Das aktuelle Wetter Unser Vest 16°C
Süder werden aktiv

Kampf gegen Leerstände

10.09.2012 | 18:19 Uhr
Kampf gegen Leerstände
Kaufmann Carsten Malicki (li.) bespricht mit dem Künstler Marc Sonnhoff (38) die Präsentation seiner Werke.Foto: Oliver Mengedoht

Recklinghausen. „Ich höre regelmäßig von einfachen Bürgern: Ich lebe gern in Süd, aber es sieht traurig aus. Oder die Menschen trauen sich abends nicht mehr, über die Bochumer Straße zu flanieren — wir machen sie wieder sicher.“ Kaufmann Carsten Malicki (39) hat viel vor. Mit seinem Bekannten Jan Hartmann (59) hat er die Initiative „Kunst von unten“ gegründet, die gegen die vielen Leerstände im südlichen Teil der Ruhrfestspielstadt ankämpft. Leere, verdreckte und zugeklebte Läden seien natürlich nicht attraktiv. „Wir zeigen, wie es wieder aussehen könnte“, erläutert Carsten Malicki.

„Ich kann Ideen verkaufen“

Der Inhaber eines Lottogeschäfts arbeitet dazu mit Vermietern, Kaufleuten und Künstlern zusammen. Eine klassische „Win-Win“-Situation, denn (noch) unbekannte Künstler dürfen unentgeltlich in den leerstehenden Geschäftsräumen ausstellen, die wiederum sehen dadurch attraktiver aus, werden gepflegt und dementsprechend auch eher wieder vermietet oder verkauft. Zu alledem ist es ein Gewinn für die Bürger. „Wenn in den Schaufenstern Kunst ausgestellt wird, haben die Menschen etwas zum Gucken und dann werden es mehr und wir machen die Bochumer Straße wieder zu der Flaniermeile, die sie einmal war“, blickt Malicki voraus. „Dann fühlen sich die Leute auch wieder sicher.“ Er habe sich Berlin-Friedrichshain angesehen, das sei das große Vorbild, das ebenso heruntergekommen gewesen sei wie Süd. „Das ist vielleicht nicht direkt übertragbar“, ergänzt Mitinitiator Jan Hartmann, „aber wir wollen das Mögliche herausholen.“

„Kunst von unten“ wird gegründet
„Kunst von unten“ wird gegründet

Der Verein „Kunst von unten“ bekämpft durch das Projekt „Kunstfenster“ in Zusammenarbeit mit Vermietern, Kaufleuten und verschiedenen Künstlern die Leerstände im Stadtteil Süd.

Zur Vereinsgründung sind alle interessierten Bürger eingeladen: am Mittwoch, 12. September, um 19.30 Uhr im Haus Henning, Düppelstraße 6. Dort soll auch ein erster Vorstand gewählt werden. Informationen bei Carsten Malicki unter 0172 153 60 70 und Jan Hartmann unter 0151 54 95 82 56.

Angefangen hat das alles mit einem scherzhaften Gespräch zwischen Malicki und Hartmann. „Es war mehr eine Schnapsidee“, verrät Malicki. Jetzt bleiben die Schilder „Zu vermieten“ im Schaufenster, die Initiative sorgt dafür, dass Räume und Glas gepflegt und sauber sind und Künstler stellen „Eyecatcher“ zur Verfügung, echte Hingucker. So wie Marc Sonnhoff. Der 38-Jährige hat vier plakatgroße Fotografien im Fenster der Bochumer Straße 113. „Das war ein Tag, an dem nix passte, ein schlechtes Timing, aber dann wurde doch eine nette Geschichte draus, weil die Modelle gut drauf waren“, so erzählt er die Geschichte eines wilden Bildes mit geschminktem Glatzkopf und einer Cheerleaderin. Das ist ein Hingucker.

„Viele haben ganz viel vor und reden, aber kommen nie aus dem Quark“, sagt Malicki. Er und die Kaufleute und Vermieter, die mitmachen, tun nun etwas, ebenso wie die beteiligten Künstler. Der erste war Paul Elies (76) aus Dorsten, der jetzt ein Logo für den Verein entwirft. Er hatte 15 Bilder in einem Geschäft ausgestellt „und das wurde deswegen wieder vermietet“, freut Malicki sich über den ersten Erfolg, „Die Wurst-Theke“.

Vor dem leeren, verdreckten und abstoßenden Haus 127a kommt Malicki ins Gespräch mit dem Inhaber des benachbarten „Central Kebabhauses“, Mehmet Ali Arslan. Der würde gerne kaufen, seinen Imbiss erweitern, einen Klamottenladen eröffnen und oben wohnen. „Vorne könntet ihr eure Kunst reinstellen“, bietet Arslan an und sucht den Kontakt zum Verkäufer, Malicki will vermitteln. Bedarf ist also da. Carsten Malicki: „Ich kann nicht malen oder fotografieren, aber ich kann Ideen verkaufen.“

Oliver Mengedoht



Kommentare
Aus dem Ressort
15 Zweitklässler bei Vollbremsung eines Schulbusses verletzt
Unfall
Ein mit über 50 Zweitklässlern besetzter Schulbus musste am Donnerstagmorgen in Recklinghausen so stark bremsen, dass 14 Schüler und eine Lehrerin verletzt wurden. Ein weiterer Schüler kam vorsorglich ins Krankenhaus. Der Bus war dem Auto eines 87-Jährigen aus Oer-Erkenschwick ausgewichen.
Anwohner des Straßenstrichs in Gelsenkirchen sind enttäuscht
Prostitution
Im Gelsenkirchener Eichkamp befürchten die Menschen, dass der zeitlich begrenzte Sperrbezirk zur Dauerlösung werden könnte. Damit falle das einzige Argument weg, das die Bezirksregierung Münster akzeptiert – die Gefährdung des Kindeswohles. In Herten formiert sich der Bürgerprotest via Facebook.
Bilanz der Polizei - bisher drei tödlich verunglückte Biker
Verkehr
Haltern am See - für viele Motorradfahrer aus dem Kreis Recklinghausen ein beliebtes Gebiet für Ausflugsfahrten. Mit Strecken, auf denen man auch mal so richtig aufdrehen kann. Die Polizei hat deshalb dort Donnerstag Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt. Spitze war ein Biker mit fast 130 km/h.
Eltern-Haltestellen sollen Park-Chaos vor Schulen beenden
Schulen
Sie meinen es wahrscheinlich nur gut: Viele Eltern kutschieren ihren Nachwuchs im Auto bis direkt vors Schultor. So lernen ihre Kinder aber nicht, sich sicher im Verkehr zu bewegen. Außerdem werden andere gefährdet. Schulen und Regierung setzen jetzt auf "Eltern-Haltestellen" im Umfeld der Schule.
Liebes-Ballons: ein Fall für die Polizei
Luftpost
Post aus Bielefeld für die in Westerholt frisch vermählten Dennis und Janine Dembowski: Dort hatte die Ballon-Botschaft des Paares einen Polizeieinsatz ausgelöst, weil Ballonknäuel Autofahrer iritierten. Die Beamten auf der Wache beschlossen, ein Foto von den Luftballons mit Polizeiwagen zu machen.
Fotos und Videos
Haltern aus der Luft
Bildgalerie
von oben
Sprengung des Förderturms Herten
Bildgalerie
Sprengung
Die Wildpferde sind los
Video
Naturspektakel
Installationen von Young-Jae Lee
Bildgalerie
Schiffshebewerk