Jung auch nach 100 Jahren
23.09.2012 | 17:54 Uhr 2012-09-23T17:54:00+0200
Datteln. Es war schon immer die Vorzeige-Schule in der Stadt und das sieht man dem Baubestand aus dem Jahr 1911/12 auch heute noch an. Für die drei ersten Lehrer, die unter der Aufsicht des Hauptlehrers Schülting die Kinder in der nördlichen Peripherie des ehemaligen Dorfes Datteln beschult haben, wäre ein Besuch heute ein großer Schock. Bunt und offen präsentiert sich die Schule im Jahr 2012, wie Eltern es von einer modernen Grundschule erwarten. Kinder aus vielen Ländern der Welt bekommen in den hellen und großzügigen Klassenräumen auf spielerische Art einen Einstieg in die Wissens-Gesellschaft.
Ohrfeige vom Lehrer
Dass Schule in den ersten 50 Jahren der Schule auch ganz anders sein konnte, beschreibt der Schulleiter Peter Heitkötter in seiner Festrede in einem Überblick. Schön, was es heute alles nicht mehr gibt. Anspielungen macht er auf die Ohrfeige vom Lehrer, aber auch auf den Hitlergruß in der Schule. Der Lehrer Gebhard Reichwald, der im Jahr 1952 frisch von der Hochschule an die Schule kam, kann sich noch genau an seinen ersten Tag erinnern und wie es damals war in der Zeit von moralischer Überwachung „Sie passten auf, dass die Lehrerinnen nicht mit einer Hose kamen und Jungs und Mädchen nicht zusammen spielten.“
Heute ist das Bild ein anderes, denn auf dem Schulhof gab es ein großes Spielfest, bei dem alle Klassen zusammen ihr Geschick im Murmelzielwurf oder Angeln und ihre Sportlichkeit im Rollerfahren zeigen konnten. In der freien Natur fand es die wohl älteste noch lebende Schülerin der Schule, Gertruth Temming, schon immer vergnüglich. „Die Ausflüge in die Haardt waren immer das Schönste“, sagt die 88-jährige, die ihren Ehrenplatz bei der Feierstunde mit Schulchor sicher hatte.
Bilder wecken Erinnerungen
Sie war aber nicht die einzige „Ehemalige“, die am Samstag gekommen war. Zahlreiche Frauen und Männer, die als Kinder in der Einrichtung am Grünen Weg die Schulbank drückten, waren gekommen, um Erinnerungen auszutauschen. Da war es recht hilfreich, dass in der Turnhalle eine Bildergalerie zu sehen war, bei der die eine oder andere Begebenheit aus den zurückliegenden Jahrzehnten festgehalten wurde.
Zum Klassentreffen ist es zufällig, aber auch gewollt gekommen, so traf sich die Entlassklasse 1959 und erzählten Geschichten von damals und welchen Lehrer sie zur Weißglut getrieben haben. „Morgens wurden am Anfang Fingernägel und Taschentücher kontrolliert“, kann sich Monika Soff erinnern – was passiert, wenn Dreck unter den Nägeln war, hat sie sich aber nie auszuprobieren getraut. Wenn die alte Klasse ihrer alten Schule etwas für die kommenden 100 Jahre wünscht, sind es weiter so schöne rote Geranien vor den Fenstern.

0mitdiskutieren