Thema stets unter „Freiwillige Ausgaben“ rangiert und klamme Städte konnten so gar nichts tun. „Die neue Landesregierung hat ihren Entwurf für ein Klimaschutzgesetz vorgestellt, dann wird es Pflichtaufgabe.“

In Essen würden Netzwerke gebildet, Fassaden und Dächer begrünt, Kanäle gebaut und renaturiert sowie Radwege gebaut. Wo gebe es in heutigen Quartieren noch Platz für neue Seen und Grünanlagen? Dafür könne man alte Gebäude und Kleingärten abreißen. schlug Raskob vor. Investoren für Wohnungen und Gewerbe stünden schnell Schlange.

Der Regionalverband Ruhr (RVR) hatte in den letzten Jahren Temperaturen gemessen und Stadtmitte sowie einen Bereich um die Bochumer Straße als heißeste Zonen Recklinghausens ausgemacht, wie Astrid Snowdon berichtete. Die Stadt sei genauso warm wie Gelsenkirchen oder Aachen, obwohl sie deutlich kleiner ist. Zur Verbesserung der Situation könnte man Innenhöfe, Dächer und Fassaden begrünen, mehr Schatten spendende Straßenbäume pflanzen keinesfalls weiteren Siedlungsraum verdichten.

„Wir müssen Betroffenheit auslösen“, machte Reiner Tippkötter klar. Der Vertreter der infas enermetic GmbH stellte mit Kollegin Jenny Althaus das Klimaschutzkonzept vor. Darunter den Fakt, dass mit Biomasse und Grubengas sowie Windkraft und Photovoltaik hier 37 Prozent des Stroms regenerativ erzeugt werden, im Bundesdurchschnitt sind es nur 17%. „Das zeigt, dass wir eine Vorreiterrolle einnehmen“, freute sich Bürgermeister Wolfgang Pantförder. Dazu beigetragen habe auch die Ansiedlung eines Biomasse-Heizkraftwerks in Suderwich und die Unterstützung des Vereins Sola RE, betonte er. Die Anschaffung 2000 neuer Fenster 1999 für Schulen, eine seiner ersten Amtshandlungen, habe sich nicht nur energetisch ausgezahlt, sondern auch finanziell. Während Wirtschaft, Kommune und Verkehr von 2006 bis 2010 ihren CO2-Ausstoß zwischen 0,6 und 7,9% steigerten, reduzierten die privaten Haushalte ihre Emissionen um 3,9%.

Über 80 Maßnahmen wurden in Workshops gefunden, um weitere Einsparungen zu finden, 10 besondere stellte Tippkötter vor, darunter eine Klimaschutzagentur, Windkraft-Potenzialanalyse, Bürgerwindkraftanlagen als Leuchtturmprojekt, Ausbau und Optimierung von Radwegen oder eine Klimaschutzsiedlung. Für genau solch ein Projekt will auch Erzieher Stefan Herbst die Stadt gewinnen, wie er im Plenum vorstellte. Günther Elschrich schlug vor, auf das Arcaden-Dach lieber eine Photovoltaikanlage statt eines Parkdecks zu bauen und der Architekt und Energieberater Ulrich Breider betonte den hohen Nutzen von gemeinschaftlich genutzten Wärmepumpen – mit hohem Einsparpotenzial bei Energie und Finanzen.

Oliver Mengedoht

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