Junge Talente
15.11.2009 | 17:14 Uhr 2009-11-15T17:14:00+0100Marl. Es sind kurze, stille Szenen, eine Reihe lose komponierter Momentaufnahmen, mit denen sich die sechste Klasse des Albert-Schweitzer-Gymnasiums beim Schüler-Filmfestival NRW beworben hat.
Die Tränen eines Jungen, auf die keiner reagiert, die Striemen auf dem Rücken eines Anderen, deren Existenz niemand hinterfragt. Auf Krücken müht sich ein Mädchen die Treppen hinauf, auch sie allein unter Menschen.
Zivilcourage ist das verbindende Element der kurzen Sequenzen und die abschließende Botschaft liest sich leicht: „Hinsehen reicht nicht. Tu was!” Ganz so einfach ist es dann doch nicht: „Dem Film ging das Massaker von Winnenden vorraus. Wir wollten hinweisen auf diese Weg-Guck-Kultur, irgendwie war klar, dass wir etwas zum Thema Zivilcourage machen müssen”, erzählt Ulrich Schulte-Ebbert. Eingebettet ins Medienkonzept des ASG, erarbeitet der Lehrer seit Jahren schon verschiedenste Projekte zu Film und Fernsehen mit seinen Schülern. „Untersuchungen haben längst ergeben, dass Kinder und Jugendliche viel mehr Kontakt zu Bildern, zum Film haben, als zu Büchern. Medien sind ein wesentlicher Teil des Alltags”, erläutert Schulte-Ebbert das Konzept. „So wie man Bücher liest, kann man auch Filme gucken und bei beiden ist es gleichermaßen wichtig zu lernen, Qualität zu unterscheiden.”
Das 12. Schülerfilmfestival NRW fand im Rahmen des 15. Internationalen Kinder- und Jugendfilmfestes Marl statt. Die höchste Auszeichnung des Festivals, der „Marl goes Babelsberg”-Preis, beinhaltet eine Einladung auf das Studiogelände und in die Hochschule für Film und Fernsehen. 14 Beiträge hatten es in die Endrunde geschafft. Sie alle sind im Internet auf www.polylog.de zu sehen.
So nimmt im Unterricht zwar die Theorie den Raum ein, der ihr gebührt, doch die Lehrkräfte schätzen das praktisch Erfahrbare hoch. „Am besten versteht man die Sprache eines Filmes, wenn man selbst einen gemacht hat”, ist sich Schulte-Ebbert sicher. Der Erfolg gibt ihm recht: Beim Schülerfilmfestival am vergangenen Wochenende erhielt „Tu was!” die mit 100 Euro dotierte Auszeichnung der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Die künstlerischen Mittel sind spartanisch gesetzt. Das Inhaltliche überwiegt, und bei dieser Thematik wiegt es schwer und ist geeignet, den Beitrag preiswürdig zu machen”, erklärte Jury-Mitglied Gabriele Fleischhauer-Niemann von der GEW in ihrer Laudatio.
Grund zum Jubeln hatte an diesem Samstagabend im Marler Rathaus vor allem der Literaturkurs des Annette-von-Dorste-Hülshoff-Gymnasiums in Düsseldorf. Für ihren Kurzfilm „Das Leben ist kein Ponyhof” erhielten die Schüler den „Marl goes Babelsberg”-Preis: die höchste Auszeichnung des Festivals. „Im Mittelpunkt der Parabel über den Sinn des Lebens stehen vier junge Menschen in scheinbar ausweglosen Situationen”, erzählte der Vorsitzende der Jury Dr. Ulrich Spies vom Adolf-Grimme-Institut. „Obwohl sich alle irgendwie in einer Sackgasse befinden, ist alles in Bewegung. Ein rasanter Film, der den Zuschauer vom ersten Bild an emotional einbindet. Reife Leistung.”
„Wahnsinn”, freut sich Amelie Peters, die eine der Hauptrollen spielt. „Wir haben über ein halbes Jahr an dem Film gearbeitet und sind jetzt natürlich total stolz.”
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